RATSHERREN SAUER

Macht die Stadt Neubrandenburg genug für ihre Hunde?

Ingo Gille und Hans-Jürgen Schwanke stinkt es gewaltig, dass es in der Stadt zu wenig Auslaufflächen gebe. Und noch schlimmer: Überall liegt Hundekot!
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Auslaufflächen für Hunde sind in Neubrandenburg rar gesät. Das ließ jetzt bei Ratsherren den Kragen platzen. Sie verlangen von der Stadt mehr Engagement.
Auslaufflächen für Hunde sind in Neubrandenburg rar gesät. Das ließ jetzt bei Ratsherren den Kragen platzen. Sie verlangen von der Stadt mehr Engagement.
Neubrandenburg.

Bei der jüngsten Stadtvertretersitzung platzte gleich zwei Ratsherren der Kragen angesichts der Hundehinterlassenschaften in Neubrandenburg. Dabei richtete sich die Empörung von SPD-Ratsherr Ingo Gille und CDU-Urgestein Hans-Jürgen Schwanke nicht gegen die Vierbeiner, sondern gegen die Stadt und die Hundehalter.

„Ich möchte heute auf ein zunehmendes Konfliktthema in unserer Stadt Neubrandenburg hinweisen und die Prüfung einer effektiven Problemlösung von der Stadtverwaltung fordern“, hob Ingo Gille zu Beginn seiner provokanten Rede an. Die Stadtverwaltung akzeptiere Hunde doch nur, „weil diese Kreaturen unserer Kommune Geld einbringen – und was für Summen“.

Gilles Schätzung nach hat die Stadt in den vergangenen vier Jahren mit der Hundesteuer knapp 1,3 Millionen Euro Einnahmen erzielt. Leider gebe die Stadt aber „nur einen äußerst geringen Anteil“ direkt für das Thema Hund aus wie etwa Kottüten.

Provokante Forderung: Verbot von großen Hunden

Jetzt sollen auch noch bisher genutzte Auslaufflächen zu Wohngebieten umfunktioniert werden, was eine weitere Reduzierung von Freilaufflächen bewirke, kritisierte Gille, der selbst Hundebesitzer ist. Damit bezog er sich auf die Schließung der Freilauffläche zwischen Reitbahnsee und Gerstenstraße, die von der Neuwoges für die Erschließung von Baugrundstücken erworben wurde.

Gille forderte von der Stadt nun eine wesentliche Verbesserung der derzeitigen Situation bei ausgeschilderten Auslaufflächen und Bademöglichkeiten für die über 3000 Hunde in der Stadt. Sollte dies nicht möglich sein, verlangt der SPD-Mann von der Verwaltung provokant drakonische Schritte: „Ein einfaches, aber striktes Verbot für die Haltung von Hunden mit einer Schulterhöhe von mehr als 40 Zentimetern.”

OB Witt setzt auf Eigenverantwortung der Bürger

Gille begründete seine Forderung damit, dass mit dem Fehlen von Freilaufflächen „Herrchen und Frauchen eine art-ungerechte Haltung vorgeschrieben“ werde. Er nahm aber auch die Halter ins Gebet. „Ich gerate oft in Wallung und Zorn, wenn ich beim Ausführen meines Hundes an unwahrscheinlich vielen Stellen den Kot anderer Hunde oder auch die gefüllten Plastetüten einfach rumliegen sehe.“

Das stinkt auch CDU-Ratsherr Schwanke gewaltig. Die Erfüllung der Pflichten durch die Hundehalter sei „dermaßen mies, dass man sich schämen muss“. Überall lägen Hundehaufen oder auch die Tüten mit den Hinterlassenschaften der Vierbeiner herum. „Muss das sein, dass meine Enkelin im Sandkasten in Hundesch** herumwühlt, nur weil andere zu faul sind, sie wegzumachen?“, erboste sich der altgediente Ratsherr.

Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos), plädiert bei diesem Thema für Eigenverantwortung der Bürger. Er finde es „faszinierend“, wie hier in Richtung Stadtverwaltung geschaut werde. „Wir können nur begrenzt eingreifen.“ Das Stadtoberhaupt warnte vor einem „Abdriften in Richtung Wohlfühlgesellschaft, wo die Kommune alles regeln muss“. Freilaufflächen nannte Witt ein wichtiges Thema. Sie könnten aber nicht in jedem Stadtteil angeboten werden.

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Kommentare (3)

Es ist immer das Gleiche. Irgendwelche Amtsträger fühlen sich unterrepräsentiert und wühlen sich mal wieder bisschen in den Vordergrund. Einen Tip an die Herren.... Nicht nur schwafeln, sondern MACHEN Bringen Sie das Thema unter die Leute und palavern Sie nicht nur unter Ihres Gleichen.... Ein Aufschrei war nicht zu hören als die Freilauffläche Gerstenstr gestrichen wurde. Da mussten erst die Hundehalter kommen, um das Thema zum Thema zu machen.... "An Ihren Taten sollt ihr Sie messen"

Wenn die natürlichen Ressourcen zu einer artgerechten Tierhaltung nicht ausreichen sollte man nicht die Stadt angreifen. Vielmehr ist es doch das egoistische Handeln vieler Hundebesitzer noch mehr Tiere in Neubauwohnungen nicht tiergerecht einzuzwängen, unabhängig von dem benötigten Umfeld. Wann schreitet mal endlich der Tierschutz ein und verbietet das Halten von Hundekälbern in Neubauwohnungen. Es ist die Unvernunft der Halter doch selbst die nur fordern, statt einer artgerechten Tierhaltung den Vorrang zu geben. Bei mir ist es so das die Hundehalterpärchen nachts um halb 12 hinter das Haus auf den ehemaligen Wäscheplatz gassi gehen, mit ihren Taschenlampen in die Schlafzimmerfenster leuchten das man denken muss Spanner laufen vor dem Haus herum, von den Hinterlassenschaften ganz zu schweigen . Dazu schreien sie auch noch den Tieren hinterher - einfach schrecklich und pervers ist das....

Nur wer sitzt an den "Hebeln der Macht". Der Mensch reagiert nur auf Verbote. Die Hoffnung auf Vernunft ist umsonst....... Von daher sollten die "hohen" Herren tätig werden. Oder ist schon wieder Wahlkampf??