Erinnert zumindest farblich an die Zeichentrickfigur „Spongebob“: Ein Süßwasser-Schwamm im Tollensesee.
Erinnert zumindest farblich an die Zeichentrickfigur „Spongebob“: Ein Süßwasser-Schwamm im Tollensesee. ZVG/Roland Diedrichkeit
Auch dieses Exemplar hat der Tauch-Lehrer am Boden des Tollensesees entdeckt.
Auch dieses Exemplar hat der Tauch-Lehrer am Boden des Tollensesees entdeckt. ZVG / Roland Diedrichkeit
Roland Diedrichkeit taucht seit über zehn Jahren immer wieder im Tollensesee.
Roland Diedrichkeit taucht seit über zehn Jahren immer wieder im Tollensesee. Pablo Himmelspach
Süßwasser-Schwämme

Spongebob wohnt im Gemüsegarten des Tollensesees

Wasser ist Leben – und enthält meist auch jede Menge davon. Für die Seenplatte ganz besonderes Leben findet ein Tauch-Lehrer neuerdings vermehrt im Tollensesee.
Neubrandenburg

Neubrandenburgs Spongebob Schwammkopf lebt im Gemüsegarten des Tollensesees. Wobei es sich nicht nur um einen handelt – sondern gleich um mehrere. Doch anders als der sprechende Schwamm aus dem Fernsehen wohnen die nicht in einer Ananas am Meeresboden, sondern auf Hölzern, Steinen oder verlorenen Ankern. „Das können auch mal Segmente einer Heizung aus DDR-Zeiten sein. Die Süßwasserschwämme brauchen hartes Substrat, auf dem sie wachsen können“, sagt Roland Diedrichkeit.

Lesen Sie auch: Radler, Paddler, Gastronomie – neue Ideen für den Tollensesee gesucht

Am Campingplatz Gatsch Eck leitet er seit dem 1.  Juli im zehnten Jahr in Folge das Sommer-Tauchcamp. Mit elf Kindern und Jugendlichen erkundet er für vier Wochen den Grund des Tollensesees, der reich an Fischen und Unterwasser-Pflanzen ist. „Wir sagen dazu liebevoll Gemüsegarten“, erklärt der Tauch-Lehrer.

Schwämme nicht typisch für deutsche Gewässer

Doch neben den Pflanzen, Hechten und Muscheln, ist ihm und den Kindern in diesem Jahr noch etwas anderes aufgefallen: Grüne, gelbe, oder orange Schwämme, die an Steinen oder Hölzern hängen. „In den letzten Jahren habe ich die schon vereinzelt entdeckt. Aber dieses Jahr sehen wir sie in verstärkter Häufigkeit“, sagt Roland Diedrichkeit.

Lesen Sie auch: Wie Theodor Fontane einst vom Tollensesee schwärmte

Doch warum gibt es auf einmal so viele dieser Schwämme im Tollensesee, die laut Diedrichkeit nicht einmal typisch für deutsche Gewässer sind? Der langjährige Taucher hat dazu eine Vermutung: „Das könnte am Dünger liegen, der aus der Landwirtschaft ins Wasser gerät. Die Schwämme leben immer dort, wo es viele Nährstoffe gibt.“

Pflanzen und Tannenbäume beleben zuvor kargen Seeboden

Doch auch wenn die gelben Seebewohner eher untypisch für die Mecklenburgische Seenplatte sind, hätten sie auf den Tollensesee einen positiven Einfluss. „Der Süßwasserschwamm ist ein Filterer. Er zieht sich die Nährstoffe aus dem Wasser und reinigt es gleichzeitig“, erklärt Roland Diedrichkeit.

Lesen Sie auch: Hitzewelle legt Trabi aus vergangenen DDR-Tagen frei

Dass die Kinder überhaupt etwas in der Unterwasserwelt des Gatsch Ecks bestaunen können, liegt auch an dem Tauch-Lehrer. Als der vor elf Jahren das erste Mal dort tauchte, war das Einzige, das er fand, ein Klapp-Anker. „Pflanzen und Fische gab es keine“, erinnert er sich. Um diesen Teil des Sees zu beleben und den Kindern etwas bieten zu können, verpflanzte er am Gatsch Eck Unterwasser-Pflanzen von einem anderen Ufer.

Mehr lesen: Schwanenmama umsorgt den Nachwuchs auf dem Tollensesee

Daraufhin siedelten sich kleine Fische an. Um diesen einen Schutzraum vor Räubern zu geben, legte Diedrichkeit Tannenbäume ins Wasser. Doch schützten die nicht nur kleine Fische, sondern boten auch den ersten Süßwasser-Schwämmen einen Lebensraum. „Eigentlich zogen wir die Bäume immer irgendwann wieder raus und verbrannten sie dann. Aber als wir die Schwämme entdeckten, ließen wir sie im Wasser“, sagt Roland Diedrichkeit.

Bei Tauch-Kursen geht es auch um den Umgang mit der Natur

Auch das sei ein wichtiger Teil von dem, was er seinen Schülern mitgeben will. Zwar gehe es in erster Linie darum, das Tauchen zu lernen, doch darüber hinaus lehrt Diedrichkeit einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. „Wir Taucher müssen zum Beispiel darauf achten, dass wir nicht pausenlos den Boden aufwühlen. Damit das Leben dort geschont wird“, sagt der Tauch-Lehrer.

zur Homepage