RAUBTIER

Wolf schlägt erneut bei Friedland zu - ganzes Rudel bestätigt

Nicht mehr eine einsame Wölfin, sondern ein ganzes Rudel ist rund um Friedland mittlerweile unterwegs. Das hat Schwerin nun bekannt gegeben. Und die Wölfe machen Tierhaltern zu schaffen.
Sieben Damhirsche wurden in der Nacht zum Donnerstag auf einem Wildgehege in Bresewitz bei Friedland gerissen. Foto: privat
Sieben Damhirsche wurden in der Nacht zum Donnerstag auf einem Wildgehege in Bresewitz bei Friedland gerissen. Foto: privat privat
Statt nur einem Tier sind bei Friedland nun offiziell bestätigt zwei erwachsene Wölfe und vier Welpen unterwegs. Das
Statt nur einem Tier sind bei Friedland nun offiziell bestätigt zwei erwachsene Wölfe und vier Welpen unterwegs. Das bereitet Tierhalter in der Region Sorge. Bernd Wüstneck (Symbolfoto)
Nahe des Dorfes Jatzke bei Friedland verlor ein Privatzüchter sieben seiner zehn Schafe.
Nahe des Dorfes Jatzke bei Friedland verlor ein Privatzüchter sieben seiner zehn Schafe. Felix Gadewolz
Friedland.

Es ist wohl Zufall, dass Schafhalterin Sabine Weiß die Nachricht ausgerechnet an jenem Tag erreichte, an dem das Landwirtschaftsministerium aus Schwerin ganz offiziell ein neues Rudel in Eichhorst bei Friedland bestätigte. Auch der zweite Rissvorfall, den die Schafszucht Genzkow ereilte, ging von einem Wolf aus. Die DNA-Analyse habe das bestätigt. Überraschend ist das nicht. Sabine Weiß und Mann Justus hatten bereits im Juni bei Eichhorst ein Schaf verloren, Mitte August dann das in Glienke. Bei Jatzke kam es ebenfalls zu Vorfällen, bei denen das endgültige Ergebnis noch aussteht.

Es gibt ein neues Wolfsrudel

Die Hinweise, dass im Bereich des Landgrabentals sogar mehr als ein Wolf leben könnte, verdichteten sich immer mehr, wie das Ministerium dem Nordkurier bereits Ende August bestätigte. Diese Woche dann die offizielle Mitteilung samt Gewissheit: Es gibt ein neues Rudel. Dieses „umfasst zwei erwachsene (adulte) Wölfe mit vier nachgewiesenen Welpen“, wie das Ministerium dem Nordkurier auf Nachfrage mitteilt.

Mit Anzahl der Raubtiere mehrt sich wohl der Hunger, wie aktuell auch Bernhard Albrecht feststellen musste. In der Nacht zum Donnerstag verlor der Betreiber des Biowildgeheges in Bresewitz sieben Damhirsche. Vier Alt- und drei Jungtiere. Dabei ist bei ihm der Grundschutz gegeben, zwei Meter ist der Zaun hoch. „Aber der Wolf hat sich unten durchgewühlt“, sagt er.

Selbst der bestellte Gutachter sei sich sicher, dass mindestens zwei Wölfe für die Risse verantwortlich sein müssen. Seit 20 Jahren ist Albrecht im Geschäft. „Es war abzusehen, dass es irgendwann passiert“, sagt er. Aber wenn der Wolf weiterhin solche Narrenfreiheit genieße, könne er mit der landwirtschaftlichen Wildhaltung auch gleich aufhören, betont er. „Ich will nicht jeden Morgen mit einem komischen Gefühl ins Gehege fahren. Das kann ich auch meinen Tieren nicht antun“.

Halter fühlen sich noch zu wenig unterstützt

Ähnlich wie er haben sich längst auch andere Tierhalter der Region geäußert. Auch bei Rinderhalter Hans-Albrecht Witte sorgt die Situation zunehmend für Unbehagen. „So nah war der Wolf tatsächlich noch nie“, sagt der Geschäftsführer der Datze Naturrind GbR. Er hält seine Tiere unter anderem auf Weiden in Ramelow bei Friedland, in Küssow bei Neubrandenburg und auch in der Datzeniederung. „Man ist innerlich angespannt und hofft, dass sich die Rinder zu wehren wissen. Dass die Schutzmaßnahmen reichen“, räumt er ein. Und dass die Kälber verschont bleiben. Eine Förderung für präventive Schutzmaßnahmen bekommt er als Rinderhalter nicht. Nur auf Antrag und nachdem etwas passiert ist.

