Preiserhöhung für Händler
Stirbt der Wochenmarkt in Neubrandenburg einen langsamen Tod?

Jede Menge freie Stellplätze: Dieses Bild bot der Wochenmarkt in letzter Zeit öfter.   
Jede Menge freie Stellplätze: Dieses Bild bot der Wochenmarkt in letzter Zeit öfter.
Jörg Franze

Kunden schimpfen, Händler haben Sorgen – um den Wochenmarkt in Neubrandenburg scheint es nicht gut zu stehen. Eine weitere Preiserhöhung lässt Anbieter überlegen, ob es sich noch lohnt.

Kunden auf dem Neubrandenburger Wochenmarkt werden vermutlich künftig für Einkäufe dort mehr bezahlen müssen. Da der Betreiber des Wochenmarktes, die Deutsche Marktgilde, die Standpreise zum 1. März um 20 Prozent erhöht, müsse er auch mehr Geld verlangen, so jedenfalls Standbetreiber Silvio Albrecht. „Oder das Geschäft aufgeben“, ergänzt er mit bitterer Miene. Silvio Albrecht hat immerhin ein Schild aufgebaut, um seinen Stammkunden zu erklären, warum sie demnächst mehr bezahlen müssen.

Die meisten Anbieter auf dem ohnehin nicht üppig genutzen Areal wirken gefrustet, wollen aber ihren Namen nicht nennen, um nicht die ohnehin angespannte Geschäftsbeziehung mit dem Betreiber zu gefährden. „Hier frisch etwas fertig zu machen, haben wir längst aufgegeben“, sagt ein Händler und verweist auf die Stromkosten, die ebenfalls hoch seien. Doch Silvio Albrecht und seine Kollegen ärgert besonders, dass ihnen jetzt Schreiben in die Hand gedrückt wurden und sie ab 1. März 20 Prozent mehr Standgebühr bezahlen müssen. Schon als die Marktgilde den Betrieb übernommen hatte, gab es einen kleinen Aufstand der Händler. Kostenerhöhung und Vertragsklauseln würden es immer unwirtschaftlicher machen, in Neubrandenburg aufzubauen, klagten viele. Und einige blieben schon weg. Ein Teufelskreis für die verbliebenen Anbieter. „Weniger Stände bedeutet weniger Kunden und weniger Umsatz“, rechnet Silvio Albrecht vor. Neubrandenburg sei das teuerste Pflaster für Händler, viel höhere als andere Städte, selbst Berlin.

Deutsche Marktgilde trägt Hälfte der Erhöhung

„Ich würde da nicht widersprechen“, pflichtet Sebastian Stahl, Niederlassungsleiter Berlin der Deutschen Marktgilde, dem Händler sogar bei. Und zeigt mit dem Finger aufs Rathaus. Sei die Abgabe für die Nutzung des Marktplatzes an die Stadt ohnehin schon hoch gewesen, so habe man vor wenigen Tagen ein Schreiben bekommen, das eine Erhöhung dieser sogenannten Sondernutzungsgebühr um 40 Prozent zum 1. Januar vorsehe. Eine „enorme Herausforderung“, der Betreiber sei gezwungen gewesen, neu zu kalkulieren. „Ohne diese Erhöhung hätten wir wohl über die gesamte Laufzeit unseres Vertrages unsere Preise halten können“, behauptet er.

Das Unternehmen habe sich entschlossen, die Hälfte der Preiserhöhung selbst zu tragen, so Stahl. Die Händler würden demzufolge mit 20 Prozent belastet. Doch so ganz passt das nicht zur Rechnung, die die Stadt präsentiert. Dort spricht man von einer Erhöhung um 29 und nicht 40 Prozent, von 25 Cent pro Quadratmeter sei die Abgabe auf 35 Cent gestiegen.

Rathaus verweist auf Landes-Abgabengesetz

Und eine Kritik des Marktbetreibers, zuvor nicht über die Erhöhung der Sondernutzungsgebühr informiert worden zu sein, weist man im Rathaus energisch zurück. Die Gebührensatzung sei im vergangenen Jahr ausführlich öffentlich beraten und dann verabschiedet worden. Bereits im September sei bei einer Beratung zum Wochenmarkt, an der auch Vertreter der Marktgilde teilgenommen hätten, eine Änderung der Satzung angekündigt worden, so Rathaus-Sprecherin Anett Seidel. Die vorherige Satzung sei acht Jahre alt gewesen, das Land empfehle in seinem Abgabengesetz alle fünf Jahre eine Anpassung.

Kommentare (1)

gehören grundsätzlich in städtische Hände, sie sollten so angesetzt sein und mit der Zeit gehen, dass der Händler motiviert wiederzukommen, aber vor allem der Kunde von deren Vielfalt profitieren kann zum Wohle der Allgemeinheit!