CAMERON CARPENTER IN NEUBRANDENBURG

▶ Star-Organist verzückt die Heimbewohner

Vor fünf Pflegeheimen der Stadt hat der Organist Cameron Carpenter kleine Konzerte gegeben. Die Bürgerstiftung Neubrandenburg hatte den Musiker in die Stadt gelockt.
Der US-Amerikaner spielte von einem Anhänger aus für die Bewohner und Mitarbeiter von insgesamt fünf Pflegeheim
Der US-Amerikaner spielte von einem Anhänger aus für die Bewohner und Mitarbeiter von insgesamt fünf Pflegeheimen in Neubrandenburg. Bernd Lasdin/Bürgerstiftung Neubrandenburg
Neubrandenburg.

„Es ist wirklich eine großartige Sache, dass in unserer Stadt so etwas passiert“. Gerda Pöhls war nach dem Konzert des Organisten Cameron Carpenter noch immer ganz beschwingt von dessen Auftritt vor dem Städtischen Pflegeheim. „Ich wollte zuerst oben bleiben und aus dem Fenster heraus zu gucken. „Aber hier unten war es noch einmal ein bisschen näher“, sagt die 87-jährige Bewohnerin.

Konzert vor den Fenstern der Stadt

Dabei wäre das Konzerterlebnis vom Fenster aus durchaus stilecht gewesen. Als „Konzerte vor den Fenstern der Stadt“ sind die Auftritte des international renommierten Musikers Carpenter überschrieben. Mit seinen Stücken unter dem Motto „All you need is Bach“ zog dieser am Montag mit dem Wohnmobil durch Neubrandenburg. Im Gepäck seine Orgel, auf der er von einem Anhänger aus den Bewohnern und Mitarbeitern etwas vorspielte.

[Video]

Dabei verschlug es ihn ins Katharinenviertel zur Caritas, zum städtischen Pflegeheim in der Oststadt, zum Vitanas Seniorenzentrum am Kulturpark, zur Evangelischen Altenpflegeeinrichtung nach Broda und zum Altenpflegezentrum auf den Lindenberg. „Wir sind wirklich froh, dass hier bei uns ein solches Konzert stattfindet“, äußerte sich Itke Nagel vom Städtischen Pflegeheim glücklich. Schon häufiger habe das Pflegeheim selbst die 175 Bewohner und 150 Mitarbeiter mit kleinen Konzerten von regionalen und lokalen Künstlern die schwierige Zeit in der Corona-Krise mit Kontaktbeschränkungen und Isolation etwas erleichtern wollen.

[Video]

Über 300 Bürgerstiftungen wurden angeschrieben

Eine Motivation, die auch das bundesweit agierende „Bündnis der Bürgerstiftungen“ antrieb. Dessen Leiterin Ulrike Reichart kennt Carpenter persönlich, gemeinsam kam kürzlich die Idee einer etwas anderen Konzert-Tour auf. „Dann haben wir über 300 Bürgerstiftungen im ganzen Land angeschrieben“, so Reichart. Eine Tour mit insgesamt acht Stationen wurde danach zusammengezimmert.

Von Stuttgart ging es nahe an die niederländisch-deutsche Grenze. Dann nach Niedersachsen, unter anderem nach Hannover. Es folgte Rendsburg in Schleswig-Holstein und dann in die Vier-Tore-Stadt. Schon am Dienstag gibt es in Eberswalde den letzten Konzerttag. Dann hat Carpenter innerhalb von acht Tagen acht Städte besucht und insgesamt 40 Konzerte gegeben, wie Reichart zusammenzählt. Dennoch sei in Neubrandenburg am Sonntagabend noch Zeit für eine kleine Fahrradtour um den Tollensesee gewesen.

[Video]

Neubrandenburger mit Abstand die Schnellsten

Dass es Neubrandenburg in den kleinen Kreis der Konzertstädte geschafft hat, liege unmittelbar an der hiesigen Bürgerstiftung. „Die waren mit Abstand die schnellsten, schon nach einer halben Stunde haben sie geantwortet“ lobt Reichart. Die umtriebige Stiftung nahm das Lob gerne an und gab es zugleich weiter. 6000 Euro hatte sie für das Konzert ausgelegt und um Spenden zur Finanzierung geworben. „Schon vor dem ersten Konzert waren über 5000 Euro an Spenden zusammengekommen“, freute sich der Vorstandsvorsitzende Wilfried Holze. 59 Bürger und fünf Unternehmen hatten gegeben, die Heime selbst halfen am Montag durch das Aufstellen weiterer Spendenboxen.

[Video]

All die Freude über seinen Auftritt steckte den Organisten Carpenter auch selbst an. Es sei wichtig zu zeigen, dass die Musik auch zu einem nach Hause kommen kann. „Diese Konzerte vermitteln ein ganz neues Gefühl der Intimität“ beschrieb es der 39-jährige US-Amerikaner dem Nordkurier. Dabei hatte er selbst 25 Konzerte wegen der Corona-Krise absagen müssen. „Trotzdem habe ich Glück, weil ich alleine spiele und so etwas unabhängiger bin“, sagte er. So konnte er jetzt nach den vielen großen Städten auch ein paar kleinere Ecken des Landes kennenlernen. Bei Neubrandenburg war das allerdings nicht nötig. Schon einige Male hat er hier gespielt. Allerdings in der großen Konzertkirche. Nicht auszuschließen, dass er bei seinem nächsten standesgemäßen Konzert ein paar seiner Zuhörer wie Gerda Pöhls dann wiedersieht. Dann können sie dem Musiker vielleicht noch einmal ein Stück näherkommen.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

Kommende Events in Neubrandenburg (Anzeige)

zur Homepage