Versuchter Mord

Selbstjustiz-Prozess wird mit Zeugenbefragungen fortgesetzt

Im Prozess gegen vier Angeklagte aus der Mecklenburgischen Seenplatte soll diesmal auch ein Spürhund-Führer angehört werden. Die Angeklagten haben bisher zu den Vorwürfen geschwiegen.
Die 26-jährige Hauptangeklagte (2. von rechts) hat sich bis dato nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Die 26-jährige Hauptangeklagte (2. von rechts) hat sich bis dato nicht zu den Vorwürfen geäußert. Carina Göls
Neubrandenburg

Welchen Weg in Todesangst und Schmerz der 39-jährige Mann in jener Nacht in der Hoffnung auf Rettung zurücklegte, das weiß nur er selbst. Eigentlich sollte er in einem Bunker in der Müritzregion sterben – genau aus diesem Grund sollen ihn eine 26-jährige Frau und drei Männer dorthin gebracht haben. Nachdem sie den Mann, einen Nachbarn aus ihrer Umgebung, zuvor misshandelt haben, wie die Staatsanwaltschaft ihnen vorwirft.

Spuren mit Hilfe von Hunden gesucht

All das wird im sogenannten Selbstjustiz-Prozess verhandelt, der am Dienstag, den 16. November, ab 9.30 Uhr am Landgericht Neubrandenburg seine Fortsetzung findet. Was rundherum um den Bunker, in dem das misshandelte Opfer sterben sollte, zu finden war, und welche Spuren brauchbar sind, hat die Polizei ermittelt und dabei auch Spürhunde eingesetzt. Was diese entdeckt haben, soll während des Termins am Dienstag zur Sprache kommen. Zudem werden laut Plan weitere Zeugen gehört.

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Die 26-jährige Hauptangeklagte hat sich bis dato nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sie soll zusammen mit ihren drei Komplizen den Bekannten Ende Februar zunächst schwer misshandelt und dann in einen abgelegenen Militärbunker verschleppt haben, damit er dort stirbt. Der Mann konnte sich befreien und fand einige Kilometer von seinem Verschleppungsort entfernt Hilfe. Was sie ihrem Nachbarn angetan haben sollen, gleiche einem brutalen Akt der Selbstjustiz, hatte die Staatsanwalt zum Prozessauftakt beim Verlesen der Anklage gesagt.

Opfer muss nicht im Gerichtssaal auftreten

Hintergrund der Tat sollen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs sein. Die 26-jährige Hauptangeklagte mutmaßte, der Nachbar habe ihre Kinder sexuell missbraucht. Dafür sollte er zahlen. Die vier Beschuldigten sollen den 39-jährigen Epileptiker, der laut Gericht noch heute psychisch unter den Folgen des Erlebten leidet, in dessen Wohnung aufgesucht, geschlagen, ihn mit einem Cuttermesser „tätowiert” und ihm die Haare „geschnitten” haben.

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Anschließend habe er einen Sack über den Kopf bekommen, sei in ein Auto gezerrt und in ein Waldstück einige Kilometer von Lärz entfernt gebracht worden. Dort sei er erneut gewalttätig angegriffen und in den Bunker gestoßen worden, heißt es. Er überlebte trotz starker Unterkühlungen und blutiger Wunden am ganzen Körper. Das Opfer soll am 9. Dezember – sofern die Verteidiger zustimmen – in einer audio-visuellen Vernehmung befragt und gehört werden.

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