Genug Platz auf dem Parkplatz an der Grundschule in Neverin. Vor Schulbeginn und bei Aktivitäten in der Bildungsstät
Genug Platz auf dem Parkplatz an der Grundschule in Neverin. Vor Schulbeginn und bei Aktivitäten in der Bildungsstätte sind die freien Flächen aber regelmäßig ausgebucht. Fotos: Thomas Beigan
Der Schulgarten sieht wieder gut aus, die Helfer fühlen sich jedoch schlecht.
Der Schulgarten sieht wieder gut aus, die Helfer fühlen sich jedoch schlecht.
Neverins Bürgermeister Nico Klose.
Neverins Bürgermeister Nico Klose. T. Prahle
Falsches Parken

Schulgarten-Engagement mit Knöllchen „belohnt”

Ein unnachgiebiges Ordnungsamt, dazu Eltern, die ihren Schulgarten-Einsatz teuer bezahlen müssen. Die sind jetzt sauer. Und der Bürgermeister? Ist machtlos.
Neverin

Dieser Freitag steckte in den Rücken der fleißigen Helfer. Stundenlang hatten Mütter, Väter und Großeltern im Schulgarten der Grundschule Neverin die Erde umgegraben, waren dem wuchernden Unkraut auf den Leib gerückt und hatten den Beeten wieder ein Gesicht gegeben. Harte Arbeit im Schulgarten – aber nötig. „Wir sind gern der Einladung der Schulleitung gefolgt“, erzählt die Mutter eines Viertklässlers. Sie habe wie andere Eltern sogar einen Tag Urlaub dafür genommen. Trotz der Rückenschmerzen habe es Spaß gemacht.

Aber der Tag, der so gut begann, führte zu viel Verdruss, Ärger und Zorn. Die 38-jährige Helferin im Schulgarten weiß noch genau, wann der Spaß endete und der Ärger begann. „Eine der Großmütter ging zu ihrem Auto und rief uns erstaunt zu, bei ihr stecke ein Knöllchen an der Windschutzscheibe.“ Alle anderen zogen jetzt los und vergewisserten sich: An sämtlichen knapp 20 Autos, die abseits des ausgebuchten kleinen Kita- und Schulparkplatzes auf dem Rasen standen, hingen die gleichen Zettel mit einem Gruß vom zuständigen Ordnungsamt. Weil sie dort parkten, wo parken verboten ist, erwarte alle in Kürze eine Zahlungsaufforderung.

„Ist unglücklich gelaufen”

„Wir informierten gleich die Schulleiterin“, sagt die Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, weil sie dann Ärger befürchtet. Die wollte sich kümmern, hat sich wohl aber nicht durchsetzen können. Den Helfern im Schulgarten sei wohl bewusst gewesen, falsch geparkt zu haben. „Aber die Wege wären sonst weit gewesen und alle hatten doch irgendwelche Gerätschaften dabei“, sagt die engagierte Mutter. Es drehe sich doch um einen besonderen Einsatz, „kann man da nicht ein Auge zudrücken?“

Der Leiter der Ordnungsbehörde im Amt Neverin, Alexander Diekow, kennt die Angelegenheit zur Genüge. Im Amt hätte man nach den Beschwerden der betroffenen Autoparker und der Intervention der Schule lang und breit darüber debattiert, ob man angesichts des Einsatzes im Schulgarten die verhängten Bußgelder streichen solle. „Das ist unglücklich gelaufen“, gibt der Chef des Ordnungsamtes zu.

Bürgermeister nimmt Ordnungsamt in Schutz

Aber mehrheitlich habe man sich doch entschlossen, hart zu bleiben. Auch aus Gründen des Umweltschutzes – schließlich sei nicht irgendwo, sondern illegal auf einer Grünfläche geparkt worden. Aber dann gesteht Diekow, sich beim Anblick der Höhe des Bußgeldes doch „erschrocken“ zu haben. Denn immerhin, 55 Euro sollen die Falschparker vom Schulgarten zahlen – das verlange der neue Bußgeldkatalog.

Neverins Bürgermeister Nico Klose freut sich über den „neuen“ gepflegten Schulgarten in seinem Dorf und nimmt das Ordnungsamt in Schutz. Die hätten von dem Einsatz Ende April nichts gewusst, sonst wäre das vielleicht anders ausgegangen. Er selbst würde sicherlich auch Gnade vor Recht ergehen lassen und die Bußgeldbescheide samt und sonders kassieren, sagt er dem Nordkurier. Und trotzdem: Klose muss auch an seine Leute im Dorf denken, die in Nachbarschaft zur Grundschule wohnen.

Kein Subbotnik mehr im Urlaub

„Von denen“, sagt er, „kommen regelmäßig Klagen über Falschparker“. Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, würden ihre Fahrzeuge überall hinstellen, wo Platz ist. „In privaten Auffahrten stehen Autos, auf dem Rasen, die Straße vor der Schule ist zugeparkt und sogar in der Busschleife stehen einige und behindern nicht selten den Linienbus.“ Alles in allem, der Bürgermeister versteht beide Seiten – kann aber an der Entscheidung des vorgesetzten Neveriner Amtes nichts ändern.

Die 38-jährige freiwillige Helferin im Schulgarten zuckt mit den Schultern. Die 55 Euro werde sie nun wohl zähneknirschend zahlen. Aber mit dem Schulgarten habe sie abgeschlossen. Noch ein „Subbotnik“ an einem Urlaubstag? Mit ihr eher nicht.

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Kommentare (1)

Man hätte in Neverin ja auch mit dem politisch vielgepriesenen öffentlichen Nahverkehr anreisen können (harhar).