PARTEIEN-NACHWUCHS

▶ Sind die Gemeindevertretungen bald leer gefegt?

Das Durchschnittsalter in den Parteien in der Mecklenburgischen Seenplatte liegt in den meisten Fällen weit über 50. Junge Mitstreiter sind rar. Nachwuchspolitiker haben deshalb eine besondere Idee.
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Theo Hadrath und Steven Giermann (von links) sind der Meinung, dass Politiker spannender nach außen kommunizieren müssen. Sie selbst betreiben aus diesem Grund einen Podcast. Robin Peters
Neubrandenburg.

Nachwuchsprobleme in der Politik wurden erst im Rahmen der Amthor-Affäre wieder heiß diskutiert. Philipp Amthor, der junge Hoffnungsträger der CDU, zog seine Kandidatur für den Landesvorsitz nach Ärger um Nebentätigkeiten, teure Reisen und Aktienoptionen eines undurchsichtigen Unternehmens zurück. Gab es letztlich zu wenige Kandidaten, die auf einen CDU-Landesvorsitz vorbereitet wurden? Hätte die Entstehung eines Machtvakuums verhütet werden können? Derart kritische Einschätzungen wurden auch hierzulande laut. Doch auch ohne Skandale ist offenbar, dass die Lage in der Kommunalpolitik auf dem Land schwierig ist.

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Die Zahlen sprechen für sich: Denn das Durchschnittsalter von Mitgliedern der großen Parteien in der Mecklenburgischen Seenplatte ist alles andere als niedrig. Mit einem Durchschnittsalter von 51 Jahren gehören die Mitstreiter von Bündnis 90/Die Grünen im Kreis tatsächlich noch zu den Jüngsten. Brüsten kann sich die Partei damit indes kaum. Denn gleichzeitig haben sie nur extrem wenige Nachwuchs-Kommunalpolitiker in den eigenen Reihen – gerade einmal 8 Mitglieder sind nach eigenen Angaben im Kreisverband unter 30 Jahre alt.

Hohes Durchschnittsalter, viele junge Unterstützer

Ebenso wenige Jungspunde stehen bei der FDP im Kreis in den Startlöchern – hier sind die Mitglieder im Schnitt sogar 57 Jahre alt. Die Sozialdemokraten der Mecklenburgischen Seenplatte erreichen durchschnittlich zwar auch schon ein Alter von 57 Jahren, können aber immerhin 52 Unterstützer im sogenannten Juso-Alter bis 35 Jahre präsentieren (14,73 Prozent).

Obwohl die Christdemokraten gemeinhin mehr für ihre konservative Politik als für frischen Wind bekannt sind, haben sie trotz eines Durchschnittsalters von 59 Jahren überraschenderweise die meisten jungen Unterstützer in der Region: 130 Mitglieder sind nach Angaben der CDU-Kreisgeschäftsstelle zwischen 16 und 39 Jahre alt. Rund 50 Mitglieder haben laut Junger Union in der Seenplatte noch nicht einmal die Marke von Mitte 20 erreicht. Doch genug sind das aus ihrer eigenen Sicht keinesfalls. „Auch wenn es mehr als woanders sind, bleiben es viel zu wenige“, sagte ihr Ehrenvorsitzender Steven Giermann, der angesichts der aktuellen Debatte zusammen mit seinem Parteikollegen Theo Hadrath aus Altentreptow selbst das Gespräch mit dem Nordkurier suchte.

Gemeindevertretungen könnten nach Giermanns Einschätzung in einer gar nicht so fernen Zukunft geradezu leer gefegt sein. Deshalb müsse sich vieles ändern. Kommunalpolitiker sollten sich verstärkt Themen wie Familienpolitik widmen, die von Interesse für junge Menschen sind – und sich dafür auch Debatten außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs zuwenden. Sie müssten sich zum Beispiel selbst dafür einsetzen, dass Kommunalpolitik intensiver in der Schule unterrichtet wird. Auch wenn das nicht in der Entscheidungsgewalt der Kreispolitiker liege, könnten sie zumindest auf Lehrer zugehen und Anregungen kommunizieren. „Wir müssen da besser werden“, so der Lehramtsstudent.

„Brenzlige Situation für unsere Demokratie“

Junge Menschen seien heute einfach nicht mehr bereit, einer interessante Diskussionsrunde im Kreistag oder in einer Gemeindevertretung selbst beizuwohnen. Wenn Parteien die Inhalte dann nicht in spannender Form kommunizieren, werde die Distanz zwischen Politikern und Einwohnern immer größer. „Es ist eine brenzlige Situation für unsere Demokratie“, merkte Giermann an. Sein Parteikollege Theo Hadrath formulierte eine konkrete Forderung: „Politik muss nach außen hin interessanter auftreten. Die Bürger sollen ihr Recht wahrnehmen, ihnen auf die Finger zu schauen.“

Die Jungpolitiker werben sogar für einen offenen Blick auf die Geschicke der Kontrahenten. Scharfe Parteiengrenzen würden nicht in die Politik des 21. Jahrhunderts passen. „Der Diskurs ist wichtig“, sagte Theo Hadrath. So betreiben Giermann und Hadrath den Podcast „Wortmeldung“, in dem sie unter anderem mit Torsten Koplin von der Linkspartei sprechen – oder Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt fragen, ob Parteilosigkeit neuerdings sexy ist.

 

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