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Rechtsmedizin soll die Todesursache klären

Bei Schachtungsarbeiten für das Fundament des neuen Caritas-Hauses am Pferdemarkt fand Karsten Lüdtke (links) einen Knochen. Die Polizei lässt das menschliche Skelett jetzt untersuchen.
Bei Schachtungsarbeiten für das Fundament des neuen Caritas-Hauses am Pferdemarkt fand Karsten Lüdtke (links) einen Knochen. Die Polizei lässt das menschliche Skelett jetzt untersuchen.
A. Brauns

Schreck in der Mittagsstunde auf dem Bau. Bei Schachtarbeiten am Pferdemarkt kam in geringer Tiefe ein Knochen zum Vorschein, dann ein ganzes Skelett. Der Mensch starb wohl schon vor Jahrzehnten und offensichtlich nicht an Altersschwäche.

Zuerst dachte er an ein Stück Holz, auf das er bei Schachtungsarbeiten für die Fundamentschalung des neuen Hauses gestoßen war. „Wie Bambus sah das aus, aber wo sollte das herkommen“, sagt Karsten Lüdtke. Als er den Fund am Montag kurz vorm Mittag auf der Caritas-Baustelle am Pferdemarkt aus der Erde zog, kam das verdickte Ende zum Vorschein. Und Karsten Lüdtke war klar, dass er einen Knochen in der Hand hielt, wahrscheinlich vom Oberschenkel. Sein Kollege habe noch eingeworfen, der könne auch von einer Kuh stammen. Aber direkt neben dem Knochen, der nur 30 bis 40 Zentimeter tief lag, befand sich ein Portemonnaie, allerdings ohne Inhalt. Die Bauleute von Hoch+Tiefbau Neubrandenburg informierten Bauleiter Veit Kerschke, der wiederum Stadt-Denkmalpfleger Harry Schulz einschaltete.

Offenbar aus dem Zweiten Weltkrieg

Es blieb nicht bei einem Knochen, ein ganzes menschliches Skelett kam schließlich zum Vorschein. Harry Schulz entschied nach kurzer Begutachtung, dass dies eher ein Fall für die Polizei ist. „Es ist kein historischer Fund, ich schätze, aus dem Zweiten Weltkrieg“, sagt er. Der Fachmann half den Beamten, das Skelett zu bergen. „Derzeit gibt es keine Hinweise auf ein Verbrechen. Das Skelett wird nun dem Institut für Rechtsmedizin in Greifswald zur Untersuchung übergeben“, teilte die Polizeiinspektion am Dienstag mit.

Schädel mit Gewehrkolben eingeschlagen?

Wenn die Polizei auch keine Hinweise auf ein Verbrechen sieht – Harry Schulz hat schon die Vermutung, dass der Mensch eines gewaltsamen Todes gestorben ist. „Es sah so aus, als hätte man den Schädel eingeschlagen, vielleicht mit einem Gewehrkolben“, sagt er. Ob es sich um Mann oder Frau handle, sei noch nicht klar. „Vom Oberschenkel her könnte es ein Mann sein, aber der Schädel war eher zierlich“, gibt er seine Beobachtung wieder. Keine Kleidungsreste, nur ein Portemonnaie und verscharrt in einem Durchgang zwischen zwei Häusern: Welches Schicksal mag dahinter wohl stecken? Kaum anzunehmen, dass es sich heute noch klären lässt. Auf dem Gelände saß damals eine Spedition, so Harry Schulz.

Die Bergung des Skeletts hat nicht lange gedauert, auf der Baustelle konnte fast nahtlos weitergearbeitet werden. Karsten Lüdtke hat schon ein komisches Gefühl, wenn er dran denkt, was er da aus der Erde geholt hat. Es ist sein erster menschlicher Knochenfund auf dem Bau. Meistens kommen solche Dinge ja bei Tiefbauarbeiten zu Tage, sagt er. Noch mal wolle er so was lieber nicht ausbuddeln. „Höchstens die Kiste Gold, die vielleicht daneben liegt“, meint er.