In Dewitz bei Burg Stargard soll ein Kampfjet des Typs „Tornado“ besonders niedrig unterwegs gewesen sein. Anwohne
In Dewitz bei Burg Stargard soll ein Kampfjet des Typs „Tornado“ besonders niedrig unterwegs gewesen sein. Anwohner fürchteten gar um die eigenen Dächer. Carsten Rehder/Kai Horstmann (Montage)
Bundeswehr-Übungen

Tiefflug knapp über Dächer macht Einwohner wütend

Ein sehr niedrig fliegender Kampfjet schockte jüngst Einwohner bei Neubrandenburg. Die Bundeswehr prüft den Vorfall noch mal. Und gibt erst mal zu, dass in der Luft mehr los ist.
Neubrandenburg Dewitz

Der Schock sitzt auch Tage später noch tief. An einem bis dato schönen Sommertag riss ein „irrer Lärm“ den Dewitzer Udo Ehling aus der nachmittäglichen Ruhe. Ein Kampfjet des Typs Tornado donnerte über sein Haus im kleinen Ort Dewitz bei Burg Stargard. Die Maschine sei derart niedrig geflogen, „dass ich annehmen musste, entweder ist der Pilot wahnsinnig oder gleich geschieht etwas Schreckliches und er bohrt sich in die umliegenden Felder“, beschreibt Udo Ehlig das Erlebnis.

„Ich dachte, der reißt die Dachziegel runter”

Bei der Tagesmutter nebenan seien die Kleinkinder erwacht, er selbst wählte zunächst den Notruf. Auch eine ältere Nachbarin habe sich fassungslos gezeigt: „Ich dachte, der reißt mir die Dachziegel runter“, soll sie laut Ehlig gesagt haben.

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Ein solch niedriges Fliegen über bewohnten Ortschaften sei verantwortungslos, bei allem Verständnis für Übungsflüge in einer angespannten weltpolitischen Lage, betont der Dewitzer. Seiner Meinung nach dürften es in diesem Fall nicht einmal 100 Meter gewesen sein, die der Kampfjet über Dewitz flog.

Mindesthöhe darf nicht unterschritten werden

Das wäre tatsächlich verboten. Nach Angaben des Luftfahrtamtes der Bundeswehr darf selbst in dünnbesiedelten Gegenden „nach vorheriger Anmeldung in wenigen, aber unverzichtbaren, festgelegten Ausnahmen“ eine Mindesthöhe von 150 Metern nicht unterschritten werden. Ohne Ausnahmegenehmigung müsse der militärische Tiefflugbetrieb von Kampfflugzeugen gar in mindestens 300 Metern Höhe stattfinden.

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Aufgrund der Nordkurier-Anfrage schaute sich das Luftfahrtamt die Radardaten vom 26. Juli noch einmal an. Demnach überflog der Tornado „die Ortschaft Dewitz um 15.06 Uhr Ortszeit von Südwest nach Nordost“ in einer Höhe von circa 170 Metern. Das Ganze habe „regelkonform gemäß der Tieffluganmeldung und unter Beachtung der geltenden flugbetrieblichen Bestimmungen“ stattgefunden, teilt das Amt mit.

Der Grund für mehr Flugbewegungen über der Seenplatte

Generell fiel die Vielzahl an Kampfjets in diesem Sommer in der Seenplatte auf. Selbst wenn sie die Region lediglich in großer Höhe überflogen. Das hat seine Gründe: Allein in Laage beim Taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ starteten im Juli bis zu 15 Maschinen täglich, wie es von dort auf Anfrage hieß. „Das dürften doppelt so viele sein wie üblich“, sagte ein Sprecher der Luftwaffe. Denn seit Januar „gastiert“ das Geschwader 71 „Richthofen“ mit 19 Flugzeugen ebenfalls in Laage.

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Normal ist es im ostfriesischen Wittmund stationiert, einer von zwei deutschen Standorten, an denen die Luftwaffe Alarmrotten betreibt. Von hier aus würden bei Luftraumverletzung je zwei Eurofighter als Abfangjäger losgeschickt. Eine Aufgabe die nun vorerst von Laage aus übernommen wird, in Wittmund sollen Start- und Landebahn bis Ende 2024 saniert werden. Doppelt so viele Starts in Laage seien aber nicht gleichbedeutend mit doppelt so vielen Übungsflügen in der Region, führt ein Sprecher der Luftwaffe aus. Denn die Übungsflüge könnten in der ganzen Republik stattfinden.

Wo kann man sich beschweren?

Zudem werde für den August ohnehin ein Rückgang der „Missions“ (Start und Landung) erwartet. Vier „friesische“ Maschinen waren jüngst nach Estland an die Ostgrenze der Nato geschickt worden. Dennoch appelliert der Sprecher der Luftwaffe: „Wir haben gemeinsam wichtige Aufträge (Sicherheit im Luftraum; Ausbildung), deshalb ist stetes Üben wichtig. Nur so gewährleisten wir auch die Flugsicherheit, die alle zurecht von uns erwarten.“

Unter der kostenfreien Rufnummer 0800 8620730 können sich Bürger mit ihren Sorgen, Wünschen oder Beschwerden direkt an das Luftfahrtamt der Bundeswehr wenden. Als zentrale Ansprechstelle stehe das Bürgertelefon von Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 17 Uhr, freitags zwischen 8 und 12.30 Uhr zu Verfügung.

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