VERMEINTLICHER TRAUERZUG

Schwanen-Drama in Neubrandenburg wirft Fragen auf

Im Oberbach von Neubrandenburg schienen Schwäne einen toten Artgenossen zu begleiten. Fachleute gehen aber nicht von einem Trauerzug aus - im Gegenteil.
Anke Brauns Anke Brauns
Familie komplett: Alle sieben Jungen vom vergangenen Jahr und die Altvögel sind gesund und munter.
Familie komplett: Alle sieben Jungen vom vergangenen Jahr und die Altvögel sind gesund und munter. Klaus-Jürgen Donner
Neubrandenburg.

In der Nähe der Oberbachbrücke in Neubrandenburg beobachteten Heike Eckert eine Schwanenfamilie mit ihren Kindern und noch etwas Weißes, das sie zunächst für eine Plastiktüte hielten. „Der Vater setzte sich immer wieder darauf und zerrte etwas nach oben. Die Mutter unterstützte ihn nur zu Beginn. Nach einer Weile war die Schwanenfamilie dann auf Höhe der Brücke zurück. Und da sahen wir, dass es leider keine Tüte, sondern ein toter Schwan war. Heike Eckert fragte sich, ob der „Verstorbene“ zur Familie gehörte und sozusagen Trauerbegleitung hatte.

Das hält Klaus-Jürgen Donner eher für unwahrscheinlich. Der Leiter der Neubrandenburger Fachgruppe Ornithologie hat sich gleich auf die Socken gemacht, den toten Schwan zwar nicht mehr gefunden, aber sich zumindest davon überzeugt, dass die Neubrandenburger Schwanenfamilie gesund und munter ist.

Schwäne verteidigen Revier

Woher der tote Schwan kam, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Im Winter halten sich am Tollensesee auch Durchzügler auf, sagt Donner. Zudem habe es auch im Sommer am nördlichen Teil des Sees ein Schwanenpaar gegeben, das aber nicht brütete und immer wieder von der angestammten Familie vertrieben wurde. Denn in der Verteidigung des eigenen Reviers seien Schwäne konsequent.

Selbst wenn der Schwanenvater am Augustabad schwimme und ein anderer Schwan lasse sich in Broda auf dem Wasser nieder, „dann schwimmt er hin und vertreibt ihn“, so Klaus-Jürgen Donner. Und wenn der Konkurrent nicht freiwillig weiche, dann werde er auch durchaus attackiert.

Schwanen-Dramen auch in den Vorjahren

Deshalb ist das Herumzupfen an dem toten Schwan wohl auch keine Geste der Trauer, sondern eher des Angriffs. Nach Ansicht des Ornithologen ist es sogar möglich, dass die Alt-Schwäne den fremden Schwan getötet haben. Aber genauso gut könne er aus anderer Ursache gestorben sein.

Schön für die Neubrandenburger jedenfalls, dass „unsere“ Schwäne alle wohlauf sind. So viel Glück wie mit diesem Nachwuchs hat das Schwanenpaar schließlich nicht immer. Von den acht im Jahr 2016 geborenen Jungen waren beispielsweise zwei auf der Strecke geblieben, eins war mit dem Kopf zwischen Buhnen stecken geblieben und verendet. Auch in den Jahren zuvor gab es Schwanen-Dramen, zum Beispiel als sich Tiere in Angelsehnen verhedderten oder an der Wasserskianlage verletzten.

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