UKRAINERIN ABGESCHOBEN

Und plötzlich fehlt eine Kollegin

Weil dem Asylantrag einer ukrainischen Familie nicht stattgegeben wurde, fehlt in einem Neubrandenburger Altenheim jetzt eine beliebte Pflegerin. Ersatz ist schwer zu finden – und die Betroffenen verstehen die Welt nicht mehr.
Arbeitskräfte in der Altenpflege werden fast überall händeringend gesucht, auch im DRK-Pflegeheim in Neubranden
Arbeitskräfte in der Altenpflege werden fast überall händeringend gesucht, auch im DRK-Pflegeheim in Neubrandenburg. Denn dort ist eine Ukrainerin nach mehreren Jahren wieder in ihre Heimat abgeschoben worden. Jens Büttner
Das DRK-Pflegeheim in der Rostocker Straße in Neubrandenburg.
Das DRK-Pflegeheim in der Rostocker Straße in Neubrandenburg. Thomas Beigang
Neubrandenburg ·

Ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit: Ludmilla Avertisian hatte schon bessere Gelegenheiten, ihren Geburtstag zu feiern. Die Frau aus der Ukraine besaß an ihrem Ehrentag vor fünf Wochen auch nur wenig Grund zur Freude. Denn kurz zuvor musste die Familie Neubrandenburg wieder verlassen.

Der Grund: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hatte den Asylantrag der Familie, die 2015 aus ihrer Heimat nach Deutschland geflüchtet war, abgelehnt. Die Avertisians mussten zurück nach Donezk – die Millionenstadt in der östlichen Ukraine, ein Zentrum des Kohlereviers Donbass, hatten sie seinerzeit wegen des Krieges verlassen. Um in Frieden und Sicherheit zu leben.

Beliebt und dringend gebraucht

Aus der Traum, Asylbewerber aus der Ukraine erhalten nur in ganz seltenen Fällen eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Deutschland. Dabei werden Menschen wie Ludmilla Avertisian dringend gebraucht. Das weiß Matthias Görz, Leiter des Pflegezentrums des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK) im Neubrandenburger Oberbachzentrum, besonders gut. Dort hat die Ukrainerin mit dem armenischen Familiennamen bis wenige Tage vor ihrer unfreiwilligen Rückreise gearbeitet. „Gut war sie und beliebt“, sagt Görz und schüttelt mit dem Kopf.

Denn das zwangsweise Ausscheiden der Frau, die als Pflegehelferin im DRK-Heim angestellt war, aus ihrem Job hat eine Lücke gerissen, die Görz bis heute nicht wieder ausfüllen konnte. Einige Bewerbungen für die Pflegehelfer-Stelle hatte der Heimleiter seitdem auf seinem Tisch. Einer kam zum „Schnuppern“ und verschwand danach auf Nimmerwiedersehen, die drei anderen haben sich bei Görz und seinen Kollegen nach der Einladung an sie nie wieder gemeldet. „Und jetzt stehen wir da und die anderen müssen die Arbeit mitmachen“, winkt der DRK-Mann ab.

Nur die Tochter durfte bleiben

Eine Kollegin mit dem gleichen Namen ist dem DRK aber wenigstens erhalten geblieben. Die 18-jährige Tochter der Familie, Azubi im Pflegeheim, durfte bleiben, im Gegensatz zu ihrer Familie. Denn vom Ausreisegebot und der Abschiebung sind Ukrainer, die sich in Deutschland in der Ausbildung befinden, ausgenommen. Die junge Frau wird immer traurig, wenn sie an ihre Leute denken muss. „Mein kleiner Bruder“, sagt sie, „versteht kaum Ukrainisch, der spricht viel besser Deutsch“. Und trotzdem musste auch er zurück, und gemeinsam mit den Eltern erst mal bei Verwandten in der alten Heimat leben.

Selbst der Einspruch aus dem Altenheim gegen die Ablehnung der Neubrandenburger Familie hat nichts genutzt. „Wir brauchen Leute, hatten auch eine gute Kraft, aber die darf nicht bleiben“, zieht Heimleiter Görz eine bittere Bilanz. Er sucht weiter intensiv nach Ersatz. Und weiß doch genau, wie schwierig das ist.

