ENTLASTUNGSSTRECKE

Neubrandenburger fürchten mehr Lärm durch Straßenbaupläne

Die Anwohner in der Neubrandenburger Johannesstraße sind alles andere als begeistert von Plänen, genau vor ihrer Haustür für eine wichtige Entlastungsstrecke zu sorgen. Sogar von Forderungen nach Entschädigungen ist dabei die Rede.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Hier soll sie errichtet werden, die Rampe aus der Johannesstraße auf die Demminer Straße.
Hier soll sie errichtet werden, die Rampe aus der Johannesstraße auf die Demminer Straße.
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Neubrandenburg.

Über Pläne, den Verkehr auf der glatten und schnurgeraden Johannesstraße zu vervielfachen, haben Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt und der Bauamtsleiter aus dem Rathaus, Frank Renner, jetzt in der Schule in der Johannesstraße informiert. Mit einer Rampe aus der Johannesstraße auf die Demminer Straße soll verhindert werden, dass Bewohnern der benachbarten Ihlenfelder Vorstadt ein Verkehrskollaps droht.

Die Furcht davor sitzt tief, wenn nach der Fertigstellung des ersten Teils der Ortsumgehung der Verkehr aus Richtung Süden durch ihr Viertel strömt – auf dem Weg nach Norden. Denn alle, die ab Sommer 2019 in der Neustrelitzer Straße die neue Umgehung wählen, um dem Ring zu entgehen, landen auf der Hochstraße oder der Ihlenfelder Straße. Alles nur, weil der ursprünglich geplante zweite Abschnitt der Neubrandenburger Ortsumgehung aus wirtschaftlichen Gründen in hohem Bogen aus dem Bundesverkehrswegeplan geflogen ist.

Daher hat die Stadt einen alten Plan wieder hervor gekramt. Damit die Ihlenfelder Straße gar nicht erst mit zusätzlichen Fahrzeugen belastet wird, soll der Mehr-Verkehr über die Johannesstraße auf die breite vierspurige Demminer geführt werden. Eine Auffahrt, einer Rampe ähnlich, führt dann vor dem Tunnel hoch auf die Eisenbahnbrücke. Schon kurz vor der Jahrtausendwende wurde dafür die Planung geschrieben, die Idee verschwand aber in der Schublade – bis die Verwaltung sie 2017 wieder erweckte. Das Grundstück, ein unbefestigter Parkplatz, gehört der Stadt. Verläuft alles nach Plan, könnte 2021 mit dem Bau gestartet werden.

Ein Lärmgutachten liegt noch nicht vor

Verläuft indes alles nach dem Willen vieler Bewohner der Johannesstraße, kann das getrost noch viel länger dauern. Denn die befürchten aus gutem Grund – wegen des „umgeleiteten“ Verkehrs – viel mehr Lärm, viel mehr Abgase und viel mehr Gefahr. Nicht zuletzt für die Jüngsten aus der Grundschule. Wie das denn zum Beispiel mit dem Lärmschutz funktionieren solle? Schulterzucken bei Bauamtsleiter Renner. Noch liege das nötige Lärmgutachten nicht vor, das gelte es abzuwarten.

Andere Gäste der Veranstaltung befürchten, zur Kasse gebeten zu werden, um ihren Anlieger-Anteil an der Straßenertüchtigung zu zahlen. Die Furcht versuchte Rathaus-Chef Witt zu nehmen, denn schließlich fördere das Land Mecklenburg-Vorpommern die Sache schon mit 1,5 Millionen Euro. Andere fragten, die ablehnende Antwort ohnehin ahnend, nach einem möglichen Entschädigungsfonds für die Immobilieneigentümer an der Johannesstraße. Die jetzt angesichts der Verkehrsmenge schon mit gehörigem Wertverlust für ihre Häuser und Wohnungen rechnen.

Oberbürgermeister Witt versuchte es diplomatisch: Die Entscheider im Rathaus und in der Stadtvertretung müssten bei allen Entscheidungen immer abwägen, was für die Geschicke der ganzen Stadt oder einer Mehrheit am besten sei. Und so sei die „Ableitung“ des Verkehrs über die Johannesstraße eben das kleinere Übel. Trotz aller berechtigter Einwände und trotz aller noch bestehender Unklarheiten.

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