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Wegen Antisemitismus

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Turnvater Jahn als Namenspatron in Gefahr

In Neubrandenburg sind unter anderem das Jahnsportforum und die Jahnstraße (wo auch eine Büste steht) nach dem "Turnvater" benannt.
In Neubrandenburg sind unter anderem das Jahnsportforum und die Jahnstraße (wo auch eine Büste steht) nach dem „Turnvater” benannt.
Heiko Brosin / Gabriel Kords (Kombo)

In Berlin geht es einer nach Friedrich Ludwig Jahn benannten Sportstätte an den Kragen. Droht dieses Schicksal bald auch dem Jahnsportforum? Stimmen Sie bei uns ab!

Nach Ernst-Moritz Arndt, der nicht mehr offizieller Namenspatron der Uni Greifswald sein darf. könnte es nun auch Friedrich-Ludwig Jahn an den Kragen gehen. In Berlin-Pankow soll Medienberichten zufolge der nach Jahn benannte Sportpark umbenannt werden. Die Anlage soll umgebaut und in einen „Inklusionssportpark” verwandelt werden, so ein Medienbericht. Das passe nicht zu Jahn, finden Bezirkspolitiker und fordern, die Gelegenheit für eine Umbenennung zu nutzen.

Grund für ihre Ablehnung Jahns ist insbesondere der Antisemitismus des „Turnvaters” (1778-1852), von dem zudem auch Franzosenhass und Nationalismus überliefert sind. Insofern ist es auf gewisse Weise folgerichtig, dass Jahn nun dasselbe Schicksal droht wie Ernst-Moritz Arndt, den die Kritiker der Uni-Patronats in Greifswalds wegen derselben problematischen Aspekte „abgesetzt” hatten.

Viele Jahn-Erinnerungen in Neubrandenburg

In Neubrandenburg gibt es diverse Erinnerungen an den unter anderem – aber nicht nur – in der NS-Zeit verehrten „Turnvater”. An der Kreuzung von Engels-Ring und der (ebenfalls nach Jahn benannten) Jahnstraße steht eine Büste, das 1996 eröffnete Jahnsportforum trägt seinen Namen, und am Tollensesee steht zu seinen Ehren der monumentale Jahn-Stein.

All das wird wohl – anders als in Berlin – vorerst auch so bleiben. Von der Stadtverwaltung, die das Jahnsportforum betreibt, hieß es auf Nordkurier-Anfrage, Pläne zur Umbenennung seien im Rathaus „derzeit nicht vorhanden.”

Was ist Ihre Meinung? Stimmen Sie hier ab:

 

 

 

 

Turnvater Jahn war Hauslehrer in Neubrandenburg

Arndt und Jahn kannten sich: Jahn wirkte um die Jahrhundertwende, wo er der Forschung zufolge auch Ernst-Moritz Arndt begegnete. Später war Jahn ebenfalls Mitglied der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, genau wie Arndt.

Jahn gilt als Begründer des Turnens und der Turnerbewegung, die in der Zeit des Vormärz eng mit der Nationalbewegung verknüpft war. Wegen seiner nationalistischen Umtriebe, die damals vor allem auf die Entstehung eines einheitlichen und freiheitlichen Deutschlands gerichtet waren, geriet er zeitweise auch in Konflikt mit der aristokratischen Herrschaft und war zeitweise auch inhaftiert. Lange zuvor hatte er, nach seinem abgebrochenen Studium in Greifswald und Göttingen, in Neubrandenburg als Hauslehrer gewirkt.

Kommentare (7)

waren die Juden nicht besonders beliebt. Die meisten Deutschen waren damals nicht gut auf sie zu sprechen. Turnvater Jahn war somit ein Normalfall. In vielen Teilen der Welt ist das heute noch so. Südamerika zum Beispiel. Ich sage es immer wieder: man darf die Vergangeheit nicht mit den Maßstäben von heute beurteilen.

Nun muss der Turnvater Jahn dran glauben, gibt es keine Judenhasser, was war denn Guttenberg für einer, und unser lieber Gott, hat der eine reine Weste ?

Falls wer noch was sucht: Fritz Reuter. Auch er kämpfte für die bürgerliche Freiheit in Deutschland und gegen die Restauration nach der französischen Fremdherrschaft (Wiederherstellung der alten politischen Zustände: Fürstentümer, Königreiche). Wäre doch gelacht, wenn man dies nicht als Makel anerkennt, zumal er dafür zwei Jahre Festungshaft absaß. Bei Friedrich Ludwig Jahn käme mehr als nur sein Name in die Tonne: da wäre das Geräteturnen. Böser Sport, von ihm erfunden!

Dass die Stadtverwaltung das Jahnsportforum betreibt, ist hanebüchen. Das JSF wird von einer GmbH betrieben, deren Gesellschafter die Stadt ist, aber nicht die Stadtverwaltung! Die Stadtverwaltung vermietet schließlich auch keine Wohnungen, versorgt uns nicht mit Strom, entsorgt nicht unsere Sch***e und verbrennt auch keine Verstorbenen.

Verantwortlich für das Jahnsportforum ist und bleibt die Stadt - ob sie diese Verantwortung nun in Form einer Tochterfirma realisiert oder nicht, spielt für die politische Debatte über das Thema doch nicht die geringste Rolle. Eine Entscheidung zur Umbenennung würde mit Sicherheit nur im Rathaus bzw. von den Stadtvertretern getroffen. Insofern glaube ich, dass man die Stadt mit Fug und Recht als Betreiberin des Jahnsportforums bezeichnen kann.

Welche Debatte findet dazu denn in Neubrandenburg statt? Sie haben ohne Not und Anlass ein Berliner Problem auf Neubrandenburg übertragen. Weiter nichts.

Dann soll das Sportforum eben Moses heiß oder nach dem ehemaligen Bürgermeister Hahn, dann bracht man nur das J umtauschen, und spart Geld