MIETERHÖHUNG

So rechtfertigt sich die Neuwoges - und so können Sie sich wehren

Mehr als ein Drittel aller Neuwoges-Mieter soll nach dem Willen des städtischen Vermieters in Neubrandenburg höhere Mieten zahlen. Der Nordkurier hat nachgefragt, warum – und Experten gefragt, was man dagegen tun kann.
Susanne Schulz Susanne Schulz
Nordkuier Nordkuier
Der Neuwoges-Sitz in der Heidenstraße.
Der Neuwoges-Sitz in der Heidenstraße. Matthias Trenn
Rund 4600 Mietern ist in den vergangenen Tagen die Mieterhöhung angekündigt worden.
Rund 4600 Mietern ist in den vergangenen Tagen die Mieterhöhung angekündigt worden. Nordkurier (Repro)
Neubrandenburg.

Die angekündigten Mieterhöhungen der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft Neuwoges versetzen derzeit viele Bewohner in Aufruhr. In der Tat fällt die Zahl der betroffenen Mieter diesmal erheblich größer als in den vergangenen Jahren: Waren es da meist 1000 bis 1500 Wohnungen, für die die Preise stiegen, geht es diesmal mit 4600 um mehr als ein Drittel der 12 000 Neuwoges-Quartiere.

Auch Neuwoges-Chef Michael Wendelstorf bestätigt das: Man habe „etwas resoluter als sonst“ die Potenziale geprüft. Er behauptet allerdings: Die Neuwoges habe die gesetzlich zulässigen Möglichkeiten bei weitem nicht ausgeschöpft und den Anstieg spätestens bei 50 Euro gedeckelt. Dieses Limit habe man ohnehin nur bei etwa 80 der 4600 Wohnungen erreicht. In 80 Prozent der Fälle hingegen belaufe sich der Anstieg auf unter 20 Euro; durchschnittlich liege er bei 8,4 Prozent. Das heißt aber auch: Wer bisher 400 Euro Kaltmiete zahlte, zahlt künftig im Durchschnitt satte 33,60 Euro im Monat mehr. Macht 403,20 im Jahr.

In der Innen- oder Südstadt besonders kräftige Anstiege

Zugrunde liege in jedem Fall der Mietspiegel der Stadt – eine amtliche Erhebung über die Durchschnittsmieten. Für die Ermittlung der neuen Mietpreise orientiere man sich an Mittelwerten, betont Wendelstorf – nur bei „gefragten Lagen“ in der Innen- oder Südstadt auch mal darüber.

Im Mietenspiegel gibt es ein Punktesystem, nach dem festgelegt wird, ob eine Wohnung einfach, gut oder sehr gut ausgestattet sei. Und dahinter verbirgt sich auch ein möglicher Grund dafür, weshalb die Neuwoges die Mieten dieses Jahr so drastisch erhöht: Beim nächsten Mietspiegel im kommenden Jahr soll das Punkteystem überarbeitet werden. Denn aktuell enthält es viele Dinge, die längst selbstverständlich sind, der Neuwoges aber ermöglichen, viele ihrer mittelmäßig ausgestatteten Wohnungen in die höchste Kategorie einzustufen – und entsprechend saftige Aufschläge zu errechnen.

Mieten in Neubrandenburg angeblich immer noch eher niedrig

Im Unterschied zu privaten Neubauten mit zweistelligen Quadratmeterpreisen in der Kaltmiete verweist der Geschäftsführer für die Neuwoges auf einen Durchschnitt von 5,06 Euro pro Quadratmeter. Der werde sich auch durch die jetzige Erhöhung „nicht groß ändern“. Der landesweite Durchschnitt liege bei 5,21, in den größeren Städten bei 5,40 Euro. Der städtische Haushaltskonsolidierung, von der auch die Neuwoges nicht unberührt bleibt, sei indessen kein ausdrückliches Motiv für die Mieterhöhung, behauptet Wendelstorf. Wohl aber müsse die Neuwoges wirtschaftlich und marktgerecht agieren: „Auch für uns steigen Kosten.“

„Viele Nachfragen, aber keine Eskalation“ verzeichnen unterdessen die Kundenberater der Neuwoges als Reaktion auf die versendeten Schreiben. Zudem sei bereits „ein ganzer Berg“ Zustimmungserklärungen eingegangen. Wer von der Mieterhöhung betroffen ist, muss dieser schriftlich zustimmen. Tut er es nicht, droht nach Ablauf der zweimonatigen Frist eine Klage.

Tipp vom Experten: Die eigene Mieterhöhung überprüfen lassen

Sich gegen die Kündigung zu wehren, kann aber trotzdem sinnvoll sein, sagt der Vorsitzende des Deutschen Mieterbundes Neubrandenburg, Jochen Lansky: „Jeder kann sich erst mal wehren, ohne dass gleich das Dach überm Kopf auf dem Spiel steht“, stellt Lansky klar. Erst wenn ein Mieter trotz erklärter Rechtmäßigkeit der Erhöhung nicht zahle, könne ihm die Wohnung gekündigt werden.

Wer an der Wirksamkeit der angekündigten Mieterhöhung zweifelt, könne sich jedenfalls an den Mieterbund wenden. Angesichts des durchaus komplizierten Mietspiegels gebe es „eine Menge Rädchen, an denen man drehen kann“, sagt Rechtsanwalt Lansky. Wer als erstes selbst einen Blick in den kompletten Neubrandenburger Mietspiegel werfen will, der dem Erhöhungsschreiben nur auszugsweise beiliegt, findet diesen hier auf der Homepage der Stadt.

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Kommentare (3)

Wenn im 2.Bild das ein Auszug aus dem Neuwoges-Schreiben sein soll, dann ist das ins Deutsche übersetzt:" Wir haben mal geschaut, wie wir ohne Grund die Miete erhöhen können und sind im uns bisher unbekannten Mietspiegel fündig geworden. Haben Sie Verständnis, dass wir so sind."

Haha, ja. Nonchalant ins Gesicht, dass man gesetzliche Ansprüche geltend macht - nix weiter. Aber der Fairness halber: Man hat sich zurückgehalten. Big Spender und Gentlemanlike. Ehrlich. Keine Ahnung, ob selbiges den Mieter zu Dank verpflichten soll oder wie eine Drohung wirkt, dass er nochmal Glück gehabt hat. Verdient den Schlüssel zur Stadt und gab sicher Berge von Zustimmungen...Garantiert :)

Ist glaube ich jeden Neubrandenburger bekannt. Schuldenlast von einer vergeigten Sanierung des HKB usw. Man muss sich ja nur den Konzern im gesamten ansehen. Mit einer Wohnungswirtschsft hat neuwoges kaum noch was zu tun. Ein Spielball für die Politik steht neuwoges, alles was den Stadthaushalt Geld kostet wird dahin umgeleitet. Zu letzt das Tierheim in Neubrandenburg. Wegen diesen Defiziten müssen Mieten erhöht werden. Und das trifft genau die mit kleinen Einkommen. Zum großen Teil aber auch die Rentner für sie ist es hart noch mehr von den kleinen Renten in Mieten zu stecken.