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Kommentare (8)

menschenfeindliche Leute doch in Deutschland Gesetze machen und sie Familien trennen können. Die Frau hatte doch hier Arbeit und lag niemanden auf der Tasche.
Wollte Superjens nicht selbst dafür sorgen und Ausländer als Pflegekräfte anwerben.

und eine von vielen törischten Entscheidungen deutscher Ämter, Politiker und Justiz. Vor einem Jahr phantasierte Jens Span, daß die vielen jungen Männer ohne jegliche Ausbildung, meist ohne Asylanspruch und nur mit einer Duldung vollversorgt in unserem Lande lebend, die Lösung für den notorischen Mangel an Pflegepersonal wären. Damit hätten sie eine Zukunft in Deutschland und würden einen dringenden Bedarf an Pflegepersonal decken. NUr hat er nicht bedacht, daß die allerwenigsten jungen Männer hergekommen sind, um hier den Rücken krummzumachen. Während wir hunderttausende unberechtigt und auf unsere Kosten lebende Faulenzer um keinen Preis der Welt mehr loswerden, schicken wir dringend benötigte und teilweise sehr gut ausgebildete, willige Kräfte einfach weg. Die Schuld daran tragen sowohl das BAMF, die trotz bekannten Bedarfs an brauchbarem Personal, hier kurzsichtig und glashart durchgreift, während in anderen Fällen, Kriminelle über Dauerklagen im Lande bleiben können, sowie die hochbezahlten Politiker, die nicht in der Lage sind, für Deutschland ein Einwanderungsgesetz schafft, wie es in anderen Ländern seit Jahrzehnten möglich ist. Manchmal glaube ich, daß man in Deutschland langsam einen Gebetsteppich unter dem Arm haben muß, um Amtsentscheidungen positiv entschieden zu bekommen.

Ihr Text enthält viele Vorurteile.
Auch viele der jungen Männer integrieren sich und arbeiten bzw möchten das. Die Entscheidungen haben auch nichts mit der Religion zu tun. Leider zählt die Ukraine nicht als "unsicher" genug. Da bedarf es zeitnaher gesetzlicher Ergänzungen, da alle In in NB mehrere Familien von dem Schicksal betroffen sind.

eine Ergänzung, sondern um ein Einwanderungsgesetz, daß seinen Namen verdient und für qualifizierte Menschen die Möglichkeit schafft, in unserem Land zu leben, sich zu integrieren und zum Wohle unserer Gesellschaft beizutragen. Ihr Einwand, daß sich "viele junge Männer integrieren", ist eine typische Relativierung, die die Probleme verniedlicht und weit weg von der Realität ist. Wenn man davor ausgeht, daß in den letzten 5 Jahren etwa 6500000 junge Männer nach Deutschland gekommen sind und ich die Anzahl derer vergleiche, die sich wirklich intergriert haben, integrieren wollen oder Interesse an Sprache oder Ausbildung haben, dann ist es nur lachhaft. In unserer Stadt hatte sich eine Firma um Auszubildende aus diesen Reihen bemüht und startete mit 12 jungen Männern und einer riesigen Medienkampagne. Nach einem Jahr waren nur noch 2 der Auszubildenden anzutreffen und einen Anschluß und letztlich mit einem Arbeitsvertrag belohnt, konnte nur noch einer werden. Früh aufstehen, jeden Wochentag, 8 Stunden hintereinander - das ist nicht jedermanns Sache und eine der Ursachen, warum es in den Herkunftsländern auch klemmt.

Was für viele Aus indiviueller perspektive nicht verständlich ist, ergibt aus staatlicher perspektive sehr wohl Sinn. Gehen wir es Schritt für Schritt durch:

1. Es gibt mehrere Möglichkeiten, in Deutschland ein Aufenthaltsrecht zu erhalten. DIese Möglichkeiten sind voneinander getrennt, auch wenn es möglich ist von einem Titel in den anderen zu gehen. Wichtig ist: IdR wird die Erteilung aus dem Ausland heraus beantragt und dann geprüft. Dahinter steht, dass Deutschland (und fast jeder andere STaat) wissen will, wer nach Deutschland kommt und auch ablehnen zu können. Es gibt eine Ausnahme...

