ÄRGER IN ALTENHAGEN

Tom und Toni-Nicki dürfen nicht mehr in ihre Kita

Weil sich die Eltern über Missstände in der Kita beklagt haben, sind zwei Kinder dort nicht mehr erwünscht. Die Mutter hat Hausverbot, der Betreuungsvertrag wurde gekündigt.
Marcel May Marcel May
Anne Jachtner vor der Kita Zwergenhaus in Altenhagen. Auf das Grundstück darf sie nicht mehr. Bis zum 31. Januar soll sie einen Termin mit der Leitung ausmachen, um persönliche Sachen abzuholen.
Anne Jachtner vor der Kita Zwergenhaus in Altenhagen. Auf das Grundstück darf sie nicht mehr. Bis zum 31. Januar soll sie einen Termin mit der Leitung ausmachen, um persönliche Sachen abzuholen. Marcel May
Altenhagen.

Anne Jachnter kann es nicht fassen. Gerade flatterte ihr die Kündigung für die Betreuungsverträge ihrer Kinder ins Haus. Tom und Toni-Nicki (3 und 4 Jahre) dürfen nicht mehr in die Kita Zwergenhaus in Altenhagen. Die Mutter auch nicht: Sie hat Hausverbot.

Wie kann das passieren? Was hat die Atmosphäre zwischen Kita-Leitung und Eltern so vergiftet? Denn auch andere Mütter und Väter sprechen von hygienischen Missständen in der Kita, von schlechtem Frühstück, mangelnder Betreuung, unzureichender Förderung. Sie wollen aber anonym bleiben, aus Angst vor weiteren Kündigungen.

Vor allem mit der neuen Kita-Leiterin Kathrin Meckel gebe es Probleme. In einem Schreiben an die Eltern schlägt die Leiterin vor, den Elternbeirat neu zu wählen. Das Vertrauensverhältnis sei gestört. Norbert Dawel, Bereichsleiter Nord des Trägerverbands JUL, relativiert: „Wir haben eine junge Leiterin. Jeder muss Zeit bekommen, sich zu verbessern.“ Anne Jachtners Kündigung sei die erste in sieben Jahren.

"Die Toiletten waren verschmutzt, es gab oft keine Handseife"

Die junge Mutter rekonstruiert die Ereignisse, die dazu geführt haben. Immer wieder hatte sie sich über die Kita beschwert. Beim Träger­verband JUL, beim Gesundheitsamt, beim Jugendamt. Sie wurde auf Mängel aufmerksam, als sie und ihr Mann im Sommer beim ­Kita-Umbau mithalfen. „Die Toiletten waren verschmutzt, es gab oft keine Handseife. Der Fußboden in der Sauna war verschimmelt.“

Aber es gibt noch weitere Vorwürfe gegen die Zustände in der Kinderbetreuung. „Die Er­zieher gehen mit den Kindern nicht spazieren, machen keinen Vorschulunterricht. Sie reden laut oder schreien sogar“, sagt eine Mutter. Ihr Sohn könne nachts schlecht schlafen. Habe Angst, sei unruhig. „Uns sagt man, unsere Kinder seien verhaltens­auffällig“, erzählt eine andere weiter. „Man bezeichnet uns als gelangweilte Hartz-IV-Empfänger, die zu viel Zeit haben.“ Die Kita sei als „Hartz-IV-Garten“ verunglimpft worden.

"Beleidigender Ton der Eltern"

JUL-Bereichsleiter Norbert Dawel stört vor allem der ­beleidigende Ton, den manche Eltern gegenüber Erziehern und Leitung verwenden. Derzeit wird geprüft, ob für Kinder mit Entwicklungs­störungen eine Heilerzieherin eingesetzt werden soll.

Die Situation schaukelte sich immer weiter hoch. Ein gemeinsames Schreiben einiger Eltern führte zur Kündigung von Anne Jachtner. „Wir beobachteten, wie die Leiterin aus der Kita hinausging. Die Kinder waren unbeaufsichtigt, konnten auf die Tische klettern“, sagt eine Mutter. Anne Jachtner spähte durchs Fenster, schoss „Beweisfotos“, leitete sie ans Jugendamt weiter. Am Tag darauf der Beschluss von JUL: Tom und Toni-Nicki Jachtner müssen zu Hause bleiben. „Auf das Schreiben der Eltern werden wir noch reagieren“, sagt Norbert Dawel. Im Moment scheinen die Fronten ver­härtet. „Der Sachverhalt Jachtner ist für uns abgeschlossen“, sagt Norbert Dawel. „Wir wollen zu einer sachlichen Diskussion zurück. Dazu müssen aber auch die Eltern einen Schritt auf uns zu machen.“

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Kommentare (1)

Es gibt scheinbar keinen Vertrag in D der einfacher gekündigt werden kann als ein KITAplatz. Vielen Dank an die Politik und an diejenigen die das hochherrschaftlich ausnutzen.
Kritik und Problemlösungen sollten doch wohl erlaubt sein und das dabei auch mal das eine oder andere unanständige Wort fällt ist bei dem Thema doch normal. Und das für den Herrn Dawel das Thema abgeschlossen ist. Da fehlen mir wirklich die Worte.
Nun ja dann gammelt die KITA wohl weiter vor sich hin und es ändert sich nichts, da niemand den Schneid hat auf Besserung zu pochen, weil er Angst vor Kündigung hat.

Kinderfreundlichen Deutschland - schönen Dank auch.