Die Umzugskartons stehen bereit und Christa Wodrich, Mitglied des Sprecherrats der Mieterinitiative in der Neustrelitzer Stra&
Die Umzugskartons stehen bereit und Christa Wodrich, Mitglied des Sprecherrats der Mieterinitiative in der Neustrelitzer Straße 7b, ist traurig über das Ende des Mietertreffs. Lisa Gutzat
Christa Wodrich (84) weiß nicht wohin mit der Einrichtung und dem Geschirr, bevor die Räume des Mietertreffs in der
Christa Wodrich (84) weiß nicht wohin mit der Einrichtung und dem Geschirr, bevor die Räume des Mietertreffs in der Neustrelitzer Straße 7b übergeben werden. Lisa Gutzat
Mehrere Artikel wie Gläser, Geschirr, Vasen und Bücher sowie Kaffeemaschinen wollen die Ehrenamtlichen vor der &Uuml
Mehrere Artikel wie Gläser, Geschirr, Vasen und Bücher sowie Kaffeemaschinen wollen die Ehrenamtlichen vor der Übergabe noch an den Mann oder die Frau bringen. Lisa Gutzat
Mietertreff vor dem Aus

Senioren müssen in Neubrandenburg ihre Sachen packen

Zum Jahresende haben einige Senioren keinen Grund zur Freude. Der Mietertreff in der Neustrelitzer Straße 7b muss dicht machen und die Betroffenen haben kein Verständnis dafür.
Neubrandenburg

Auf den Tischen türmt sich das zusammengeräumte Geschirr und die Umzugskartons stapeln sich in den Durchgängen des Nebenraums. Für den Mietertreff in der Neustrelitzer Straße 7b kommt jeder Rettungsversuch zu spät – das beschlossene Aus für den Treffpunkt ließ sich nicht mehr abwenden. Christa Wodrich ist traurig über die Auflösung der Initiative: „Wir haben hier so viele Freundschaften geschlossen und wunderschöne Momente erlebt. Jetzt ist das alles vorbei und ich kann es einfach nicht fassen“, sagt die 84-jährige Seniorin und kämpft mit den Tränen. Sie ist im sogenannten Sprecherrat der Mieterinitiative vertreten und von Anfang an seit 1999 dabei gewesen. Neubrandenburg.

Grund für die Auflösung sei unter anderem die Schaffung von erforderlichen Abstellflächen für Fahrräder, Elektrorollstühle und Rollatoren, wie die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges) mitteilte. „Das ist für mich so unlogisch. Die Rollstühle, die auf den Fluren stehen, stören doch niemanden“, entgegnet Wodrich. Die engagierte Rentnerin erinnert sich, mehr als 300 Unterschriften gesammelt zu haben, um gegen die Entscheidung zur Schließung vorzugehen.

„Einsamkeit ist so schlimm”

Doch die Zeiten, in denen die Senioren sich regelmäßig zum Kartenspielen, Singen und Basteln getroffen haben, sind nun vorbei. Bereits die Corona-Pandemie machte den Zusammenkünften im selbstverwalteten Mietertreff in der Südstadt einen Strich durch die Rechnung, denn sie konnten teilweise nicht stattfinden. Mit Folgen für die Bewohner. „Einsamkeit ist so schlimm. Aber durch die Schließung des Mietertreffs werden viele Senioren einsam sein und das ist traurig“, zeigt sich Gertrud Rohmann aus dem Vorstand der Ortsgruppe 1 A der Volkssolidarität Nord-Ost geknickt. Der Verein hat dort in der Vergangenheit mehrere Veranstaltungen ausgerichtet.

Am 7. Januar 2022 werden die Räumlichkeiten des Mietertreffs an die Neuwoges übergeben, das Mietverhältnis mit der Mieterinitiative endet bereits am Freitag, den 31. Dezember, wie die Neuwoges auf Nordkurier-Anfrage mitteilte. Auf Christa Wodrich wartet nun einiges an Arbeit: „Bis zur Übergabe muss hier alles raus. Das ganze Geschirr, die Möbel, Bilder, Gläser und noch vieles mehr. Ich weiß jetzt gar nicht wohin damit“, sagt die Ehrenamtliche. Sie habe eine „Verzichtserklärung“ unterschrieben, die sie von der Neuwoges angeboten bekommen habe. Das bedeute, dass die Wohnungsgesellschaft für das Ausräumen der Einrichtung sorgen würde, wie die 84-Jährige erzählt. Die Mieter selbst seien alle viel zu alt, um die Möbel zu tragen.

Awo bietet Alternative an

Alternativen zum Mietertreff in der Neustrelitzer Straße 7b kamen bereits zur Sprache. „Von der Awo-Geschäftsführung erhielten wir die Zusage, dass auch die Mieterinnen und Mieter der Neuwoges die Begegnungsstätte ,Am Gätenbach‘ in der Neustrelitzer Straße kostenfrei nutzen können“, wie Pressesprecher Matthias Trenn von der Neuwoges mitteilte. Die Wohnungsgesellschaft stehe den Mietern unterstützend zur Seite, hieß es weiter. „Dort gibt es geregelte Zeiten. Hier könnten wir uns treffen, wann wir wollten und hier ist mehr Platz“, gibt Christa Wodrich zu bedenken, als sie ein weiteres Mitglied des Mietertreffs empfängt. Die Frau ist gekommen, um Beistand zu leisten.

„Vor sieben Jahren bin ich in die Vier-Tore-Stadt gezogen und seitdem bin ich regelmäßig beim Mietertreff gewesen. Es ist einfach schade drum“, sagt die ältere Dame. Auch ihr ist die Traurigkeit anzumerken, als sie ein letztes Mal durch die Einrichtung streift. Eines scheint festzustehen: Als Müll entsorgen wollen die Damen nichts von den Überbleibseln, die an „wunderschöne Momente“ erinnern.

zur Homepage