Der Besitz von Haschisch ist nicht erlaubt – noch.
Der Besitz von Haschisch ist nicht erlaubt – noch. Karl-Josef Hildenbrand
Pro & Contra

Soll Cannabis für alle erlaubt sein?

Eine Frage, zwei Meinungen: Die Antwort der Nordkurier-Redakteure Thomas Beigang und Robin Peters fällt bei der Frage nach der Legalisierung von Cannabis unterschiedlich aus.
Neubrandenburg

Polizei und Justiz investieren viel in die Verfolgung von Besitzern illegaler Drogen. Ein Kampf, in dem es nur Verlierer gibt – wie ein aktuelles Beispiel zeigt. „Schluss mit dem Verbot“, fordert deshalb sogar ein Richter am Neubrandenburger Amtsgericht und sieht sich dabei in Gesellschaft vieler Politiker und Juristen. Zwei Redakteure haben zu dem Thema Stellung bezogen:

Soll Cannabis für alle erlaubt sein? Ja, findet Thomas Beigang:

Die schlimmste Nebenwirkung eines Joints ist die Strafverfolgung. Wer nur aus Furcht vor gesundheitlichen Auswirkungen weiter einen staatlichen Bannstrahl über das Cannabis-Rauchen verhängt, liegt schief. Nur sehr wenige Konsumenten landen nach übermäßigem Genuss in einer Klinik. Kein Vergleich zu den Hunderttausenden Säufern, die zur Entgiftung und in lebensgefährlichen Zuständen dort eingeliefert werden. Von Verhältnismäßigkeit im Umgang mit den sogenannten weichen Drogen im Vergleich zum Alkohol kann da schon lange nicht mehr gesprochen werden. Denn an den Schnaps-, Bier- und Weintrinkern und den Alkoholkranken verdient der Staat wegen der verhängten Steuer kräftig mit, die Doppelzüngigkeit hat finanzielle Gründe. Und noch etwas spricht für ein hoffentlich schnelles Ende der Ungleichbehandlung: Jeder soll sich sein „Betäubungsmittel“ frei wählen dürfen. Warum soll Schnaps gut sein – und Haschisch schlecht?

Soll Cannabis für alle erlaubt sein? Nein, findet Robin Peters:

Wenn ich endlich wieder im Dunst meines Gegenübers stehen darf – dann bitte nicht in psychoaktiven Rauchschwaden. Denn beim Kiffen schädigt der Raucher eben nicht nur sich selbst, sondern auch die Personen in seiner Nähe. Cannabis-Konsum erhöht das Risiko für lebenslange Psychosen. Das will doch keiner einem anderen antun! Menschen haben jedes Recht, sich selbst zu schädigen. In einer freien Gesellschaft sollen sie selbst entscheiden dürfen, welches Risiko sie für Genuss und Spaß eingehen. Aber eine Cannabis-Legalisierung macht das fahrlässige Einnebeln anderer salonfähig. Natürlich erhoffen sich Experten, den illegalen Handel eindämmen zu können. Dass sich damit aber drogendealende Clans in Berlin oder internationale Kartelle stürzen lassen, wage ich zu bezweifeln. Dann ziehe ich lieber die kleine Erfolgsaussicht vor: Bald wieder frische Morgenluft an der Bushaltestelle genießen! Ohne Maske – und ohne Cannabis-Gestank.

 

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