Tierschutz
Soll das Enten-Füttern in Neubrandenburg verboten werden?

Enten auf dem Neubrandenburger Oberbach. Die finden auch jetzt genug Futter und sind nicht auf menschliche Hilfe angewiesen.
Enten auf dem Neubrandenburger Oberbach. Die finden auch jetzt genug Futter und sind nicht auf menschliche Hilfe angewiesen.

Gut ist das bestimmt nicht, den Wasservögeln immer wieder Brot vor die Schnäbel zu werfen. Naturschützer und Ornithologen in Neubrandenburg setzen auf Aufklärung.

Dem jungen Mann schwillt der Kamm. Schon wieder, beklagt sich der Wahl-Neubrandenburger nach dem ersten einigermaßen warmen Wochenende beim Nordkurier, habe er bei Spaziergängen am See mit ansehen müssen, dass viele Leute unentwegt Enten, Schwänen und anderen Wasservögeln mitgebrachtes Brot zu fressen gaben. „Heutzutage weiß doch jeder“, schimpft er, „dass dies nicht gut für die Vögel ist.“ Das Futter quelle im Magen auf und bereite Probleme. Der junge Mann weiß von Kommunen, in denen das Füttern von Enten an Teichen verboten ist. Auch deshalb, weil die Essensreste ungeliebte Nager wie Ratten und Mäuse anziehen. „Das Füttern“, verlangt der Neubrandenburger, „muss auch hier verboten werden.“

So wie bei den vielfach ungeliebten Stadttauben. Große Vermieter haben in Neubrandenburg ein Fütterungsverbot erlassen, denn ihr Kot greife nicht nur die Fassade an, sondern beinhalte auch Krankheitserreger wie Bakterien, Hefen und Pilze, die in der Luft freigesetzt werden und vom Menschen durch die Atemwege oder oral aufgenommen werden können. Zudem können Tauben von Parasiten oder Zecken befallen sein. Wenn sie in hohen Populationsdichten auftreten, gelten Stadttauben in Deutschland sogar als Schädlinge im Sinne des Tierschutzgesetzes.

Tiere finden genügend Nahrung

Das Entenfüttern nun aber auch zu verbieten, davon hält allerdings selbst der Chef des Naturschutzbundes Nabu in Neubrandenburg, Gunter Panner, gar nichts. „Sicher tut das den Tieren nicht gut“, so der Fachmann. Das Brot sei für die Vögel zudem völlig übersalzen und wenn, wie in diesem Winter, die Gewässer alle völlig eisfrei seien, machte Füttern auch keinen Sinn. „Die Tiere finden genügend Nahrung“, so Panner. Aber verbieten? Der Nabu setze in Neubrandenburg lieber auf die Karte Aufklärung. „Wenn ich jemanden beim Füttern beobachte, spreche ich freundlich mit den Leuten und erkläre, warum das nicht so gut ist.“ Die meisten hätten dann auch ein Einsehen und halten ein, so der Ornithologe.

Wenn schon unbedingt gefüttert werden müsse, dafür schlägt Gunter Panner Alternativen vor. Im Fachhandel gebe es spezielles Futter für Wasservögel zu kaufen, einfache Getreidekörner – Hafer zum Beispiel – sei aber auch hervorragend geeignet, Enten oder Schwäne zu „versorgen“. „Und dann“, schlägt der Experte für alles Federvieh vor, „sollte das Futter nicht in den See geworfen werden, sondern ans Ufer gestreut werden.“ Denn es sei enorm wichtig, die Tiere nur an Land und in kleinen Mengen zu füttern. Sonst würden die Gewässer zu stark verschmutzt. Und außerdem: „Vögel sind keine Mülltonne.“ Vergammeltes Brot könne die Tiere krank machen.

Der Entenfreund aus Neubrandenburg, der das Füttern der gefiederten Tiere am liebsten verboten hätte, lenkt ein. Aber – schlägt er vor, vielleicht könnten doch an besonders stark von Spaziergängern frequentierten Uferzonen in der Stadt Warnschilder stehen. Mit einem freundlichen Text: „Bitte hier keine Enten füttern.“ Vielleicht würde der Appell ja ausreichen.