Als Stadtplaner hat Lutz Braun viele Bauprojekte und ganze Städte der Region geprägt.
Als Stadtplaner hat Lutz Braun viele Bauprojekte und ganze Städte der Region geprägt. Jörg Foetzke/NK-Archiv
Penzlin sei eine Perle, die auch baulich ein gutes Stück ihrer Geschichte habe bewahren können, so Braun 2015 im Nordkurier-Interview.
Penzlin sei eine Perle, die auch baulich ein gutes Stück ihrer Geschichte habe bewahren können, so Braun 2015 im Nordkurier-Interview. M. Jacobs/NK-Archiv
Das neue innerstädtische Quartier in Neubrandenburg an der 2. Ringstraße ist mit Brauns Namen als Mitinitiator verbunden.
Das neue innerstädtische Quartier in Neubrandenburg an der 2. Ringstraße ist mit Brauns Namen als Mitinitiator verbunden. Jörg Franze
Braun habe dazu beigetragen, dass die Stadt Woldegk „wieder ein Gesicht bekommt“, sagt Bürgermeister Jür
Braun habe dazu beigetragen, dass die Stadt Woldegk „wieder ein Gesicht bekommt“, sagt Bürgermeister Jürgen Lode. M. Schütt
Anklam hat große Pläne für die Stadtentwicklung an der Peene, die Lutz Braun maßgeblich mit initiiert un
Anklam hat große Pläne für die Stadtentwicklung an der Peene, die Lutz Braun maßgeblich mit initiiert und angeschoben hat. Anne-Marie Maaß
Ueckermünde war für den Stadtplaner Lutz Braun ein „Paradebeispiel in Sachen Stadt- und Tourismusentwicklung&l
Ueckermünde war für den Stadtplaner Lutz Braun ein „Paradebeispiel in Sachen Stadt- und Tourismusentwicklung“. W. Graupner
Nachruf

Trauer und Anteilnahme – ein Architekt, der die Region prägte

Lutz Braun hat als Stadtplaner in der Region vieles bewegt. In diesen Tagen kreisen viele Gedanken um den Neubrandenburger, der im Alter von 61 Jahren überraschend verstorben ist.
Neubrandenburg

Schock, Trauer und tief empfundenes Beileid: Egal, ob man in Neubrandenburg, Penzlin, Woldegk oder weiteren Orten Menschen befragt, die Lutz Braun kannten und mit ihm beruflich oder auch privat zu tun hatten – die Reaktionen gleichen sich. Dabei war der Mann mit der markanten Glatze niemand, der die Öffentlichkeit suchte oder gern im Mittelpunkt stand. Aber er hat Spuren hinterlassen und die Region geprägt: Als Architekt und Stadtplaner für viele Städte zwischen Oderhaff und Müritz. Einen Ruf erarbeitete sich Braun schon seit den 90er-Jahren unter anderem mit Bauprojekten in Penzlin, wo er 2006 auch als städtischer Rahmenplaner beauftragt wurde.

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Tragischer Todesfall im Urlaub

Ende August wäre der gebürtige Torgelower 62 Jahre alt geworden. Doch er wird diesen Geburtstag nicht mehr feiern können. Vor wenigen Tagen ist Lutz Braun im Urlaub in Portugal gestorben. Noch immer sind nicht alle Formalitäten geklärt, deshalb zeigten sich alle angefragten Bürgermeister, Architekten-Kollegen und Weggefährten auch mit Recht zurückhaltend, über jemanden zu sprechen, dessen Beerdigung noch bevorsteht. Aber die Leistung und das Leben des Mitgestalters der ganzen Region zu würdigen, fiel niemandem schwer. Denn wen man auch fragte, Braun wurde stets als angenehmer Zeitgenosse und Gesprächspartner sowie sach- und fachkundiger Planer beschrieben.

Viele neue Projekte standen gerade erst am Anfang

15 Jahre lang war Braun zum Beispiel als Rahmenplaner für die Geburtsstadt Otto Lilienthals tätig. Vieles, was an Anklams Innenstadtumbau gelobt werde und zuletzt sogar bundesweite Aufmerksamkeit erfahren habe, trage eindeutig die Handschrift von Lutz Braun, sagt Bürgermeister Michael Galander anerkennend.

Der gemeinsame Weg von Anklam und Lutz Braun war längst nicht beendet. Gerade erst wurde der Masterplan für das Peeneufer verabschiedet, die Umsetzung der neuen Wohnungsmarktstrategie für die Anklamer Südstadt steht noch aus und die Bauarbeiten am nächsten Abschnitt der Stadtmauersanierung haben gerade erst begonnen. All dies muss jetzt ohne den Ideengeber und „Anschubser“ passieren. „Wir sind schockiert und sehr traurig“, spricht Bürgermeister Galander sein Mitgefühl aus.

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Engagiert für die ländlichen Räume

„Fachlich wie auch menschlich hinterlässt Lutz Braun eine Lücke in unseren Reihen“, zeigt sich auch Joachim Brenncke tief betroffen, von 1991 bis 2019 Präsident der Architektenkammer des Landes, in der Braun mehrere Jahre als Vize-Präsident wirkte. Brenncke würdigt seinen Wegbegleiter als „engagierten Vordenker und Akteur, dem die Zukunft der ländlichen Räume in Mecklenburg-Vorpommern am Herzen lag“.

