Silvio Witt freut sich über die vielen Glückwünsche, die ihn über sein Handy erreichen.
Silvio Witt freut sich über die vielen Glückwünsche, die ihn über sein Handy erreichen. Mirko Hertrich
Silvio Witt (r.) hat die Wahl gegen seinen Herausforderer Gunar Mühle haushoch gewonnen.
Silvio Witt (r.) hat die Wahl gegen seinen Herausforderer Gunar Mühle haushoch gewonnen. Nordkurier
Wahl

Silvio Witt bleibt Neubrandenburgs Oberbürgermeister

Oberbürgermeister Silvio Witt ist im Amt bestätigt worden. Der von CDU, SPD und FDP unterstützte parteilose Politiker gewann die Wahl gegen seinen einzigen Herausforderer Gunar Mühle.
Neubrandenburg

Silvio Witt ist alter und neuer Oberbürgermeister der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg. Der parteilose 43-Jährige setzte sich laut vorläufigem amtlichen Endergebnis am Sonntag mit 87,52 Prozent (16.325 Stimmen) gegen seinen einzigen Mitbewerber Gunar Mühle durch. Der ebenfalls parteilose Kandidat konnte 12,48 Prozent der Stimmen auf sich vereinen; das sind in absoluten Zahlen 2327. Von 52.941 wahlberechtigten Neubrandenburgern beteiligten sich 18.745  an der Wahl. Die Wahlbeteiligung lag entsprechend bei 35,41 Prozent.

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Witt: Mit diesem hohen Ergebnis nicht gerechnet

Es ist die zweite Amtszeit für den gebürtigen Neustrelitzer, der seit 2015 den Posten des Oberbürgermeisters Neubrandenburgs bekleidet. Er sei sehr froh, diese Wahl gewonnen zu haben "und auch so deutlich", sagte Silvio Witt in einer ersten Stellungnahme dem Nordkurier nach Auszählung von zwei Dritteln der Wahllokale. "Mit diesem Ergebnis in der Höhe habe ich nicht gerechnet. Das sind eine große Motivation und ein großer Vertrauensbeweis, für die ich mich bedanke." Jetzt gehe es darum, aus diesem Votum die Projekte umzusetzen, "die wir uns vorgenommen haben". Das heiße unter anderem, Wohnungsbau in allen Stadtgebieten, die Schwimmhalle zu realisieren und weiter in Vereine, Kunst und Kultur zu investieren, "gerade nach der Corona-Pandemie".

Weiter kündigte der Oberbürgermeister an: "Wir haben drei Schulen, mit denen wir uns beschäftigen müssen in den nächsten sieben Jahren und wir dürfen uns auch weiter mit der Infrastruktur befassen, das heißt, Straßensanierung in Innenstadt und Stadtgebieten, Radwegebau und auch mit der Deutschen Bahn in guten Gesprächen zu sein, dass sowohl das Bahnhofsgebäude weiter saniert wird als auch das Angebot der Bahn sich verbessert."

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Herausforderer will weiter Kommunalpolitik betreiben

Der unterlegene Kandidat Gunar Mühle gratulierte dem neuen Oberbürgermeister zu dessen Wiederwahl. Mit seinem eigenen Abschneiden ist er als "relativ unbekannter Kandidat sehr zufrieden. Wir haben Demokratie ermöglicht, mit nur einem Kandidaten wäre es sonst ein Abhaken geworden", sagte der Herausforderer dem Nordkurier. Er dankte seinem Wahlkampfteam, der Partei Die Linke, die ihn nominiert habe, und auch den Neubrandenburgern und Neubrandenburgerinnen, "die mir ihre Stimme gegeben haben". Nicht vergessen wollte der parteilose Kandidat beim Dank seine Ehefrau und seine jüngste Tochter, die ihn so manchen Abend wegen des Wahlkampfs hätten entbehren müssen.

Wie angekündigt, will Gunar Mühle sich weiter in der Kommunalpolitik engagieren. "Das ist keine Eintagsfliege, wenn man anfängt, muss man das auch durchziehen." Einzig mit der vergleichsweise geringen Wahlbeteiligung zeigte sich der 58-Jährige nicht zufrieden.

Rund 54.000 Wahlberechtigte waren am Sonntag in Neubrandenburg dazu aufgerufen, einen neuen Verwaltungschef für die drittgrößte Stadt des Landes zu wählen. Die Amtszeit des Oberbürgermeisters beträgt sieben Jahre.

Die Wahl fand unter besonderen Corona-Hygienevorschriften statt. Die Stadt hatte vorab dazu aufgerufen, wegen der Corona-Pandemie von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch zu machen, was 16,5 Prozent der Wählerinnen und Wähler auch taten.

Manuela Schwesig unterstützte Silvio Witt

Silvio Witt wurde bei der OB-Wahl von CDU, SPD und FDP unterstützt, sogar Ministerpräsidentin Manuela Schwesig warb für die Wiederwahl des Diplom-Betriebswirts. Der 58 Jahre alte Gunar Mühle wurde von der Linken als OB-Kandidat ins Rennen geschickt, obwohl er in Neubrandenburg kein offizielles Amt in Partei oder Fraktion bekleidet. Der IT-Fachmann, der 2018 als Einzelbewerber bei der Bürgermeisterwahl in Strasburg angetreten war, engagiert sich ehrenamtlich als sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Generationen, Bildung und Sport der Vier-Tore-Stadt sowie als Schauspieler und Regisseur bei der Niederdeutschen Bühne der Stadt Neubrandenburg.

Nur ein Wahlgang nötig

Weil nur zwei Kandidaten antreten, war 2022 lediglich ein Wahlgang notwendig. Bei der OB-Wahl 2015 hatten sich sechs Frauen und Männer für den Posten des Verwaltungschefs zur Wahl gestellt. Beim ersten Wahlgang am 1. März 2015 waren gut 44,4 Prozent der Neubrandenburger Wahlberechtigten an die Urnen gegangen, bei der Stichwahl zwei Wochen später zwischen Silvio Witt und Torsten Koplin (Linke) waren es 42,1 Prozent. Einzelbewerber Silvio Witt setzte sich damals mit 69,7 Prozent der Stimmen durch.

Dieser Beitrag wurde am 16. Januar 2022 mehrfach aktualisiert.

 

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