„MILLIONENGRAB“

Streit um Neubrandenburger Flugplatz neu entfacht

Die Grünen fordern die Streichung aller Subventionen für den Flughafen Trollenhagen bei Neubrandenburg. Gemessen am Flugbetrieb sei der Zuschussbedarf zu hoch. Nicht nur Oberbürgermeister Silvio Witt sieht das anders.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Der Flughafen in Trollenhagen. Schon seit 1990 wird der Platz auch zivil genutzt und gilt als Alleinstellungsmerkmal bei der Vermarktung der angrenzenden Gewerbeflächen. 
Der Flughafen in Trollenhagen. Schon seit 1990 wird der Platz auch zivil genutzt und gilt als Alleinstellungsmerkmal bei der Vermarktung der angrenzenden Gewerbeflächen. Thomas Beigang
Neubrandenburg.

Drei Millionen Euro – so hoch sind die Verluste, die der Flugplatz Neubrandenburg-Trollenhagen (FNT) in den vergangenen zehn Jahren gemacht hat. Mehr als die Hälfte davon musste die Stadt Neubrandenburg tragen, hat Nicolas Mantseris, Chef der vierköpfigen Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen/Piraten in der Stadtvertretung ausgerechnet. Die Subvention des Flughafens habe auch auf der Streichliste des städtischen Haushaltssicherungskonzeptes (HSK) gestanden. Doch eine Mehrheit der Stadtvertretung habe diesen Posten gegen die Stimmen seiner Fraktion aus dem HSK genommen, monierte Mantseris.

Anlass für seine Kritik, die die Grünen schon seit Jahren anbringen, ist der vor wenigen Wochen erfolgte Erwerb eines Teils des ehemals militärisch genutzten Fliegerhorsts, für den die FNT rund zwei Millionen Euro an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hinblättern musste. Mit dem Kauf des Areals erhöht sich zugleich der Zuschussbedarf für die FNT-Gesellschafter, also den Kreis, die Stadt und die Stadtwerke Neubrandenburg sowie die Gemeinde Trollenhagen. „Die kommunalen Gelder kommen nur einigen wenigen zu Gute. Offensichtlich werden vor allem die Trainingsstunden von Flugschülern subventioniert“, so Mantseris.

Oberbürgermeister Silvio Witt, das Landratsamt und die IHK verteidigen die hohen Zuschüsse. Der Flughafen sei ein wichtiger Bestandteil des einzigen Oberzentrums im Osten von MV, sagte Witt. Er werde keine infrastrukturelle Anbindung an die Viertorestadt infrage stellen, „sondern sich um eine Festigung und den Ausbau bemühen“. Der Zuschussbedarf sei dank „guter Managementleistung“ in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Ähnlich argumentierte eine Sprecherin des Landratsamtes. Zusammen mit der der „großen Mehrheit der Kreistagsmitglieder (einschließlich der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen)“ sei man sich einig, dass der Flughafen zur Erhaltung der Attraktivität des Wirtschaftsstandorts notwendig sei.

Hoffen auf Investorenanreiz für 2019

Infrastruktur wie der Flughafen sei nicht ohne öffentliche Zuschüsse zu haben, sagte Ralf Pfoth, Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK. Viele Unternehmen hätten ihre Investitionsentscheidungen von der Existenz des nahen Flugplatzes abhängig gemacht. Damit wichtige Geschäftspartner schnell nach Neubrandenburg kommen könnten, sei der FNT unverzichtbar, betonte Pfoth. FNT-Geschäftsführer Alexander Karn verwies auf eine Untersuchung von 2014, wonach der Flughafen „positive regionalökonomische Effekte in einer Größenordnung von 300 000 bis 400 000 Euro pro Jahr“ erzeuge. Karn setzt darauf, dass Investoren ab 2019 erstmals Gewerbegrundstücke mit direktem Zugang zum Flugplatz angeboten werden können.

Mantseris kennt diese Argumente als langjähriger Stadtvertreter wohl zur Genüge. Er hält mit einer Rechnung dagegen: 2016 habe der Flughafen 362 000 Euro Verlust gemacht, das seien rund 991 Euro pro Tag. Bei 26 Flugbewegungen pro Tag, also Starts und Landungen, ergäben sich 13 Flüge pro Tag, so der Grüne. „Jeder Flug wurde damit mit mehr als 74 Euro bezuschusst.“

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Kommentare (4)

Herr Wilhelm danke für die Infos die wir uns auch selbst aus dem Netz ziehen können...
Schöner wäre es wenn Sie nachbohren würden und mal die wichtigen Geschäftspartner erfragen, die ohne diesen "Flugplatz" ja scheinbar der Region den Rücken kehren würden. (Lach) Diese Herrschaften können sicher auch gut bis nach HRO fliegen und werden von da sicher mit einem Chauffeur nach NB geleitet.... Das sind Infos die die Leute interessieren
Wie schon mal geschrieben ist dieser "Flugplatz" ein steuerfinanzierter Privatspielplatz für die ansässige Gewerbeprominenz....
Und das hier jeder mit jedem zu seinem Vorteil vorwoben ist, lässt sich gut aus dem Artikel erlesen. Schönen Tach noch.....

Es wäreauf alle Fälle sinnvoller die Gelder den notleidenten Stadtwerken zur Verfügung zu stellen. So müssten für tausende von Bürgern der Stadt nicht die Bus-, Strom- und Wasserpreise und sonst was erhöht werden! Was hier abgeht ist ein unmögliches wirtschaftliches debakel der Stadt. Komiker waren ja noch nie gute Finanziers.

Die Stadtwerke sind über ihre Tochter NVB am Flughafen beteiligt ...

Also hier fließen die hohen Preise der Stadtwerke hin. In den privat Spielplatz unserer inkompetenten Stadtvertreter (außnahme die Grüne Fraktion) und unseren Inkompetenten Oberbürgermeister Witt. Es ist doch nun wirklich eine Lüge das die Wirtschaft einen Flughafen braucht und das die Ansiedlung von Gewerbe daran gekoppelt ist. Das Spielchen sehen wir in Parchim, Altenburg usw. Nein ein Flughafen ist ein Prestige Objekt für lokale Stadtfürsten, denn sie müssen ihn ja nicht bezahlen. Solange die EU oder Berlin da keinen Riegel vorschiebt wird sich nichts ändern. Außer die Bürger treten selbst an bei der nächsten Wahl.