CORONA-KRISE

▶ Tafeln an der Seenplatte gehen Lebensmittel und Mitarbeiter aus

Die Tafeln in der Region haben die Krise mit als Erste zu spüren bekommen – und damit auch viele Menschen, für die das Angebot eine wichtige Stütze im Leben ist.
Mit viel Engagement halten die Ehrenamtlichen die Lebensmittelausgabe für Bedürftige am Laufen. Fast täglich ga
Mit viel Engagement halten die Ehrenamtlichen die Lebensmittelausgabe für Bedürftige am Laufen. Fast täglich gab es zuletzt neue Auflagen für ihre Arbeit. Tim Prahle
Selbst ist die Frau: Das gilt bei der Tafel häufig auch für den inzwischen vorgeschriebenen Mundschutz.
Selbst ist die Frau: Das gilt bei der Tafel häufig auch für den inzwischen vorgeschriebenen Mundschutz. Tim Prahle
In der Warteschöange vor der Tafel gilt: zwei Meter Abstand halten. Die meisten halten sich dran.
In der Warteschöange vor der Tafel gilt: zwei Meter Abstand halten. Die meisten halten sich dran. Tim Prahle
Der Landesvorsitzende der Tafel, Frank Münzberger, hebt das Engagement der Ehrenamtlichen hevor.
Der Landesvorsitzende der Tafel, Frank Münzberger, hebt das Engagement der Ehrenamtlichen hevor. Tim Prahle
Neubrandenburg.

Ein Aufsteller vor dem Eingang verrät es in vier Sprachen: „Einzelabfertigung“ und „Abstand halten“ ist dort auf Deutsch, Englisch, Russisch und Arabisch festgehalten. Für den zweiten Hinweis sind vor dem Eingang im Abstand von zwei Metern gelbe Markierungen angebracht. Es sind nur zwei von mehreren Maßnahmen, die die größte Tafel der Region in Neubrandenburg in Zeiten der Corona-Pandemie umsetzt. „Wir tun alles, um weiter geöffnet zu bleiben“, sagt Leiterin Dorothee Nitsch und unterstreicht das mit klaren Ansagen an die Mitarbeiter und Bedürftigen.

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Dabei müssen auch die Tafeln zwischen Teterow, Demmin und Neustrelitz auf täglich neue Vorgaben reagieren – mit weitaus begrenzteren Mitteln, als die großen Supermarktketten. Reichte vergangene Woche noch der Abstand zwischen Mitarbeitern und Kunden, kamen am Montag ein mit Frischhaltefolie gebastelter Spuckschutz und Mundschutz-Masken für die Mitarbeiter dazu. Mit Gummiband und Haushaltspapier fertigen die Mitarbeiter sie provisorisch zu ihrem eigenen Schutz an, einige „echte“ sind auch im Umlauf, stammen aus den privaten Beständen der Ehrenamtlichen.

Deren Engagement kann der Landesvorsitzende Frank Münzberger kaum genug würdigen. Immerhin versorgen die Tafeln über 20.000 Menschen aus einkommensschwachen Haushalten im Land, allein in Neubrandenburg sind über 2000 Bürger gemeldet. Landesweit sind allerdings derzeit 5 der 28 Tafeln geschlossen, erzählt er. Bundesweit sei es über ein Drittel.

Eingeschränkte Zeiten und knappe Bestände

„Etwas zuzumachen geht immer schnell, etwas wieder aufzumachen ist schwierig“, kommentiert Münzberger. Große Rücklagen habe der Verband ohnehin nicht, noch hält zudem die Unterstützung größerer Sponsoren. So sind in der Region fast alle Haupt-Standorte noch geöffnet. Neustrelitz, Waren, Demmin, Malchin und Teterow. Für die Schließungen andernorts war meist das Alter der Ehrenamtlichen, die selbst häufig zur Risikogruppe gehören, entscheidend. Auch bei der Tafel in Neubrandenburg seien gerade die Einheimischen nicht mehr alle blutjung, sagt Dorothee Nitsch. „Aber niemand will die Lebensmittel wegschmeißen“, fügt sie an. Und die Unterstützung der ausländischen Mitbürger helfe auch sehr.

Ein weiterer Beleg, dass die Tafel-Familie zusammenhält: Zwei Mitarbeiter kommen über Maßnahmen des Jobcenters, sogenannte „Ein-Euro-Jobber“. „Das waren auch schon mal sechs“, sagt Nitsch. Dieser personelle Verlust sei durch Freiwillige abgefangen worden. Und selbst die beiden, die noch da sind, dürfen aktuell vom Jobcenter aus gar nicht mehr helfen. „Sie sind freiwillig und ohne Lohn da“, so die Tafelleiterin. So können die Neubrandenburger auf einen Stamm von gut 40 Freiwilligen blicken. Statt zwei Mal am Tag ist die Tafel nun durchgängig am Montag, Mittwoch und Freitag geöffnet.

Toilettenpapier war hier schon immer knapp

„Niemand will sich unterkriegen lassen“, sagt der Landesvorsitzende stolz. Einen leichten Waren-Rückgang, gerade bei Obst und Milchprodukten, stellt Münzberger schon fest. Doch noch komme zumindest an den größeren Standorten von den großen Ketten genug. Andernorts, wie in Malchin oder auch Teterow war die Lage bereits vergangene Woche angespannt. Doch auch dort halten die Tafeln sich über Wasser. Toilettenpapier oder lang haltbare Produkte wie Nudeln hätten die Ausgabestellen landesweit auch vor Corona selten bekommen.

Einschränkungen sind trotz allen Engagements zu spüren: Neubrandenburg hat seine Ausgabestellen in Burg Stargard, Woldegk und Teschendorf bereits zugemacht. Die Tafel Altentreptow mit der Volkssolidarität als Träger schließt ebenfalls. Ausschlaggebend sei das am Sonntag beschlossene Kontaktverbot, sagt Thoralf Gehrke, Chef der örtlichen Volkssolidarität. Aber: „Wir schauen von Woche zu Woche.“ Die wohl kleinste Tafel der Region in Friedland hat zumindest die Warenausgabe komplett geschlossen. „Es ist teilweise zu wenig aus den Märkten gekommen“, sagt Leiterin Christel Preininger. Hunger leiden müsse aber niemand. „Bei persönlichen Notfällen können mich alle anrufen, ein bisschen Reserve haben wir noch eingefroren“, sagt die Friedländer Tafelleiterin. Außerdem würden weiter jeden Tag Lebensmittel abgeholt und unter anderem mittwochs im Asylbewerberheim verteilt. Preininger erzählt, sie habe gerade erst alte Bettlaken gewaschen. Eine Friedländerin hatte sich bereit erklärt, aus ihnen weitere Mundschutzmasken zu nähen. „Schützen wollen wir uns ja auch“, betont sie. Aber auf jeden Fall auch weitermachen. Irgendwie, mit allen Mitteln.

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Kommentare (1)

Da brauch sich Die Regierung nicht wundern wenn es dann Tote aufgrund von Hunger gibt. Jetzt bricht alles zusammen was nicht ordentlich ausfinanziert wird. Sondern lieber auf die Gesellschaft und deren Spenden Bereitschaft abgewälzt wird. Aber für die Großkonzern ist ja immer Geld da. Für den kleine bleibt nur dann Lebensmittel zu stehlen übrig. Von 150,00€ sind die Markenprodukte die man im moment nur bekommt nicht drin.