Im Kreiskrankenhaus vermisst man finanzielle Unterstützung für den Corona-Mehraufwand.
Im Kreiskrankenhaus vermisst man finanzielle Unterstützung für den Corona-Mehraufwand. Bernd Wüstneck
Kai Firneisen
Kai Firneisen Archiv
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online_inzidenzwerte-mse_2022_08_03 Nordkurier
Pandemie

Seenplatte-Kliniken fühlen sich im Kampf gegen Corona allein gelassen

Extra-Gelder wurden kürzlich gestrichen. Dabei ist die Pandemie noch längst nicht aus dem Klinikalltag verschwunden – aktuell startet sie wieder richtig durch.
Demmin

Die Corona-Pandemie macht in diesem Jahr keine Pause. Dennoch lässt man die Kliniken in ihrem Kampf im Sommer offenbar weitgehend allein. Der Geschäftsführer des Demminer Kreiskrankenhauses, Kai Firneisen, warnte in dieser Woche, dass es für sein Haus „derzeit keinerlei staatliche Unterstützung im Zuge der anhaltenden Pandemie” gebe. Im vergangenen Monat sei ein „absolut notwendiger” Versorgungszuschlag ausgelaufen. „Das finden wir als Krankenhaus äußerst bedauerlich, denn der hohe Aufwand am Patienten und die Kostensteigerungen bleiben”, so Firneisen.

Keine Rückkehr in die Normalität

Ganz im Stich gelassen fühlt man sich im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg zwar noch nicht. Dass es aber seit Monaten etwa keine Ausgleichszahlungen mehr gibt, treffe auch das größte Krankenhaus im Landkreis. „Das ist schwierig für uns”, bestätigte Klinik-Sprecherin Anke Brauns.

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Kreiskrankenhaus-Chef Kai Firneisen schätzt die momentane Corona-Auslastung in seinem Haus als hoch ein. Am Dienstag lagen neun Corona-Patienten im Kreiskrankenhaus. Mitunter hätten in jüngster Zeit aber bis zu zwölf Patienten unter den enormen Schutzvorkehrungen stationär behandelt werden müssen – viel für die verhältnismäßig kleine Einrichtung. Zwar seien die Fälle gerade leicht rückläufig. Es werde aber bereits mit einem Anstieg im August gerechnet. Hinzu kommen wiederkehrende Personalausfälle. An eine Rückkehr in die Normalität sei nicht zu denken. „Keinesfalls kann die Pandemie für beendet erklärt werden. Im Gegenteil, Covid stellt uns jeden Tag immer wieder vor neue Herausforderungen.”

Hygienemaßnahmen „immense Belastung” fürs Personal

Im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg stagnierte die Zahl der Corona-Patienten zuletzt zwischen 30 und 50. Am Dienstag mussten nach Angaben der Klinikleitung 47 stationär behandelt werden, davon fünf auf Intensivstation. „Von Normalbetrieb kann man dennoch nicht sprechen”, so Sprecherin Nicole von Känel. Die Hygienemaßnahmen seien „eine immense Belastung für das Personal”. Alle Aufgenommenen würden getestet. Positiv-Getestete isoliere man strikt. Besuchsmöglichkeiten seien weiter eingeschränkt, eine Maske im Haus Pflicht. Besonders in der Urlaubszeit würden sich Krankheitsausfälle unter dem Pflegepersonal bemerkbar machen.

Die Zahl der Ansteckungen innerhalb einer Woche änderte sich im Landkreis zuletzt kaum – 1200 Menschen waren das nach Kenntnis der Behörden. Das waren ähnlich viel wie in der Vorwoche. Gemäß der Übersicht aus der Kreisverwaltung vom Dienstag erreichte die kleine Stadt Dargun mit 45 Fällen wieder eine Inzidenz von über 1000. Aber auch in Stavenhagen kletterte der Wert der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche auf 740. Hier infizierten sich 85 Personen. Immerhin sind die Zahlen in der Kleinseenplatte wieder runtergegangen, die in den vergangenen Wochen die Statistik anführte. Dort meldete man 29, also nur noch etwa halb so viele Fälle wie in der Vorwoche.

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