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Seniorenpolitik mit Tablets, Nachbarn und Netzwerken

Wie können Kommunen zukünftig seniorengerechter arbeiten und ausgestattet werden? Darüber diskutierten Besucher der Hochschule Neubrandenburg am Mittwoch mit Sozialministerin Stefanie Drese.
Tim Prahle Tim Prahle
Sozialministerin Stefanie Drese (r.) nahm am Mittwoch an einer Fachtagung der Hochschule Neubrandenburg teil.
Sozialministerin Stefanie Drese (r.) nahm am Mittwoch an einer Fachtagung der Hochschule Neubrandenburg teil. Tim Prahle
Neubrandenburg.

Die Gesellschaft werde immer älter, betont Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) gleich zu Beginn. Aktuell sei jeder vierte Einwohner Mecklenburger-Vorpommerns über 65, bis 2030 würden es wohl 35 Prozent sein. Das alles ist nicht neu, doch die Aufgaben an die Kommunen von Oberzentren wie Neubrandenburg bis hin zur kleinen Gemeinde werden dadurch immer komplexer.

„Seniorenpolitische Gesamtkomplexe” nennt die Sozialministerin die Lösung, die im Zusammenspiel von Wissenschaft und Politik erarbeitet werden sollen oder bereits erarbeitet sind. Auf der Fachtagung am Mittwoch in der Hochschule wurden die Chancen der „integrierten Planungsansätze” vorgestellt. Ein zentrales Motiv: „Die Menschen wollen selbst bei Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich zu Hause bleiben. Dafür müssen Grundlagen geschaffen werden”, so Drese.

Hochschule hat seit Jahren Projekte laufen

Sei es durch Dorfläden, Begegnungsstätten oder auch einen Ausbau der medizinischen Versorgung. Die Hochschule Neubrandenburg habe über die Fachbereiche „Gesundheit, Pflege Management” und „Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung” bereits seit Jahren immer wieder neue Projekte laufen, so der Rektor Gerd Teschke. So seien zum Beispiel allein lebende ältere Menschen über einen längeren Zeitraum mit Tablets ausgestattet worden, um regelmäßig an zwei Tagen in der Woche mit ihnen zu chatten, erläutern die Projektleiter Stefanie Kraehmer und Manfred Schmidt.

Mit erstaunlichem Ergebnis: Die im Durchschnitt 87 Jahre alten Senioren hätten die Tablets nach etwas Eingewöhnungszeit sogar mit zu Arztterminen genommen. Einer von vielen Ansätzen, die die Lebensqualität auch im hohen Alter hoch halten sollen. „Doch es ist auch das Altern selbst”, betont Hochschuldirektor Teschke. Kulturelle Veranstaltungen helfen beispielsweise vitalen Senioren, fit zu bleiben.

Neubrandenburg bietet gute Voraussetzungen

Neubrandenburg hat diesbezüglich mit der Konzertkirche bereits eine gute Grundvoraussetzung, auf dem Land seien die Angebote jedoch noch sehr vom individuellen Engagement der Bewohner abhängig. „Engagierte Menschen werden gebraucht”, betont Sozialministerin Drese. Im Ort selbst müssten die Netzwerke funktionieren – sowohl fürs körperliche als auch fürs mentale Wohl. Das helfe auch gesamtgesellschaftlich. „Wo der Rollator langfahren kann, schafft es auch der Kinderwagen”, so die Sozialministerin. Doch es gelte, den Kommunen Hilfestellungen, sprich Fördermitteltöpfe aufzuzeigen. Denn die Vorhaben kosten Geld.

Und auch in und um Neubrandenburg gebe es noch einiges zu tun, erklärt Teschke mit Blick auf den öffentlichen Personennahverkehr, deren Ausbau seniorenpolitisch sinnvoll wäre. Doch infrastrukturell sei man bereits in sehr guten Gesprächen mit den Wohnungsgesellschaften, so Stefanie Kraehmer. „In Neubrandenburg wurde hinsichtlich für die Barrierefreiheit schon viel getan.”

Und ihr Kollege Stefan Schmidt fügt hinzu: „Die Vermieter haben ja auch den Wunsch, dass die Menschen bleiben.” Ebenso wie die Kommunen. Doch dafür müssten Forscher und Politik weiterhin zusammenarbeiten und die pflegebedürftigen und fitten Menschen weiter unterstützt werden. Ebenso wie die Kommunen, wenn diese all die Forderungen tatsächlich nach und nach in die Tat umsetzen sollen.

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