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Sind amtliche Urkunden noch sicher?

"Besserer Butterbrotpapier" nennt Andreas Beck die in der End-DDR verwendeten Bögen. Es fängt an zu bröseln, Schrift und Stempel von der Rückseite schlagen durch.
"Besserer Butterbrotpapier" nennt Andreas Beck die in der End-DDR verwendeten Bögen. Es fängt an zu bröseln, Schrift und Stempel von der Rückseite schlagen durch.
Hartmut Nieswandt

Der Niedergang des kleineren deutschen Staates bringt dem Neubrandenburger Standesamt viel zusätzliche Arbeit. Denn mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR haben auch Unterlagen aus diesen Zeiten offenbar ihr Endstadium erreicht.

Hat Oma nie gelebt – weil eines Tages das amtliche Papier, das ihre Existenz bestätigt, einfach zerbröselt? Oder darauf alles verblichen ist? Das Papier aus den letzten DDR-Jahren, auf dem standesamtliche Daten aus eben dieser Zeit festgehalten sind, droht den Weg alles Vergänglichen zu gehen. Weil es so dünn ist und eine sehr schlechte Qualität hat, erklärt Andreas Beck, Leiter des Neubrandenburger Standesamtes. Aber er versichert, dass nicht ein einziger Vermerk über eine Geburt, einen Sterbefall oder eine Ehe verloren geht.

Denn die Mitarbeiter des Standesamtes sind dabei, das Personenstandsregister, das auf dem schlechten „End-DDR-Papier“ steht, zu digitalisieren. Das betrifft immerhin 200 000 Einträge aus der Zeit von 1984 bis zum 3. Oktober 1990. „Rund 13 000 davon haben wir schon elektronisch erfasst. Da Einscannen nicht möglich ist, müssen wir die Daten mühsam eingeben. Das wird noch Jahre dauern“, berichtet Andreas Beck.

Warum nun ist das Papier so schlecht, dass dieser Mangel den Standesbeamten 23 Jahre nach dem Ende der DDR auf die Füße fällt? Weil es in den 80er-Jahren nicht nur langsam mit der DDR, sondern auch mit deren Papier zu Ende ging? So ganz einfach ist das nicht zu beantworten, sagt der Standesamtsleiter. Denn die Qualität des Papiers liege nicht nur im Niedergang, sondern auch im Fortschritt begründet: „In den 80er-Jahren wurde in Berlin begonnen, ein zentrales elektronisches Einwohner-Register aufzubauen. Und die Ausdrucke aus diesem Register sind die dünnen Papiere, die uns heute Probleme bereiten“, erklärt Andreas Beck. Damals steckte die Elektronik noch in den Kinderschuhen, vielleicht eignete sich dickeres, besseres Papier nicht zum Ausdrucken, ergänzt er.

Wie dem auch sei – das Standesamt hat dadurch mehr Arbeit. Darum beantragte es bei der Arbeitsagentur für die Eingabe der Daten zwei Bürgerarbeiter. „Das wurde aber abgelehnt. Die Begründung lautete fehlendes öffentliches Interesse.“