NATURSCHUTZ

Sorgt Kahlschlag in Neubrandenburg für weniger Wildschweine?

Für die Erhaltung eines Offenlandcharakters wurden auf einer Grünfläche in Neubrandenburg zahlreiche Sträucher entfernt. Anwohner fragen sich, was das mit Naturschutz zu tun hat.
Einige Anwohner wähnen einen Frevel an der Natur, andere sind froh, dass die Wildschweine weg sind. Bald könnten dort Schafe weiden.
Einige Anwohner wähnen einen Frevel an der Natur, andere sind froh, dass die Wildschweine weg sind. Bald könnten dort Schafe weiden. Mirko Hertrich
Neubrandenburg.

Als die Mähmaschinen weg sind, reagieren einige Anwohner entsetzt. Andere wiederum atmen erleichtert auf. „Ich konnte meinen Augen nicht trauen, als ich nach Hause kam“, schreibt eine Dame dem Nordkurier. „Hinter unserem Grundstück standen Weißdornbäume, Apfelbäume und Holunder. Jetzt ist nichts mehr da.“ Tatsächlich sieht die Fläche zwischen Bethanien Center und dem neuen Wohngebiet Steep aus, wie kahl rasiert.

Überall schaut die braune Erde durch das wenige Grün, das noch stehen geblieben ist. Von den einstigen Büschen zeugen noch rote Hagebutten, die in den Reifenspuren des Traktors liegen. Lediglich an den Rändern und auf einigen grünen Inseln in der ackergleichen Fläche finden sich noch Sträucher und vertrocknete Stauden.

Maßnahme soll Artenvielfalt erhalten

Die Stadt bestätigte, dass die Maßnahme in ihrem Auftrag stattgefunden hat. „Dabei handelt es sich um einen Eingriff, der augenscheinlich gravierende Auswirkungen hat, tatsächlich aber mit dem Ziel verbunden ist, die Artenvielfalt zu erhalten“, sagt Stadtsprecherin Anett Seidel auf Anfrage dem Nordkurier. Bei dem Areal in Richtung Bethanien Center, auf dem die Mäharbeiten stattfanden, handele es sich um eine Fläche, die im Bebauungsplan als eine ausgewiesen sei, die einer sogenannten Landschaft mit Offenlandcharakter entspricht.

Im B-Plan Nr. 82 „Steep“ heißt es dazu: „Die Fläche südlich und südöstlich der Wohngebiete sind durch ein auf den Schutzzweck abgestimmtes Bepflanzungs- und Pflegekonzept in ihrem Biotopbestand zu erhalten und zu entwickeln. Entlang des Talzuges vom Bethanien Center bis zu den Fünfeichener Teichen ist der Offenlandcharakter durch regelmäßige extensive Pflege der Wiesenflächen zu erhalten. Vorhandene Feldgehölze und standortgerechte größere Sträucher sind zu erhalten.“

Wildschweine auf zugewachsener Fläche

Nach Darstellung der Sprecherin sind die Feldgehölze der geschützten Biotope auch erhalten worden, auch wenn bei den sogenannten Entbuschungsmaßnahmen sowie Mäharbeiten zum „Zwecke des Offenlandcharakters“ einige natürlich gewachsene Sträucher entfernt worden seien, die sich in den vergangenen Jahren dort angesiedelt hätten. Seidel versichert auch, dass bei den Arbeiten auf die Tiere Rücksicht genommen worden sei. Die Pflegemaßnahme werde „partiell durchgeführt“, sodass sich die Tiere zurückziehen könnten, „ohne vertrieben zu werden“.

Gleichzeitig wird ihren Worten zufolge durch die Maßnahme auch dem „Schwarzwildproblem“ entgegengewirkt. Denn auf der zugewachsenen Fläche fühlten sich die Wildschweine wohl. Das bestätigt auch eine Anwohnerin, die auf einem Fußweg über die jetzt kahle Fläche in Richtung Bushaltestelle Margeritenstraße unterwegs ist. Jetzt sehe die Fläche aktuell zwar nicht mehr so schön aus. Wegen der Wildscheinproblematik sei es jetzt aber besser – vor allem mit Blick auf den Winter.

Stadt bietet an, Konzepte vor Ort zu erläutern

Das sieht die Dame, die den Nordkurier angeschrieben hat, anders. „Jahrelang wurde auf dem Gelände nichts gemacht und jetzt Kahlschlag“, bedauert sie. „Wir hatten bis jetzt sehr viele Singvögel, die Schutz in den Bäumen und Sträuchern fanden. Jetzt steht dort nichts mehr. Ich bin sehr entsetzt.“

Stadtsprecherin Anett Seidel versucht, die Wogen zu glätten. In den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass „sich Pflanzen und Sträucher ihr Revier schnell zurückerobern und diese Form der Pflege der Artenvielfalt durchaus zuträglich ist“. Eine Landschaft mit Offenlandcharakter sei für die Lagen am Steep „charakteristisch“ und deshalb in mehreren Bebauungsplänen in der Region so festgelegt worden. Die zuständigen Mitarbeiter seien auch gern bereit, „den Anwohnern vor Ort das Konzept zu erläutern“.

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Kommentare (4)

Die Natur plant sich selbst am besten...

Daran sieht man doch wieder, was in der Politik für Idioten sitzen. Die reden über Dieselfahrverbote, wollen mehr grün in den Städten erreichen, um die Luftqualität zu verbessern. In Neubrandenburg dagegen, möchte man Geld bei Jägern einsparen, indem man Großflächig Naturlandschaften in Mondlandschaften verwandelt, nur um eine Rotte Wildschweine fern von Siedlungen zu halten. Eine Garantie gibt es hingegen nicht. Wenn Wildschweine richtig Hunger haben oder falsch bejagt werden, kommen sie in Wohngebiete um nach Nahrung zu suchen.

Tja, das ist wohl "Naturschutz für Fortgeschrittene". Natürlichkeit heißt in Amtsdeutsch nicht, dass die Natur machen kann was sie will. Wenn Offenlandcharakter in den Akten steht, muss auch alles plattgemacht werden, obwohl jahrelang niemand in die Akte gesehen hat. Das sind genau die Momente, in denen das Volk die Politik nicht versteht, nach dem Motto "Vorschrift kommt vor Menschenverstand". Sich dann auch noch damit zu rechtfertigen, der Wildschweinproblematik Herr werden zu wollen, ist ein Witz. Bei der Rodung bestimmt ganze Rudel von Schweinen aus dem Gebiet getürmt und in die Gärten geflohen. Würde mich interessieren was NABU, BUND oder die Grünen dazu sagen

würde ich das nennen. Wer weiß wer bei der Stadt schon wieder mit einem "Geldgeschenk" gewedelt hat, um sich dort auszubreiten.. Leider ist mein Glauben in die "Oberen" verloren gegangen. Zu viel Porzellan ist zerschlagen worden.
Mich würde mal interessieren ob der Bauausschuss kategorisch verneint, dass hier gebaut werden soll.
Herr Messner?? Frage an Sie.