Bislang eher weniger bekannt als Mann fürs Grobe: Stadtpräsident Dieter Stegemann (Mitte) bei einem öffentliche
Bislang eher weniger bekannt als Mann fürs Grobe: Stadtpräsident Dieter Stegemann (Mitte) bei einem öffentlichen Termin mit OB Silvio Witt (re.) und Stadtwerkechef Ingo Meyer. Tim Prahle
Eklat-Sitzung

Stadtpräsident verwundert über Attacke auf Bürgermeister

Dieter Stegemann entschuldigt sich für einen Abstimmungsfehler, der für Furore im Neubrandenburger Stadtparlament sorgte. Die Mobbing-Vorwürfe gegen OB Witt will er nicht formuliert haben.
Neubrandenburg

Die Mobbing-Anschuldigungen platzten vergangene Woche wie eine Bombe in die Neubrandenburger Stadtvertretung zur Vereidigung von Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos). Auf Anfrage des Nordkurier zeigte sich Stadtpräsident Dieter Stegemann (CDU) eine Woche nach der Sitzung, bei der er selbst nicht anwesend war, ziemlich kleinlaut und zerknirscht wegen des von ihm eingebrachten Antrags, mit dem die Möglichkeit zur Wahl eines 2.  Beigeordneten geschaffen werden soll. SPD sowie Bündnis 90/Die Grünen hätte man „früher und mehr ins Boot holen sollen“. Dieser Verantwortung müsse er sich stellen und er habe seine Lektion gelernt. „In meiner Amtszeit wird es keine Schnellschüsse mehr geben.“ Er will jetzt das Gespräch mit dem OB sowie mit den Fraktionen von SPD und Grünen suchen.

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Abgeordnete distanzieren sich

Letztere hatten im Anschluss an die Sitzung klargestellt, dass der Antrag nicht in ihrem Namen gestellt worden sei. SPD-Fraktionschef Michael Stieber sagte dem Nordkurier, „die in der Stadtvertretung von Ratsfrau Renate Klopsch im Namen des Stadtpräsidenten – und damit auch in unserem Namen – gegebene Begründung kannten wir nicht, wir können sie nach wie vor nicht nachvollziehen und wir distanzieren uns von ihr.“ Grünen-Fraktionschef Rainer Kirchhefer pflichtete bei, „wir sind als Fraktion nicht beteiligt worden an der Erstellung der Vorlage und machen uns die Begründung in Form und Inhalt nicht zu eigen.“ Auch CDU-Ratsherr Björn Bromberger, der wegen Krankheit fehlte, distanzierte sich öffentlich von dem Antrag.

Anfeindungen ausgesetzt?

Für das größte Aufsehen sorgte neben der fehlenden Abstimmung allerdings der von Vize-Stadtpräsidentin Renate Klopsch (Linke) verlesene zweite Teil der Antragsbegründung. Langjährige Rathaus-Mitarbeiter sähen sich „zusehends Anfeindungen der verschiedensten Art“ ausgesetzt, hieß es darin. Die Stadtvertretung wolle mit dieser Entscheidung „einer aus unserer Sicht unerfreulichen Entwicklung innerhalb der Stadtverwaltung entgegenwirken, die es offensichtlich möglich macht, Verwaltungsmitarbeiter ihrer Aufgabe, ihrer Tätigkeit und ihres Selbstverständnisses von sich und ihrer Funktion zu berauben“.

Unklar, wer die Vorwürfe im Antrag formuliert hat

Stegemann, der grundsätzlich einen breiten Konsens für einen 2.  Beigeordneten sieht, zeigte sich verwundert über die Formulierung des zweiten Teils, welchen er vor seinem lange geplanten Familienurlaub so nicht übergeben und so nicht „reingenommen“ hätte, wie er dem Nordkurier sagte. Wie diese zustande kam, konnte er nicht sagen. Er wisse nicht, ob es eventuell vorab noch Gespräche mit den beiden großen Fraktionen in der Stadtvertretung gegeben habe, welche CDU und Linke stellen, deren Mitglieder bis auf eine Ausnahme geschlossen zusammen mit der AfD für den Antrag stimmten.

Zuarbeit per E-Mail

Renate Klopsch sagte dem Nordkurier, sie sei in die Erarbeitung der Drucksache nicht eingebunden gewesen. Da sie urlaubsbedingt die Vertretung habe übernehmen müssen, habe sie um Zuarbeit gebeten, „mit welcher Intention das eingebracht wird“. Diese Zuarbeit habe sie auch per E-Mail bekommen. Wer allerdings der Autor sei und ob dies der Absender sei, könne sie nicht sagen. „Da forsche ich jetzt auch nicht nach.“ Die ganze Angelegenheit ist ihrer Ansicht nach „etwas kurzfristig“ gewesen. Sie habe sich bemüht, das so vorzutragen, um einerseits den Intentionen des Stadtpräsidenten zu entsprechen sowie auch dem, was sie vertreten könne, sagte die Ratsfrau, welche nach eigenen Worten regelmäßig die Sprechstunde „Das offene Ohr“ durchführt. Dabei habe auch so mancher Verwaltungsmitarbeiter sein Herz ausgeschüttet, „der sich nicht richtig verstanden fühlt“.

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Kommentare (1)

Es ist jetzt an der Zeit reinen Tisch zu machen anstatt sich hinter Unkenntnis und man hätte, vielleicht oder früher zu verstecken. Das alles gipfelt in der Aussage:;; Ich kenne den Absender der Mail und werde ihn auch nicht recherchieren;; Die Maßgeblichen, offensichtlichen Protagnisten sollten nun die Konsequenzen ziehen. Das ist notwendig wen das Ansehen der Stadtvertretung und des Präsidiums nicht weiter beschädigt werden soll. Wenn anonyme Mutmaßungen als Begründung für die Satzungsänderung ins Feld geführt werden zeigt, wer hier wen mobbt! Man kennt das ja …