Dr. Dorette Gall kombiniert in ihrem Buch historische Ereignisse mit persönlichen Erlebnissen. Und was hat es mit der Sch
Dr. Dorette Gall kombiniert in ihrem Buch historische Ereignisse mit persönlichen Erlebnissen. Und was hat es mit der Schnapsflasche auf sich? Schnaps wurde in Neubrandenburg mal als Lohn genutzt. Neubrandenburger Stadtwerke
Regionalgeschichte

Sie weiß alles über Koks, Kanalisation und Kumpeltod

Dr. Dorette Gall hat über50 Jahre lang bei den Stadtwerken gearbeitet.Nun hat sie ein Buch über die Geschichte der Neubrandenburger Energie-Wirtschaft geschrieben.
Neubrandenburg

Dr. Dorette Gall wollte ihr Buch erst gar nicht veröffentlichen. Es sollte ein Geschenk sein, zum 30-jährigen Jubiläum der Neubrandenburger Stadtwerke. Als deren Geschäftsführer aber vorschlug, es zu verlegen und der Öffentlichkeit zu präsentieren, sagte sie nicht Nein. „Das ist mein Leben gewesen und ist es noch heute. Ich habe mich sehr gefreut“, sagt die 71-Jährige.

Lesen Sie auch: Warum diese Rohre aus dem Stadtbild teilweise verschwinden

Geschcihet der städtischen Energie-Wirtschaft

Dorette Gall erzählt in ihrem Buch „Koks, Kanalisation und Kumpeltod“ die Geschichte der Neubrandenburger Energie-Wirtschaft. Beginnend mit der Stadtgründung im Jahre 1248, dokumentiert sie die einzelnen Schritte hin zu der Welt, in der die Neubrandenburger heute leben. „Ein Großteil unserer Annehmlichkeiten, wie Strom, Gas, Wasser und Fernwärme, geht auf die Versorgungs-Wirtschaft zurück. Ich will die Leute damit auch aufrütteln.“

Mehr lesen: Sensationsfund bei Ausgrabungen in Neubrandenburg

Kanalisation seit nicht mal 100 Jahren

Denn es sei noch gar nicht lange her, da entsorgten die Neubrandenburger ihr Abwasser auf der Straße. Die Ausbreitung von Krankheiten und das Sterben vieler Menschen seien damit vorprogrammiert gewesen. Das änderte sich erst im Jahre 1927 mit dem Bau der Kanalisation. „Wenn man sich das mal vorstellt – das ist keine hundert Jahre her“, sagt Gall.

Viele Anekdoten

Neben der Abwasserentsorgung erzählt die Autorin die Geschichte anderer städtischer Versorgungs-Werke, wie die des Wasser- und des Gaswerkes. Diese Ereignisse untermalt sie mit Anekdoten, die sie zum Teil selbst erlebt hat. „Ich habe 50 Jahre lang bei den Stadtwerken gearbeitet. Das ist im Hinblick auf die Menschheitsgeschichte ein kleiner Zeitraum – aber in diesen Jahren hat sich ganz viel gewandelt“, sagt die Autorin.

Von der Pike auf

Bereits mit 23 Jahren arbeitete Gall dort in einer Führungsposition. Vorher hatte sie eine Ausbildung absolviert sowie ein Studium der Finanzwirtschaft. Kurz nach der Wende studierte sie dann noch Ökonomie der Energieversorgung- und Anwendung und machte ihren Doktor. „Ich habe das von der Pike auf gelernt“, sagt die Autorin, die mit ihrer 95-jährigen Mutter in einem Haushalt lebt.

Schnaps als Lohn ist sogar Thema in Moskau

In ihr Buch hat sie viele Erinnerungen eingearbeitet. Wie etwa an das Jahr 1986, als im Winter alle Kräfte der Stadt gebündelt werden mussten, um Kohle zu fördern. Die Arbeiter seien dafür neben ihrem Lohn noch mit etwas anderem bezahlt worden: Schnaps. „Die Ehefrau eines Arbeiters verärgerte das sehr und sie schrieb einen Brief an MichailGorbatschow. Der war ein großer Alkoholgegner und antwortete tatsächlich“, sagt Dorette Gall und lacht.

Briefe und Reiseberichte

Auch sie habe in ihrem Leben viele Briefe geschrieben und führe bis heute einen regen Austausch mit Freunden im In- und Ausland. Zudem verfasste Dorette Gall Reiseberichte – gespickt mit persönlichen Anekdoten. „Das mache ich in meinem Buch ähnlich“, sagt Gall. Die Zeit, ihre beruflichen Erlebnisse aufs Papier zu bringen, hatte sie erst mit ihrem Renteneintritt. Da dieser in die Zeit des Lockdowns fiel, habe sie mit dem Schreiben des Buches begonnen. „Ich hatte schon länger die Absicht, das zu machen. Ich wollte eine zusammenhängende Darstellung über die Branche in Neubrandenburg machen“, sagt Gall.

Lesung im Stadtarchiv

Am 24. Mai liest Dorette Gall um 19 Uhr im Stadtarchiv aus ihrem Buch. Interessierte können sich unter [email protected] oder 0395 555-1330 anmelden. Das Buch hat 220 Seiten und ist in Zusammenarbeit mit dem Friedländer Steffen-Verlag erschienen. Im neu.sw Kundenbüro am Neubrandenburger Marktplatz, in der Stadtinformation und im Stadtarchiv ist es für 15 Euro erhältlich.

 

zur Homepage