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Trafo-Transport: Investoren übergehen Gemeinde

Damit der Schwerlaster durchkommt, mussten viele Äste zwischen Grapzow und Kessin weichen, die geschreddert wurden. [KT_CREDIT] FOTO: AB

VonAnke BraunsKeine Genehmigung für den Baumschnitt und keine für den Schwerlasttransport – in der Gemeinde Grapzow ist man entrüstet über das Vorgehen ...

VonAnke Brauns

Keine Genehmigung für den Baumschnitt und keine für den Schwerlasttransport – in der Gemeinde Grapzow ist man entrüstet über das Vorgehen eines Windanlagen-Herstellers.

Grapzow.„Das ist Raubrittertum.“ Grapzows Bürgermeister Frank Weinreich (WGLR) staunte nicht schlecht, als er von der Arbeit nach Hause fuhr und sah, wie eine Firma an der Gemeindestraße zwischen Grapzow und Kessin gemeindeeigene Bäume schnitt, ohne dass er davon wusste. Wie seine Nachfrage beim Amt Treptower Tollensewinkel und bei der unteren Naturschutzbehörde des Kreises ergab, wusste man auch dort nichts davon. Hintergrund ist ein Schwerlasttransport, der in der vergangenen Nacht durch die Gemeinde rollen sollte. Es handelt sich um einen Trafo für das neue Umspannwerk bei Kessin, das für den Windpark errichtet wird. Dafür ist in mindestens 40 Bäumen ein Lichtraumprofil geschnitten worden, so dass der sechs Meter hohe Transport passieren kann.
Der Baumschnitt ist sogar eine naturschutzfachliche Auflage, damit der rollende Riese keine Schäden an den Straßenbäumen anrichtet. Nur genehmigt ist er laut Landkreis nicht. Der Naturschutzbehörde sei zwar bekannt, dass ein Schwerlasttransport stattfinden soll, so der Kreis. Aber nur für die Trasse von der Kreisgrenze aus Vorpommern-Greifswald kommend bis zur A 20-Anschlussstelle Altentreptow sei eine Naturschutzgenehmigung beantragt und genehmigt worden. Dort ende der metergenaue Trassenverlauf. Bis zum Umspannwerk fehlen dann aber noch ein paar Kilometer. „Weiterführende Schnittmaßnahmen an der Strecke zwischen Grapzow und Kessin sind der Naturschutzbehörde nicht vorab angezeigt worden“, so die Pressestelle.
Dem widerspricht Felix Rehwald, Pressesprecher des Windanlagen-Herstellers Enercon, der das Umspannwerk baut. „Die Transportgenehmigung für den Trafo liegt vor. Nach Auskunft der Projektleitung unseres Auftragnehmers wurde für die Durchführung des Transports die behördliche Auflage erteilt, im Vorfeld an bestimmten Abschnitten entlang der vorgesehenen Strecke Baumschnittarbeiten durchzuführen. Dazu ist gemeinsam mit der unteren Naturschutzbehörde und einer Fachfirma für Baumschnitt eine Streckenbegehung erfolgt. Die Genehmigung für den Baumschnitt wurde von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises erteilt, die Behörden sind somit involviert“, schreibt er.
Der Gemeinde und dem Amt Tollensewinkel blieb gestern nur abzuwarten. Heute früh soll geprüft werden, ob die „Schwarzfahrt“ stattgefunden hat und Schäden entstanden sind. „An den Bäumen sind sie ja schon da“, so Rainer Prüssel vom Bauamt. Das Vorgehen sei eine „Unverschämtheit, ich kann ja auch nicht einfach auf fremde Grundstücke gehen“. Sowohl für den Baumschnitt als auch für den Transport hätte die Gemeinde ihre Zustimmung geben müssen, betont er.

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a.brauns@nordkurier.de