Hier hat sich der Unbekannte eingenistet. Bequem auf einem Teppich liegend, hatte er von Drucker bis Kopfkissen einige Dinge v
Hier hat sich der Unbekannte eingenistet. Bequem auf einem Teppich liegend, hatte er von Drucker bis Kopfkissen einige Dinge vor Ort. Maximilian Lill
Mitbewohner wider Willen

Unbekannter im Keller ängstigt Senioren in Neubrandenburg

Immer wieder mahnen Vermieter, die Türen von Wohnblocks zu schließen und nicht jeden ins Treppenhaus zu lassen. Warum, ließ sich jüngst in der Neubrandenburg beobachten.
Neubrandenburg

Ein Teppich, eine Tasche mit Duschzeug, Kissen und Kleidung. Und ein Drucker. Es ist ein skurriles Bild, das jüngst in einem Wohnblock in der Neubrandenburger Oststadt zu sehen war. Im dunklen Kellerabgang des Treppenhauses hatte sich ein unbekannter Mann für Tage eingenistet.

Nie gesehen, nur gehört

Die Bewohner beschäftigte weniger die Frage, wieso zu dessen karger Ausstattung ausgerechnet ein Drucker gehörte. Sie hatten gar nicht erst gewagt, nachzuschauen oder zu fragen, wie das Ehepaar, das seinen Namen lieber nicht hier lesen will, erzählt. „Ich kann nicht mehr einkaufen gehen und wenn mein Mann loswill, möchte ich aus Angst nicht alleine zu Hause bleiben“, sagt die 84-Jährige. Sie und ihr ebenfalls betagter Gatte hatten den Unbekannten nie zu Gesicht bekommen, aber als Erdgeschossbewohner regelmäßig gehört. In den knapp 50 Jahren, die beide bereits in dem Mehrfamilienhaus wohnen, hätten sie sich noch nie so unwohl gefühlt.

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Ein Fall wie dieser sei „eine absolute Seltenheit“, betont der Vermieter, die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges). Regelmäßig werde an die Mieter appelliert, die Haustüren geschlossen zu halten und nicht jedem ungefragt Zugang zu gewähren. „Nur so kann der Zutritt unbefugter Fremder nachhaltig verhindert werden“, mahnt das Unternehmen. Gerade die zurückliegenden Brandserien in der Oststadt hätten gezeigt, wie wichtig die Prävention sei.

„Vermieter war nicht zu erreichen”

Hausiert doch mal ein Fremder im Haus, werde zunächst auf das Hausrecht aufmerksam gemacht. Mitsamt der Bitte durch einen Hausmeister oder Kundenbetreuer, dass die Neu-Bewohner das Gebäude doch bitte verlassen mögen, skizziert das Unternehmen. „Zumeist zeigten sich die angesprochenen Personen einsichtig und kamen unseren Forderungen zum Verlassen der Gebäude nach.“

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Ob das beim konkreten Fall in der Oststadt auch geklappt hätte, lässt sich nicht sagen. Denn nach Angaben der Bewohner war die Neuwoges zunächst gar nicht zu erreichen. „Da muss erst ein Toter liegen oder eine Kellerreihe abgefackelt werden, ehe die kommen“, schimpfte der Senior. Selbst die Polizei habe sie tagelang warten lassen, meinte, sie sollen wieder anrufen, wenn der Unbekannte auch da ist. „Ich soll mich als kranker Mensch auf die Lauer legen und der Polizei Bescheid sagen, wenn er kommt“, ärgert sich die Frau, die mit einer Krebserkrankung kämpft.

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Die Polizei konnte das auf Anfrage so nicht bestätigen. Und wurde aktiv. Glaubt man den Bewohnern, war der Unbekannte seit einem Mittwoch da. Die Polizei kam dann am Sonntag und verwies ihn des Hauses, wie eine Sprecherin sagte. Am Montag kam dann die Neuwoges, wie das städtische Unternehmen mitteilt. Sowohl Polizei als auch der Vermieter geben an, die Betroffenen bei Bedarf auf andere Unterbringungsmöglichkeiten hinzuweisen. Dazu gehört insbesondere das durch den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) betriebene Obdachlosenhaus, in dem derzeit an die 20 Menschen wohnen oder nächtigen. Insgesamt gibt es hier 46 Plätze.

Habseligkeiten nun in Verwahrung

Auch diesen Rat bekam der Fremde aus dem Block in der Oststadt aber nicht mehr zu hören. Als die Neuwoges sich nach eigener Mitteilung „unverzüglich“ am nächsten Werktag, also besagtem Montag, ein Bild von der Lage machte, war er schon weg. Seine Habseligkeiten hatte er jedoch da gelassen. Nun sind Teppich, Kissen und wohl auch der Drucker bei der Neuwoges in der Verwahrung. Falls er die Sachen wiederhaben möchte und Zeitung liest,

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