NEUER FRIEDHOF

Trauer in Neubrandenburg über verschwundene Engel

Auf dem Neuen Friedhof in der Oststadt ist in Mode gekommener dauerhafter Grabschmuck verschwunden. Darüber zeigt sich eine verwaiste Mutter sehr entsetzt.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Eine Urnengemeinschaftsanlage auf dem Neuen Friedhof in Neubrandenburg. Auf Anlagen dieser Art gelten besondere Bestimmungen.
Eine Urnengemeinschaftsanlage auf dem Neuen Friedhof in Neubrandenburg. Auf Anlagen dieser Art gelten besondere Bestimmungen. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Die ältere Dame ist immer noch tief bestürzt darüber, was sie auf dem Neuen Friedhof erfahren musste. Die an den Rollstuhl gefesselte Elisabeth R. (Name der Redaktion bekannt) besucht regelmäßig die Stätte des ewigen Friedens an der Oststadt – sie selbst aber hat hier ihren Frieden verloren. Denn am Urnengrab ihres Sohnes fehlten ein kleiner steinerner Engel und ein für sie besonderer Stein. Beide Utensilien standen und lagen dort, wo die Rentnerin ihren Sohn besucht. Einmal in der Woche bestimmt weilt die Frau aus dem Vogelviertel auf dem Friedhof – wenn sie jemanden hat, der sie beim Gang unterstützt. Allein ist die Angelegenheit schon ziemlich schwierig.

„Ich bin in Tränen ausgebrochen, als ich das sah“, sagt die trauernde Mutter. Und war dabei in ihrem Kummer nicht allein. Auch andere Angehörige, die Familienmitglieder und Freunde in der Urnengemeinschaftsanlage bestattet haben, zeigten sich entsetzt: Alle kleinen Grabbeigaben waren verschwunden. In der Friedhofsverwaltung, das war zu erfahren, können sich die Engel und alle anderen Trauerhilfen wieder abgeholt werden. Denn sämtliche mehr oder weniger großen Figürchen sind von Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung selbst aus der Gemeinschaftsanlage gesammelt worden.

Es gelten gemeinschaftliche Regeln

Das war völlig rechtens, ist aus dem Rathaus zu erfahren. Denn wer sich als letzte Ruhestätte für eine Gemeinschaftsanlage entschließt, muss sich an bestimmte Gepflogenheiten halten. „Darüber werden auch alle informiert. Entweder von der Friedhofsverwaltung selbst oder dem Bestattungshaus“, so eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Quintessenz der Belehrung: Diese Gräber werden von den Mitarbeitern gepflegt und Angehörige müssen sich an gemeinschaftliche Regeln halten. Ein Blumenstrauß ist hier gestattet, aber das Grab darf nicht bepflanzt werden. „Auch Gestecke am Totensonntag beispielsweise sind möglich“, so die Auskunft weiter. Deko-Elemente aber sortieren die Mitarbeiter auf dem Friedhof einmal im Quartal aus und räumen die weg. In der Friedhofsverwaltung werden diese Sachen für ein Vierteljahr eingelagert und können dort abgeholt werden. Seit 2013 werde dies so gehandhabt, heißt es weiter, um dem Ansinnen nach einer gemeinschaftlich gut gestalteten und würdevollen Gemeinschaftsgrabanlage gerecht zu werden. Als Alternative bestehe für die Hinterbliebenen die Wahl einer Urnengrabstelle. „Die wiederum individuell gestaltet werden darf“, so die Sprecherin weiter.

Dies zu erfahren, lindert noch nicht die Trauer der Elisabeth K. aus dem Neubrandenburger Vogelviertel. Denn weil sie wohl „zu spät“ in der Friedhofsverwaltung auftauchte, um sich ihren Engel und ihren beschrifteten Stein abzuholen, waren beide Trauer-Hilfen schon verschwunden. „Die hat sich jemand anders eingesteckt“, ist sich die Rentnerin sicher und nun wütend statt traurig. Wer mache denn so was, schüttelt sie mit dem Kopf und unterbreitet den Friedhofsgärtnern einen Vorschlag: Wenn die künftig etwas entfernen, sollte an die Engel, Schwäne und Co. der Name der Grabstelle geheftet werden. Und die kleinen Tröster dann nur an die Angehörigen wieder herausgeben werden. Damit zur alten Trauer nicht immer wieder neue dazukommt.

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