Der Neubrandenburger Kinderklinik-Chef Dr. Sven Armbrust hatte immer wieder für einen Weiterbetrieb der Station für
Der Neubrandenburger Kinderklinik-Chef Dr. Sven Armbrust hatte immer wieder für einen Weiterbetrieb der Station für besonders kleine Frühchen geworben. Zwar werden in Neubrandenburg nur wenige der Spezialfälle behandelt – dafür aber mit überdurchschnittlich guten Ergebnissen. Schönebeck Carsten
Behandlungsverbot

Spezial-Station für Frühchen soll in Neubrandenburg schließen

Die Krankenkassen stellen sich gegen die Neubrandenburger Kinderklinik und wollen bestimmte Behandlungen untersagen. Hoffnung kann sich die Uni-Klinik Greifswald machen.
Neubrandenbug

Für die Frühchenstation am Neubrandenburger Bonhoeffer-Klinikum ist es eine weitere Schlappe. Die Landesverbände der Krankenkassen und der Ersatzkassen haben dem Klinikum eine Behandlung von „Extrem-Frühchen”, also Neugeborenen mit einem Gewicht von unter 1250 Gramm, ein Behandlungsverbot ab dem 1. Januar 2023 erteilt.

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Gute Behandlungsergebnisse in Neubrandenburg

Zu wenige Fälle seien 2022 in dem sogenannten Perinatalzentrum Level 1 der Klinik behandelt worden. Laut AOK Nordost, größte Krankenkasse des Landes, seien es im Jahr 2021 sieben Frühchen mit diesem Gewicht gewesen. Damit wurden die neu festgelegten Mindestmengen deutlich unterschritten. Nach den neuen gesetzlichen Vorgaben müssten es mindestens 20 sein, ab 2024 sogar 25 Fälle im Jahr. Studien hatten aufgezeigt, dass die diese Routine die Behandlungsqualität deutlich steigert, so das Argument für diese Regelung.

Seit Monaten regt sich gegen die Regelung in der lokalen Politik und beim Klinikum selbst Widerstand. Die Mindestmengen dürften für den ländlichen Raum nicht so angesetzt werden, wie in Ballungszentren, forderten unter anderem schon Klinik-Mitarbeiter, die Tausende Unterschriften für den Erhalt des Perinatalzentrums Level 1 sammelten. Kinderklinik-Chef Sven Armbrust wird nicht müde zu betonen, dass die Behandlungsqualität von Frühchen unter 1250 Gramm hier sogar über dem Bundesdurchschnitt liegt.

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Lange Wege mit hohen Risiken für Frühchen

Zumal gerade der Transport von Frühchen als sehr riskant gilt. Schon jetzt werden selbst aus der Uckermark Babys nach Neubrandenburg gebracht, wie Armbrust immer wieder deutlich machte. Falle Neubrandenburg als Versorgungsstandort weg, blieben im Land nur noch Rostock, Schwerin und Greifswald. Letztere sind durch die Mindestmengenregelungen ebenfalls bedroht, haben jährlich allerdings mehr Fälle als Neubrandenburg. Nach Nordkurier-Informationen wird dem Uni-Klinikum in Greifswald vorerst kein Behandlungsverbot für die „Extrem-Frühchen” ausgesprochen.

Die letzte Chance für den Erhalt des Perinatalzentrum Level 1 in Neubrandenburg ist nun eine Ausnahmegenehmigung, die bereits beantragt sein soll. Die Landesregierung könnte Neubrandenburg von der Mindestmengen-Regelungen befreien. Die Staatskanzlei versprach den Klinik-Mitarbeitern in der Vergangenheit bereits, sich dafür einzusetzen. Das Gesundheitsministerium wirkte auf Nordkurier-Anfrage bereits zurückhaltender.

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