2. Der Asylantrag kann nur im Inland gestellt werden, setzt also voraus, dass der Antragsteller schon da ist. Auf welche Art ist erstmal egal (wir ignorieren Dublin), was die illegale Einreise einschließt. In dieser Hinsicht sind Asylantragsteller also "priviligiert". JEmand der sich ohne Asylantrag illegal in Deutschland aufhält wird meist schnell zurückgeführt (also abgeschoben). Was aber, das wird später auch wichtig, dazu führt, dass viele Menschen einen Asylantrag stellen, um erstmal bleiben zu können, auch wenn sie eigentlich keinen Anspruch auf einen Aufenthaltstitel haben.

3. Mit der Stelung des Asylantrages macht der Antragsteller geltend "Mir droht in meinem Heimatland eine GEfahr, ich kann dort nirgendwo sicher leben". Das ist seine Sicht. Ob diese Einschätzung mit den deutschem Recht (bzw. internationalem Recht, wir gehen jetzt nicht zu tief ins Detail) übereinstimmt, prüft das BAMF ( nur als kleiner Exkurs: diese rechtliche Einschätzung hat oft wenig mit der Wahrnehmung vieler Menschen im Alltag zu tun, steht glaube ich sogar auf der ProAsyl Seite irgendwo...).

4. Da die Ausländer einen Asylantrag gestellt haben sind sie im Asylverfahren. Damit ist, wie gesagt, das BAMF für sie zuständig. Jetzt kommt das, was viele schon nicht wissen: Das BAMF darf nur prüfen, ob die Ausländer in irhem HEimatland sicher leben können. Und zwar egal wo (in dem Fall hier: Auch wenn DOnezk unsicher sein sollte sagt das Asylrecht: BEvor sie nach Deutschland kommen können sie erst mal gucken, ob sie nicht z.B. in Kiew leben können).

Exkurs: Das nennt sich "subsidiarität des Flüchtlungsrechts". Also Flüchtlingsschutz ist anderen Arten der Sicherheit immer "nachgeordnet". Wenn jemand im eigenen Heimatland Sicherheit finden kann, kein Schutz. Darf er in einem anderen Land legal leben (sagen wir mal die Familie hätte einen unbegrenzten Aufenthalt in Tadschikistan) kein Schutz nötig.

Alles andere, ob die Leute hier arbeiten, (volljährige) Familienmitglieder haben etc. kann das BAMF nicht berücksichtigen. Das darf es auch nicht, weil sowas nirgendwo im Asylgesetz steht. Das BAMF guvkt nur auf as HEimatland und entscheidet entsprechend.

5. Jetzt leht das BAMF ab und die Leute werden abgeschoben, obwohl sie arbeiten. Sie sidn ja gut intigirert, man kennt die entsprechenden Artikel. Wieso? Die Antwort ist eigentlich einfach: Weil sie einen Asylantrag gestellt haben und keinen Antrag auf eine Arbeitserlaubnis (aus dem Ausland), wie es vorgesehen ist.
Der Staat will also (eigentlich) nicht, dass der Asylantrag als "Nebenweg" für eine Einwanderung geutzt wird. Er möchte, dass die dafür vorgesehen Wege des Aufenthaltsgesetzes genutzt werden.
Und wenn dann am Ende des teuren und langen Asylverfahrens die Leute dann doch das kriegen was sie wollen, obwohl sie keinen ANspruch auf Asyl hatten, führt das das Asylverfahren ad absurdum. Und ist auch unfair all jenen gegenüber, die das vorgesehen Verfahren auf sich nehmen (also ein Arbeitsvisum etc beantragen). Das ist natürlich Leuten schwer zu vermitteln, weil die "individuelle" Perspektive intuitiv verständlicher ist. JEder versteht DInge wie "das sind so nette Leute, jetzt sind sie weg, wir vermissen sie". Aus rechtlicher Sicht ist das aber problematisch, weswegen das Recht eigentlich darauf angelegt ist, so etwas möglichst auszublenden. Das ist "by Design".

6. Inkosenquent ist dabei natürlich die sogenannte "Ausbildungsduldung". Das wird das sein, was die Tochter hat. Das ist ein sogenannter Kompromiss. Was man davon hält kann sich jeder selber denken, es unterhöhlt aber das Asylgesetz und das dazu gehördende Verfahren. Weil es die Stellung eines Asylantrages auch dann sehr attraktiv macht, wenn man keien Asylgründe hat. In der Hoffnung, in der Zeit ne Ausbildung zu findne und dann doch bleiben zu dürfen.

