Denkmal-Streit

:

Spenden-Idee heizt Marx-Debatte in Neubrandenburg neu an

Gegenüber seinem einstigen Platz nahe der Stargarder Straße soll Marx den aktuellen Planungen zufolge eher "in die Ecke gestellt" werden. 
Gegenüber seinem einstigen Platz nahe der Stargarder Straße soll Marx den aktuellen Planungen zufolge eher „in die Ecke gestellt” werden.
Susanne Schulz

Das Angebot von 10.000 Euro macht es Stadtvertretern von Neubrandenburg keineswegs leichter, sich mit dem Marx-Denkmal anzufreunden. Stattdessen kommt sogar die Idee ins Spiel, die Statue von der Denkmalliste zu streichen.

Mit dem Angebot einer Neubrandenburger Familie, der Stadt 10.000 Euro für die Wieder-Aufstellung des seit Jahren eingelagerten Karl-Marx-Denkmals zu spenden, wird die kontroverse Debatte der vergangenen Monate keineswegs befriedet. Im Gegenteil: Einmal mehr kochen Emotionen und Argumente in Richtung Siedepunkt, erneut wird um Für und Wider und vor allem das Wo gestritten.

Die Stadtvertreter nämlich, deren Zustimmung für die Annahme einer solch hohen Spende nötig ist, sind uneins über den in der Beschlussvorlage genannten Standort nahe der Regionalbibliothek. Die Entscheidung über die Spende mit der Entscheidung über den Standort zu koppeln, habe „ein Geschmäckle“, findet etwa SPD-Ratsherr Jörg Albrecht. Er fühle sich unter Druck gesetzt, unter finanziellem „Anreiz“ über das Schicksal der Statue befinden zu sollen.

Ein früheres „Friedensangebot“, die Skulptur in den Hof der Kunstsammlung zu stellen, habe damit offenbar keine Bedeutung mehr, kritisiert Albrecht. Diesen Vorschlag hatte Oberbürgermeister Silvio Witt im Frühjahr unterbreitet, nachdem die Debatte uferlos zu werden drohte, mit den Extremen einer liegenden „Bearbeitung“ des Denkmals einer- und der Aufstellung am Original-Standort auf dem Marktplatz andererseits.

Seit das Denkmal 2001 wegen statischer Probleme abgebaut und nach erfolgter Reparatur eingelagert worden war, fehlte es nicht an Bestrebungen, für seine Wieder-Aufstellung zu sorgen. Schon seit 2015 wurde dieses Engagement durch die Fraktion der Linken forciert; in diesem Jahr zum 200. Geburtstag von Karl Marx (1818-1883) erreichte die Debatte ihren Höhepunkt.

Verweis auf den Denkmalschutz

So verweist auch Stadtvertreter Bernd Fuhrmann auf das Denkmalschutzgesetz, dem zufolge Objekte mit Denkmalcharakter öffentlich zugänglich sein müssen. Was den Vorsitzenden des Kulturausschusses, Lothar Schmidt (CDU), mit der kühnen Idee spielen lässt, ob nicht eine Streichung der Skulptur von der städtischen Denkmalliste den Konflikt ein für alle Mal ausräumen könne. Fuhrmann kontert: Das komme nur in Frage, wenn ein Denkmal zerstörungsbedingt nicht mehr als Denkmal erkennbar sei. Eine Stadt habe nun mal die Pflicht, sich zu ihren Denkmälern zu bekennen, auch wenn sie nicht jedem gefallen.

Anni-Claire John (Bündnis 90/Grüne) spricht sich zumindest für eine Texttafel oder -stele mit Erklärungen zum historischen Hintergrund des Denkmals aus. Eine solche Information sei vorgesehen und entspreche auch dem Wunsch der Spender, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Für die Aufstellung an der Regionalbibliothek müssten noch die Zustimmung des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege eingeholt und mit der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft Neuwoges als Eigentümer des Grundstücks ein Vertrag über die Nutzung der Fläche abgeschlossen werden.

Kommentare (8)

von der Gleicheit der Menschen haben sich als ein Irrtum erwiesen. Die Wirklichkeit - das Leben selbst - hat ihn widerlegt. Einzig seine Beschreibung des Kapitalismus war zutreffend. Erst viel später hatte Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt empfohlen: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen."

... hat kein Hahn wegen dieser Statue über ein Jahrzehnt lang gekräht, die versteckt hinter Büschen, Sträuchern und Bäumchen stand. Durch Zufall wurde sie entfernt, weil städtebauliche Maßnahmen neben dieser Statue stattfanden. Vernichten ging nicht, weil ein Denkmal. Ohne Marx würde das Proletariat, das Prekariat und das Bürgertum immer noch glauben, der Kapitalismus habe eine strahlende Zukunft und man könne vom kapitalistischen Kuchen partizipieren bzw. zu den großen Gewinnern gehören.

Mit dem Gesicht zur Wand. Er hat allen Grund sich zu schämen, denn seine Gedanken haben ganze Völker ins Unglück gestürzt.

Die Interpretation von Lenin und Stalin haben die Völker ins Unglück geführt. Kalt Marx hat nur eine Leitbild erstellt. Aber keiner hat es je angewendet. Lenin und vor allem Stalin haben seine Ideen Mißbraucht und schon ins Perverse geführt. Die Gesellschaft ohne Geld wird eines Tages kommen. Und wie es vielleicht aussehen könnte nach der Idee von Karl Marx kann man ja in Star Trek sehen. Auch wenn das noch Verbesserungen Verträgen kann. Und zum Schluss das Denkmal gehört auf den Marktplatz vor dem HKB.

Schon seine Grundideen sind mit egoistisch denkenden und handelnden Menschen nicht zu machen. Wir bräuchten altruistsche und sich der Gemeinschaft ganz unterordnende "neue Menschen". Doch die gibt es nur vereinzelt und eine Umerziehung funktioniert nicht.

Sich der Gesellschaft unterordnend? Auch dort würde es wieder irgendeinen Zampano geben, der einzelne Menschen unterdrückt. Am Ende geht es egal in welchem System immer nur um Macht des Einzelnen. Alles andere sind schöne Wunschvorstellungen. Die eines Karl Marx sind nicht mal schlechte Wunschvorstellungen. Jedoch der Mensch ist schwach und dumm zugleich und kann selten die ihm gebotenen Möglichkeiten zum Nutzen aller anwenden.

So wie hohle Phrasen a la "Unsere Ehre heißt Treue". Wer das eine will muss das andere mögen.

Immer aufs Neue wird argumentiert, daß Marx` Ideen gut wären, nur die Menschen passen, so wie sie in der Welt sind nicht dazu. Ergo sind seine Ideen unmenschlich!