„Man kann nur mit Demut auf das schauen, was er geschaffen hat“, sagt Woldegks Bürgermeister Ernst-Jürgen Lode (SPD). Als Rahmenplaner habe Lutz Braun unmittelbar an der Wohnungsmarktstrategie für die Windmühlenstadt und das Amt Woldegk gearbeitet. „Er war offen für andere Meinungen und vertrat zugleich eine klare Linie“, sagt das Stadtoberhaupt. Braun habe dazu beigetragen, dass die Stadt „wieder ein Gesicht bekam“, zum Beispiel mit der Gestaltung des Marktes oder der Einbindung des 2014 eröffneten Gesundheitshauses. Zudem würdigt Lode den Einsatz des Architekten bei der Städtebauförderung, deren Geldgeber „von der Sinnhaftigkeit von Maßnahmen nicht immer leicht zu überzeugen“ seien. „Es wird eine Herausforderung, jemanden zu finden, der Lutz Brauns Arbeit fortsetzen kann“, ist sich Lode sicher.

An der Hochschule Neubrandenburg hat die Nachricht von Brauns Tod ebenfalls tiefe Betroffenheit ausgelöst, berichtet Rektor Professor Gerd Teschke. Als Mitglied des Hochschulfördervereins habe Braun sich viele Jahre lang leidenschaftlich für die Entwicklung der Bildungsstätte und die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Neubrandenburg und der Hochschule engagiert. Mit seiner fachlichen Kompetenz wirkte er etwa als Juror bei der Bewertung eingereichter Bachelor-Arbeiten mit. Zudem würdigt Teschke die große menschliche Nähe zu einem zurückhaltenden und bescheidenen Menschen, der sich nie in den Vordergrund spielte, sich jedoch „in allen Belangen zu 100 Prozent“ einbrachte.

Langjähriger Weggefährte „vom Schicksalsschlag mitgenommen“

Brauns langjährigen Weggefährten Torsten Viebke hat „der Schicksalsschlag sehr mitgenommen. Ich fühle mit seinen unvollendeten Projekten, mit seinen Mitarbeitern“, sagt der Neubrandenburger, der mit Lutz Braun seit den 90er Jahren zusammengearbeitet hatte. 2005 gründeten beide die „Architekturfabrik“ auf dem Gelände des einstigen Reparaturwerks Neubrandenburg (RWN).

Während Stadtplanung oft als „Klötzerstellen“ interpretiert werde, habe Lutz Braun Lebensräume gestaltet. Zudem sei er ein angenehmer Partner gewesen: „Er hatte ein Händchen dafür, Veranstaltungen zu moderieren, und verstand es, mit Visionen zu begeistern.“ Jedoch hätten Braun und er auch die Erfahrung gemacht, „dass Visionen polarisieren – zwischen allen Beteiligten, in den Behörden, der Politik und der Verwaltung“ – wodurch letztlich Entwicklungen gehemmt würden.

Viele Spuren des Wirkens in der ganzen Region

Auch Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt weiß, wie groß der Verlust für die ganze Region und die Vier-Tore-Stadt im Besonderen ist. „Lutz Braun wird unserer Stadt sehr fehlen. Er hat seit 30 Jahren maßgeblich die städtebauliche Entwicklung Neubrandenburgs begleitet und wertvolle Impulse gegeben. Seine menschliche und stets achtsame Art haben die Zusammenarbeit geprägt. Lutz Braun hat sich zudem weit über das gewohnte Maß hinaus engagiert – in Vereinen, Stiftungen und Verbänden“, hebt Witt hervor und fügt hinzu, dass er selbst auch einen aufrichtigen Freund verliere.

Gerade in Neubrandenburg sei das Wirken des Stadtplaners besonders gut zu erkennen, betont Thomas Riemer, der als ehemaliger Chef der Kommunalen Entwicklungsgesellschaft (KEG) Neubrandenburg und später an der Spitze der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft Anklam (GWA) Jahrzehnte mit Braun zusammenarbeitete und gut befreundet war. „Er hat es immer verstanden, die Menschen mitzunehmen“, würdigt Riemer. Der Architekt sei dabei immer bescheiden und zurückhaltend geblieben, habe selbst die oft verpönten Plattenbauten und andere Missgriffe der DDR-Architektur nicht pauschal verteufelt, sondern alle Lösungen im Kontext ihrer Zeit betrachtet. Neue Wohngebiete in Neubrandenburgs Innenstadt wie an der Pfaffenstraße oder zwischen Krämer- und Dümperstraße trügen ebenso maßgeblich seine Handschrift wie die Neugestaltung des Eingangs und anderer Bereiche im Kulturpark. Auch in vielen anderen Städten wie Neustrelitz oder Eggesin seien Lösung für stadtplanerische Probleme auf immer mit dem Namen Lutz Braun verbunden. „Die Lücke, die er hinterlässt, ist riesengroß“, bedauert Riemer.

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