Lieber Mike-in-the-Box, das war super erklärt, Sie haben nur eines vergessen: diejenigen, die Asyl beantragen, erhalten Sozialleistungen, Unterkünfte/Wohnungen und was man sonst noch so braucht, notfalls auch, wenn der Lohn nicht reicht, aufstockendes Hartz4, damit die Familie ernährt werden kann. Diese Leistungen erhält jedmand, der ein Arbeitsvisum beantragt, nicht, er muss vielmehr nachweisen, dass er ohne öffentliche Mittel leben kann, inkl. Wohnung, Krankenversicherung etc. Viele, die kommen, haben gar keine Ausbildung oder können, wie die abgeschobene Ukrainerin, nach kurzer Ausbildungsdauer lediglich Helferarbeiten durchführen. Das reicht natürlich nicht, um für eine ganze Familie aufzukommen. Und wenn sich dann noch Mitbürger beschweren, dass ausgerechnet diese lieben, netten, fleissigen Leute abgeschoben werden, sollten sie mal darüber nachdenken, dass sich genau diese netten und lieben Personen mit einem Trick und dann mit großer Unterstützung der Kollegen und Helfer, ein voll allimentiertes Bleiberecht, auch nach Ablehnung des Asylgesuches, erschleichen wollen, weil sie nicht über die ausreichenden Mittel verfügen über ein Arbeitsvisum einzureisen. Das nennt man auch die eierlegende Wollmilchsau in Anspruch zu nehmen und ist in höchstem Masse unfair denjenigen gegenüber, die qualifiziert genug sind, über ein Arbeitsvisum zu kommen. Insofern ist es absolut korrekt und notwendig, dass solche Personen kein Bleiberecht erhalten und ausreisen müssen. Sie können dann ja ein Arbeitsvisum mit den o.g. Vorgaben beantragen und wiederkommen. Wenn sie sich selbst nicht unterhalten können, ist hier bestimmt der Arbeitgeber, der diese Menschen so dringend braucht, behilflich!

eines kann ich nicht nachvollziehen warum braucht es von 2015 (Antragstellung) bis 2020 (Ablehnung ) so lange Zeit. Man kann doch nicht tausende Leute ins Land lassen um dann nach ewigen Zeiten festzustellen die dürfen gar nicht hier sein. Da werden zwischenzeitlich Unsummen an Geld für Unterkunft, Sprachlehrgänge ,Taschengeld etc. ausgezahlt nur weil man nicht in der Laage ist relativ zeitnah zu entscheiden. Ob in der Rechtsprechung oder bei der Integration der" Rechtsstaat Deutschland "macht sich in meinen Augen nur noch lächerlich.

Der Grund, warum viele abgelehnte Asylbewerber erst nach 4 bis 5, manchmal auch erst nach mehr als 6 Jahren abgeschoben werden können, liegt daran, dass jeder, der einen ablehnenden Bescheid erhält, eine gerichtliche Überprüfung, sprich Klage, gegen diesen erheben kann, was die meisten auch tun. Nachdem die Gerichte durch diese Klagen ausserordentlich belastet sind, dauert es einige Jahre, bis es zur Verhandlung kommt. In der Zwischenzeit wurde vielleicht noch ein Kind geboren: auch für dieses wurde ein Asylantrag gestellt und, wenn dieser abgelehnt wurde, wiederum Klage erhoben. So kommen ganz schnell Jahre zusammen in denen nicht abgeschoben werden kann. Oft ist es auch noch so, dass, wenn auch die Klage verloren wurde, über die Härtefallkommission unter Anführung der mittlerweilen guten Integration oder über Petitionen, die Helfer und Aktivisten starten, doch noch ein Bleiberecht erkämpft werden will und auch kann. Siehe den aktuellen Fall einer Tschetschenin mit zwei Kindern, deren Asylantrag und auch der Härtefallantrag abgelehnt wurde und jetzt über Petionen versucht wird, die Abschiebung zu verhindern. All das tut den Asylgesetzen nicht gut, sie werden ad absurdum geführt, wenn abgelehnte Asylbewerber nicht konsequent zurückgeführt werden!