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Eltern in Not

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Suche nach Kita-Platz in Neubrandenburg endet auf der Warteliste

Ist hier noch Platz? In vielen Neubrandenburger Kitas sind die Kapazitäten momentan so gut wie ausgeschöpft.  Symbolfoto: Bernd Wüstneck
Ist hier noch Platz? In vielen Neubrandenburger Kitas sind die Kapazitäten momentan so gut wie ausgeschöpft.
Bernd Wüstneck

Der Betreuungsschlüssel in den Kitas hat sich einer Studie zufolge bundesweit leicht verbessert. Doch die Erfahrung einer werdenden Mutter zeigt: In Neubrandenburg herrscht noch Handlungsbedarf.

Dass es in Neubrandenburg, einer Kommune, die den Titel „familienfreundlich“ trägt, so schwer ist, einen Krippenplatz zu bekommen, daran hätte sie nicht im Traum gedacht. Im Juli machte sich eine werdende Mutter aus dem Katharinenviertel auf die Suche danach.

19 Anträge später ist sie allerdings noch kein Stück weiter, aber mittlerweile um eine Erkenntnis reicher. „Eltern sind bei den Kindertageseinrichtungen Bittsteller. Und so wird man größtenteils auch behandelt“, sagt die Neubrandenburgerin. Man müsse alles offenlegen und genau erklären, warum denn ein Platz benötigt werde. Ab und zu gebe es als Antwort, dass nur Geschwisterkinder aufgenommen würden, gegenwärtig ein Aufnahmestopp bestehe oder frühestens ab 2020 ein Platz frei werde. „Jeder gibt irgendwie eine andere Auskunft, es existiert kein einheitliches System. Das ist sehr unbefriedigend und frustrierend zugleich“, heißt es von ihr.

Wenige Rückmeldungen und ein Platz auf der Warteliste, das ist die aktuelle Ausbeute ihrer monatelangen Bemühungen. Dabei drängt für das berufstätige Paar die Zeit, auch wenn erst für November 2019 ein Platz benötigt wird. „Im November ist der Geburtstermin. Sieben Wochen vorher müssen wir die Elternzeit beim Arbeitgeber beantragen. Doch wie soll das gehen, wenn noch keine Zusage da ist?“, beschreibt sie das Dilemma.

„Vergabepraxis ist eine Katastrophe”

Für die werdende Mutter steht nach alldem fest: Die ganze Vergabepraxis ist eine Katastrophe, alles andere als familienfreundlich und für Alleinerziehende kaum zu händeln. Ihre Erfahrungen decken sich mit den Erkenntnissen der jüngsten Bertelsmann-Studie „Ländermonitor frühkindliche Bildungssysteme“. Darin heißt es unter anderem, dass man von optimalen Bedingungen in der Kinderbetreuung noch weit entfernt sei.

Mit Blick auf Neubrandenburg ist jedenfalls nicht davon auszugehen, dass sich die Situation in nächster Zeit merklich aufhellen wird. Mütter wie Väter werden auch weiterhin viel Geduld mitbringen müssen, bis sie einen Betreuungsplatz für ihre Kleinen ergattern.

Zwar hat die Viertorestadt im vergangenen Jahr mit der Bauernhofkita im Jahnviertel eine weitere Einrichtung bekommen, doch das reicht bei Weitem nicht aus, wie Zahlen zur Kita-Belegung darlegen. Von den insgesamt 5211 Plätzen, verteilt auf 38 Kitas, sind momentan fast 98 Prozent belegt, ist vom Landkreis zu erfahren.

Hinzu kommt der Fachkräftemangel

Aktuell plant die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft für die Freifläche im Juri-Gagarin-Ring ein neues Gebäude, das später auch eine Kindertagesstätte enthalten soll. Bis es hier aber soweit ist, wird noch viel Wasser die Tollense runterfließen. Denn die Planung befindet sich nach wie vor im Anfangsstadium. Laut Landkreissprecherin prüfen einige Träger ebenfalls Kapazitätserweiterungen in bestehenden Einrichtungen – aber auch hier mit derzeit offenem Ergebnis.

Der Landkreis sieht dennoch keine strukturellen Engpässe. Sie seien eher temporär und örtlich, heißt es von der Sprecherin. Ein Druckfaktor, der genannt wird, seien die Kinder der einpendelnden Arbeitnehmer in die Stadt. Zur Entlastung für die Stadt plane der Kreis Erweiterungsmaßnahmen im Umland.

Zu all dem gesellt sich noch der Fachkräftemangel. In vielen Kindereinrichtungen ist das Personal knapp bemessen. Laut Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit werden für die Viertorestadt derzeit neun Erzieher gesucht. Der Landkreis versucht, diesem etwas entgegenzuwirken, indem er zum Beispiel Ausnahmegenehmigungen für Nichtfachkräfte erteilt – nach Einzelfallprüfung.