Bei Ziegen oder Schafen gibt es theoretisch andere Möglichkeiten. Bis zu 80 Prozent können bei den Ausgaben für allgemeine Sicherungspflichten, gar 100 Prozent bei Sicherungsmaßnahmen, die darüber hinaus gehen, gefördert werden.

„Unabhängig von dem Einzelfall wird darüber hinaus auch grundsätzlich an der Entwicklung von Finanzierungsmöglichkeiten für die Unterstützung von Betrieben im Zusammenhang mit laufenden Betriebsausgaben zum Schutz vor Schäden durch den Wolf gearbeitet“, schreibt das Landwirtschaftsministerium.

Wolfshotline fühlte sich erst nicht zuständig

Doch bislang fühlen sich die Halter noch zu wenig unterstützt. „Allein die Entsorgung der toten Tiere war eine Katastrophe“, sagt etwa Bernhard Albrecht aus Bresewitz. Der Gutachter verwies ihn an die Wolfshotline, die fühlte sich ebenfalls nicht zuständig. Nachdem er einen ganzen Vormittag damit verbracht hatte, Druck zu machen, hofft er nun darauf, dass in der nächsten Woche eine Entsorgungsfirma kommt – und die Kosten erstattet werden. „Solange darf ich mir meine toten Tiere weiter ansehen“, sagt er mit belegter Stimme.

Auch Sabine Weiß kämpft seit den ersten Vorfällen bei ihren Schafen um eine sachliche Klärung mit dem Ministerium, will auf die Situation noch einmal verstärkt aufmerksam machen. Immerhin: Nun signalisierte dieses erstmals Gesprächsbereitschaft. Und die Halter von Schaf, Rind und Wild dürften einiges zu sagen haben.

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Kommentare (6)

Die Satiresendung "Heute-Show" vom 04.09.20 stellte fest, dass es in Ostdeutschland mehr Wölfe als Lehrer gibt.

Wie wasche ich als Politiker/Presse meine Hände in Unschuld, über - diffuse - schwammige - wenig informierende - Informationspolitik -
Wenn die Wölfe dort Junge haben sind sie garantiert schon ein halbes Jahr in der Region!

Alle Südeuropäischen Staaten kommen mit den Wölfen klar. Vielleicht sollten unsere Bauern mal bei denen in die Lehre gehen wie Weidehaltung mit Wölfen geht. Wür müssen lernen mit wild Tieren zu leben. Nicht umgekehrt.

Es gab mal eine Doku über Weidetierhaltung in den Karpaten. Viele Schafhalter und Landwirte haben dort eine Jagdwaffe im Schrank, wenn auch meist nicht legal. Wenn sich Wölfe den Weidetieren auch nur in die Nähe kommen, wird nicht lange gefackelt. Auch Giftköder und Fallen sind dort durchaus üblich.
Es ist doch ganz einfach: seit der Mensch sesshaft wurde und Weidetiere domestizierte, also vor ca. 10.000 Jahren, hat er Raubtiere aus seiner Umgebung vertrieben, das ist verständlich, denn Weidetierhaltung wäre sonst nicht möglich gewesen. Genauso möchte niemand Ratten und Mäuse im Haus haben, odere einen Marder auf dem Dachboden.
Wir müssen uns entscheiden: entweder artgerechte Tierhaltung, oder der Schutz von Wölfen, die übrigens keineswegs zu den bedrohten Tierarten gehören. (IUCN: least concern)

verrückt was hier für ein alarm gemacht wird wegen nem rudel wölfen
wie gesagt in polen haben wir auch wölfe leben seite an seite und auch bei uns werden scharfe und rinder gerissen.......aber wir menschen haben dem wolf lebensraum genommen also ........

Nach der Logik würden Sie dann auch Ratten in Ihrem Haus akzeptieren?