ANTISEMITISMUS

Staatsschutz durchsucht Wohnungen und findet geklaute Israel-Flagge

Nach eineinhalb Monaten ist die vorm Neubrandenburger Rathaus gestohlene Israelflagge wieder aufgetaucht. Den entscheidenden Hinweis gaben die Täter selbst.
In den Morgenstunden am Donnerstag durchsuchte die Polizei drei Objekte auf dem Datzeberg. In einem fanden sie die Israel-Flag
In den Morgenstunden am Donnerstag durchsuchte die Polizei drei Objekte auf dem Datzeberg. In einem fanden sie die Israel-Flagge, die vor eineinhalb Monaten gestohlen wurde. Felix Gadewolz
Neubrandenburg ·

Die Polizei hat die vorm Neubrandenburger Rathaus gestohlene Israel-Flagge wiedergefunden und ermittelt nun gegen vier junge Syrer. Mehreren Beamten waren am Donnerstagmorgen auf dem Datzeberg unterwegs, durchsuchten dort insgesamt drei Wohnungen. In einer habe sich die Fahne befunden, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg auf Nordkurier-Anfrage. Auch weitere Beweismittel seien sicher gestellt worden.

Ein Erfolg für die Ermittler, etwa eineinhalb Monate nach der Tat. Am 13. Mai, dem Herrentag, war die vor dem Rathaus hängende Flagge des israelischen Staates gestohlen worden. Ähnliche Vorfälle gab es zu dieser Zeit in mehreren deutschen Städten nach dem erneuten Ausbruch der Gewalt im Nahen Osten zwischen Israelis und Palästinensern.Oberbürgermeister Silvio Witt hatten die Tat aufs Schärfste verurteilt und sich umgehend von jeglicher Form des Antisemitismus distanziert. Die Stadt Neubrandenburg pflegt seit Jahren eine Städtefreundschaft mit der israelischen Stadt Nazareth.

Arabische Kampfmelodien im Video

Die Ermittler kamen den Tätern relativ schnell auf die Spur, erläuterte Polizeisprecherin Claudia Tupeit. Auf dem beliebten Videoportal „TikTok” kursierte ein Video, das zeigte, wie vier Männer die Flagge stehlen, nachdem einer den Fahnenmast hochgeklettert war. „Auf einem Parkplatz versuchten die Tatverdächtigen zwischen 18 und 26 Jahren zunächst die Flagge zu zerreißen, trampelten dann auf ihr herum”, beschreibt die Sprecherin das mittlerweile wohl gelöschte Video weiter. Im Hintergrund seien zudem arabische Kampfmelodien gespielt und eine Fahne des Arabischen Frühlings gezeigt worden.

„Es war eine aufwendige Arbeit, die Identitäten zu ermitteln”, führte Claudia Tupeit aus. Die Spur führte die Beamten dann zum Datzeberg, wo alle vier Männer gemeldet sind. Bis auf den 18-Jährigen seien alle bereits polizeibekannt, ergänzte die Sprecherin. Unter anderem wegen Eigentumsdelikten, Körperverletzung und Bedrohung.

Verdachts auf Diebstahl und Volksverhetzung

Nun wird gegen sie wegen des Verdachts auf Diebstahl, Volksverhetzung und der Verletzung von Flaggen und Hoheitszeichen ausländischer Staaten ermittelt.

Die Tatverdächtigen seien allesamt vernommen worden. Wann die Flagge offiziell der Stadt Neubrandenburg zurückgegeben werden kann, ist derzeit noch unklar. Da sie ein Beweisstück ist, müsse das noch mit der Staatsanwaltschaft abgesprochen werden, sagte Tupeit. Die Polizei prüfe nun zudem, ob die Tatverdächtigen auch mit einer weiteren Tat in Verbindung stehen. Bereits im Februar wurde am Ortseingang aus einem Willkommens-Banner der Stadt der Schriftzug der Partnerstadt Nazareth herausgetrennt.

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