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Stadt will Forschungszentrum abwickeln

Das ZLT bekommt einen neuen Chef. Der soll die zu 75 Prozent städtische Firma entweder auflösen oder ganz neue Gesellschafter finden.

Das Zentrum für Lebensmitteltechnologie in der Brodaer Seestraße steht vor dem Aus.
Andreas Segeth Das Zentrum für Lebensmitteltechnologie in der Brodaer Seestraße steht vor dem Aus.

Die Stadt Neubrandenburg will sich aus dem Zentrum für Lebensmitteltechnologie (ZLT) zurückziehen. Die Neubrandenburger Stadtvertreter haben jetzt in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, dass die gemeinnützige GmbH so schnell wie möglich, aber geordnet abgewickelt werden soll. Zuvor fließen allerdings noch 72 000 Euro als Finanzspritze, um die unmittelbar bevorstehende Insolvenz der Gesellschaft abzuwenden. Als wichtigste Voraussetzung für eine Abwicklung wird das Rathaus mit dem Schweriner Wirtschaftsministerium über den Wegfall der Zweckbindungsfrist von Landes-Fördermitteln verhandeln.

Die Stadtvertreter haben sich auch darauf geeinigt, das Holger Gniffke als Geschäftsführer abbestellt wird. Auch in anderer Position soll er ab sofort nicht weiterbeschäftigt werden. Die vorübergehende Geschäftsführung des ZLT soll ab sofort Michael Wendelstorf übernehmen. Wendelstorf ist Prokurist bei der Neuwoges und Geschäftsführer der Haveg Immobilien GmbH, die mit der Neuwoges bei der Verwaltung von Fremdimmobilien kooperiert.

Pläne gingen bisher nicht auf

Der Grund für diese Maßnahme liegt in der wirtschaftlichen Situation des ZLT. Seit Jahren muss die Stadt das Technologiezentrum finanziell unterstützen. Ab 1. Januar 2014 wurde das ZLT deshalb auf Betreiben von Holger Gniffke zur gemeinnützigen GmbH und zu einem Forschungsinstitut – um an lukrativere Forschungsaufträge heranzukommen, die zu 100 Prozent aus anderen Quellen bezahlt werden. Doch leider ging dieser Plan bisher nicht auf.

Deshalb ist noch im Oktober Professor Leif-Alexander Garbe von der Hochschule Neubrandenburg zum wissenschaftlichen Leiter des ZLT berufen worden. Die Hochschule ist zu 25 Prozent Eigentümerin des ZLT, der Stadt gehören die restlichen 75 Prozent. Garbe hat 12 Jahre lang in Berlin eine ähnliche Einrichtung geleitet und nach eigener Aussage große Erfahrung im Einwerben solcher Forschungsgelder.

Bei der Liquidation wird unter anderem darüber zu befinden sein, ob das ZLT vielleicht auch ohne die Stadt weitergeführt werden kann. Die Hochschule habe bereits Interesse bekundet, das ZLT möglicherweise als Forschungseinrichtung weiterzuführen, erklärte Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU). Die Stadt werde sich aber in jedem Fall zurückziehen.

 

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