Polizei

Unfallflucht – jeder Vierte haut ab

Immer mehr Autofahrer auf der Flucht – das beobachtet die Polizei in Neubrandenburg. Mal ist es die Angst vor der Strafe , mal vor einer hohen Rechnung. Nur selten werden Täter geschnappt.
Wer etwa beim Parken ein anderes Auto touchiert, ruft besser die Polizei – hinterlässt der Schuldige nur einen Zett
Wer etwa beim Parken ein anderes Auto touchiert, ruft besser die Polizei – hinterlässt der Schuldige nur einen Zettel und fährt weg, begeht er Fahrerflucht. Christin Klose
Neubrandenburg

Oft ist es ein Rempler beim Ausparken, manchmal sind es aber auch schwere Unfälle mit hohem Schaden und Verletzten, bei denen Autofahrer die Flucht ergreifen. Ein Problem, das auch Polizeibeamte an der Seenplatte kennen. Und doch dürfte es - bei kleineren Schäden - noch eine hohe Dunkelziffer geben, wenn die Betroffenen gar nicht erst zur Polizei gehen.

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Neubrandenburg ist Hochburg der Flüchtigen

In und um Altentreptow entfernten sich allein im vergangenen Jahr die Täter bei 45 der insgesamt 516 Verkehrsunfälle vom Ort des Geschehens, ohne die Polizei zu verständigen. „Das ist also fast jeder Zehnte. Hört sich erst einmal wenig an, ist aber trotzdem deutlich zu viel“, betont eine Polizeisprecherin. Im benachbarten Neubrandenburg sieht es noch drastischer aus. Wie die Polizei mitteilt, düst dort im Schnitt jeder vierte Unfallverursacher einfach so davon. In drei Fällen wurden bei dem jeweiligen Unfall Menschen leicht verletzt, in einem sogar schwer.

Niedrige Aufklärungsquote

Während das Innenministerium MV einen steten Anstieg bei Unfällen mit Fahrerflucht beklagt, ist der Anteil solcher Delikte in Altentreptow und Umgebung im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig. 2019 machten sich die Verantwortlichen bei 52 der insgesamt 502 Unfälle aus dem Staub, wie aus der Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion Neubrandenburg hervorgeht. Die Beamten warnen allerdings ausdrücklich davor, solche Vergehen einfach zu verharmlosen.

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Nur selten werden Täter erwischt

Denn selbst nach einem Parkrempler mit vergleichsweise geringem Sachschaden sei das unerlaubte Entfernen von der Unfallstelle eine Straftat, die je nach Schwere mit einer saftigen Geldstrafe, Führerscheinentzug oder im schlimmsten Fall mit bis zu drei Jahren Haft geahndet wird. Zudem könne der Kfz-Versicherer Leistungen kürzen oder verweigern. Für die Betroffenen sind vor allem die Fälle schmerzlich, in denen es den Beamten nicht gelingt, die Verur­sacher zu ermitteln. Denn wer keine Vollkaskoversicherung hat, bleibt auf dem entstandenen Schaden und den damit verbundenen Reparaturkosten sitzen. In den Vorjahren lag die Aufklärungsquote im Durchschnitt bei zwischen 25 und 30 Prozent. „Ohne Zeugen ist es eben häufig sehr schwierig, die Täter zu schnappen“, so eine Sprecherin.

Viele Ausreden parat

Wenn jemand dann doch mal erwischt werde, seien die vorgebrachten Gründe der Verursacher sehr unterschiedlich. So würden viele behaupten, erst gar nicht gemerkt zu haben, dass durch sie ein Schaden am benachbarten Pkw entstanden ist. Andere wiederum hätten angeblich keine Zeit gehabt, um auf den Halter des Fahrzeugs zu warten.

„Die verbreitete Praxis, einen Zettel mit seinen Kontaktdaten an die Windschutzscheibe zu klemmen, reicht keineswegs aus“, macht die Polizeisprecherin deutlich. Sehr selten würden sich Autofahrer aber auch aus Angst vor den Konsequenzen einige Tage nach dem Unfall selbst bei der Polizei melden, um ihr falsches Verhalten zu gestehen. In solchen Fällen seien dann oft Alkohol oder Drogen im Spiel gewesen. Oder die Fahrer besaßen zum Tatzeitpunkt gar keinen Führerschein mehr, hieß es von der Polizei.

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