Problemviertel

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Strandparty soll Leute am Reitbahnweg aufrütteln

Ob Bumerangs bauen oder Stoffbeutel gestalten, Kinder, Eltern und Großeltern waren eingeladen, sich kreativ zu betätigen.
Ob Bumerangs bauen oder Stoffbeutel gestalten, Kinder, Eltern und Großeltern waren eingeladen, sich kreativ zu betätigen.

Verschiedene Vereine stellen am Reitbahnweg, wo vielen Einwohnern nicht nach Feiern zumute ist, ein Fest auf die Beine. Statt Bespaßung gibt es Angebote, kreativ zu sein.

„Es ist dann was los, wenn sich jemand entscheidet, was zu machen“„ sagt Jan Glawe von der Mobilen Jugendarbeit der Caritas und zeigt auf die Stände am Strand des Reitbahnsees.  An einem Tisch bauen Kinder selber Bumerangs. Skater Martin Koninski zeigt, wie es geht. Gleich daneben werden Stoffbeutel  gestaltet und mit Tape Kunst gemacht.  Breit und bunt ist das Angebot, das trotz Badewetter auch gut genutzt wird.

Beim SunSet Beach Family, wie die Strandparty heißt, geht es nicht ums Chillen. Hier wird niemand bespaßt. Die jungen Familien vom Datzeberg und vom Reitbahnviertel, an die sich das Angebot richtet, sollen selber aktiv werden. „Wir machen das hier und nicht etwa in Broda, weil hier die Familien wohnen, die wenig Geld haben und deshalb vielleicht auch weniger mit ihren Kindern machen“, sagt Jan Glawe, der als Straßensozialarbeiter in den Vierteln unterwegs ist.

Das Reitbahnviertel ist immer noch der soziale Brennpunkt von Neubrandenburg. Rund 4300 Menschen leben hier. Mit einem Durchschnittsalter von 36,5 Jahren ist es ein sehr junges Viertel. Aber nicht einmal die Hälfte der Bewohner, die im erwerbsfähigen Alter sind, haben einen Job. Der Wohnungsleerstand liegt trotzdem unter fünf Prozent, denn die Miete überweist das Jobcenter um die Ecke.

„Die Sozialschwachen  ballen sich. Das ist Ergebnis einer schlechten Siedlungspolitik“, kritisiert Sozialarbeiter Glawe. Der Frust und die Perspektivlosigkeit potenzieren sich, werden über mehrere Generationen weitergegeben, was sich auch auf den Stimmzetteln niederschlägt. Bei den Landtagswahlen 2006 und 2011 hat die NPD im Reitbahnviertel  immer die meisten Stimmen bekommen. Dabei wohnen nur etwa 80 Ausländer hier. „Ich glaube das sind Protestwähler. Die Politikverdrossenheit ist sehr hoch. Vor den Wahlen schlagen die Politiker mit Themen auf und danach passiert wenig. Das merken sich die Leute doch“, meint Jan Glawe.

Mit der Familienveranstaltung, bei der auch das Soziokulturelle Bildungszentrum, der ASB, die TFA, NB Radiotreff 88,0, die ABG und der Jugendmigrationsdienst der AWO mitmachen, soll den Bewohnern gezeigt werden, dass sie nicht allein sind. Für die verschiedenen Vereine und Verbände ist es auch eine Möglichkeit, sich besser kennenzulernen, um die Kräfte zu bündeln.