Kunstwerke

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Suche nach Beton-Löwen bisher erfolglos

Anfang der 50er-Jahre wohnte Familie Wasmund in der Löwen-Villa, eins der Kinder sitzt hier rittlings auf einem der beiden Löwen (Foto links). Die Sparkasse verkaufte die Löwen in den 60er Jahren an Familie Bodenschatz, auf deren Grundstück an der Weitiner Straße sie dann standen. (rechts).
Anfang der 50er-Jahre wohnte Familie Wasmund in der Löwen-Villa, eins der Kinder sitzt hier rittlings auf einem der beiden Löwen (Foto links). Die Sparkasse verkaufte die Löwen in den 60er Jahren an Familie Bodenschatz, auf deren Grundstück an der Weitiner Straße sie dann standen. (rechts).
privat/Archiv, Sparkasse

Ihren Platz vor der Löwen-Villa haben die beiden Tiere, die dem Haus seinen Namen gaben, schon vor rund 50 Jahren verlassen. Lange waren sie noch in Neubrandenburg, aber inzwischen verliert sich ihre Spur. Kommen sie zurück wie Bacchus?

Die Sache ist festgefahren. Wolfgang Kern gibt so schnell nicht auf, aber bei dieser Löwen-Safari weiß er nicht weiter. Der Vorsitzende des Neubrandenburger Museumsvereins kann hartnäckig sein bei geschichtlichen Nachforschungen – zum Beispiel zum Relief mit den vier Toren am gleichnamigen Hotel oder zum Kupferrelief, das ohne Kennzeichnung im Museumsdepot entdeckt und vor Kurzem den Stadtwerken als Leihgabe überlassen wurde (der Nordkurier berichtete). So hat er sich auch auf die Spur der beiden Löwen gemacht, die der Löwen-Villa ihren Namen gaben und vor dem alten Gebäude standen, in dem die Sparkasse am Ring ihren Sitz hat.

Hoffen auf Kommissar Zufall bei der Suche

Im Archiv des Geldinstituts fanden sich Fotos aus den 50er Jahren, auf denen die beiden Beton-Figuren vor dem Haus stehen. Anfang der 90er Jahre besuchten Mitarbeiter des Nordkuriers Familie Bodenschatz auf ihrem Grundstück an der Weitiner Straße. Sie hatten die Löwen nach eigenen Angaben in den 60er Jahren von der Sparkasse für wenig Geld gekauft und damit aus einem Bauschutt-Haufen vor dem Verfall gerettet. Nach der Wende wollte die Sparkasse die Plastiken zurückkaufen und mit der Sanierung des Hauses wieder aufstellen, daraus wurde aber nichts.

Inzwischen lebt das Ehepaar Bodenschatz nicht mehr und das Grundstück an der Weitiner Straße ist verkauft. Zu den Erben hat nicht nur Wolfgang Kern Kontakt aufgenommen, sondern auch Hellwart Jaeger. Der Neubrandenburger erforscht seit vielen Jahren Leben und Werk seines Großonkels Wilhelm Hans Jaeger. Hausmarken, Grabmale, Reliefs und natürlich der Reuter-Brunnen mit der resoluten Mudder Schulten – in Neubrandenburg gibt es zahlreiche Zeugnisse vom Schaffen des Bildhauers, aber vieles ist auch verschwunden. Ob die Beton-Löwen tatsächlich von der Firma Jaeger angefertigt wurden, weiß er nicht mit Sicherheit. Aber im Nordkurier-Beitrag von 1990 äußert Günter Bodenschatz, die Tierplastiken seien im „Betonwerk Jäger“ gegossen worden. „Es würde dem Profil der Firma entsprechen“, sagt Hellwart Jaeger.

Auf Nachfrage beim Sohn der Familie habe er allerdings erfahren, dass die Löwen keine Inschrift hatten und dass sie von der Mutter vor deren Tod verkauft wurden. Wohin, sei nicht bekannt. Damit verliert sich die Spur, aber Hellwart Jaeger hat dem Museumsverein angeboten: Wenn die Löwen gefunden werden, würde er mit einer Spende dazu beitragen, dass sie fürs Museum gekauft werden können.

Vielleicht hilft Kommissar Zufall wie im Fall des Bacchus, der seit einigen Monaten im Museum im Franziskanerkloster ausgestellt ist. Der trägt am Fuß die Inschrift „Wilhelm Jaeger 1932 Neubrandenburg“. Ein Berliner hatte die Putte mit Traubenranke zum Kauf angeboten, sagt Museumsleiter Rolf Voß. „Er wollte aber nichts darüber sagen, woher er sie hat.“ Da kann man nur rätseln.

Vorm Bürogebäude der Firma Jaeger in der heutigen Johannesstraße 1 standen zwei ähnliche Figuren, sagt Hellwart Jaeger. Einen Bacchus aus der Johannesstraße schenkte Wilhelm Jaeger nach Auflösung der Firma der befreundeten Familie Unger, in deren Garten er dann stand. Von dort kam die Putte 1978 vor den Sitz der Verwaltung des Kulturparkes und der Sportstätten (heute Badehaus) und sei seit 1990 „spurlos verschwunden“. Möglich, dass sie zurückgekehrt ist. Allerdings habe man die Betonformen auch mehrfach verwenden können, im Museum könnte also auch ein anderer Guss aus derselben Form stehen, meint Hellwart Jaeger.