Pfleger und Klinikmitarbeiter müssen einen Impfnachweis oder ein Attest vorbringen, um auch in Zukunft weiterarbeiten zu
Pfleger und Klinikmitarbeiter müssen einen Impfnachweis oder ein Attest vorbringen, um auch in Zukunft weiterarbeiten zu können. Roland Weihrauch
Einrichtungsbezogene Impfpflicht

Seelsorge statt Bußgeld-Drohung für ungeimpfte Pflegekräfte gefordert

Die AfD im Kreistag hat weichere Formulierungen und ein beiliegendes Beratungsangebot gefordert. Selbst das Gesundheitsamt verweist auf Landesvorgaben, übt aber auch Kritik.
Seenplatte

Als Reaktion auf die Bußgeld-Drohungen für ungeimpfte Pflegekräfte und Klinikmitarbeiter in der Mecklenburgischen Seenplatte hat die AfD-Fraktion im Kreistag für eine sensiblere Kommunikation, mehr Aufklärung und Hilfsangebote für Betroffene geworben. Der AfD-Abgeordnete Andreas Rösler sprach sich in diesem Zusammenhang für eine Seelsorge-Telefonnummer in den Schreiben zur Durchsetzung der Einrichtungsbezogenen Impfpflicht aus. Schließlich gehe es um den Arbeitsplatz der Betroffenen. „Die Nervensysteme sind sehr dünn“, so der Fraktionsgeschäftsführer im Sozialausschuss.

Kreisverwaltung will bei Bedarf vermitteln

Und selbst die Leiterin des kreislichen Gesundheitsamtes, Dr. Cornelia Ruhnau, konnte diesem Vorschlag etwas abgewinnen. Ein spezielles Seelsorge-Angebot sei in einigen Fällen sicher angebracht. Die Verwaltung vermittle nach Möglichkeit gerne an entsprechende Ansprechpartner. „Der Prozess ist wirklich unzufriedenstellend“, räumte die Leiterin des Gesundheitsamtes ein.

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Doch die Landesregierung habe den Gesundheitsämtern strenge Schritte vorgelegt. Aktuell müssten Nachweise der zur Stellungnahme aufgeforderten Pflegekräfte auf ihre Gültigkeit geprüft werden. Danach soll nach bestimmten Prioritäten überlegt werden, an welcher Stelle beispielsweise Mitarbeiter anders eingesetzt werden können. Erst dann müsse in einer Anhörung geklärt werden, inwieweit auf die Mitarbeiter verzichtet werden kann.

Sorge vor einem „echten Pflegenotstand”

Ob das in den kommenden Monaten geschafft werden kann, ist laut Ruhnau ungewiss. Zudem fehle noch nötige Software. Und letztlich betreffe es Hunderte Menschen im Landkreis. „Wenn die alle nach Hause geschickt werden, haben wir einen echten Pflegenotstand.”

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Cornelia Ruhnau berichtete allerdings auch, dass der Anteil tödlicher Corona-Infektionen seit Beginn der Impfkampagne deutlich zurückgegangen sei. Zuletzt wurden dem Gesundheitsamt kaum noch Fälle in Pflegeheimen oder Schulen gemeldet, auch wenn die Dunkelziffer weitaus höher sein könnte als in der Vergangenheit.

Warnung vor erneutem Anstieg im Herbst

Nichtsdestotrotz werden der Behörde laut Ruhnau weiterhin mitunter mehr als hundert Neuinfektionen am Tag gemeldet. „Wir sind noch nicht über den Berg“, warnte die Gesundheitsamts-Leiterin. Eine weitere Welle im Oktober sei zu befürchten.

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Ganz so weit wie in der Seenplatte ist man in anderen Landkreisen bei der Durchsetzung der Einrichtungsbezogenen Impfpflicht indes noch nicht gegangen. Im Landkreis Rostock hat die Kreisverwaltung in den vergangenen Wochen erst einmal ermittelt, wie viele Mitarbeiter in Senioren- und Pflegeeinrichtungen nicht geimpft sind. Die bisher ungeimpften Pflegekräfte haben in den vergangenen Tagen Post und eine Anhörung aus dem Landratsamt bekommen. „Betretungsverbote oder gar Geldstrafen wurden vom Landkreis bisher nicht ausgesprochen“, so ein Kreissprecher.

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