TOD IN ALT REHSE

Urteil im Fall Sarah H. rückt in weite Ferne

Er bleibt vorerst auf freiem Fuß. Drei Jahre nach dem Fund der stark verwesten Leiche von Sarah H. in Alt Rehse gibt es für den mutmaßlichen Täter noch immer kein Urteil. Das hat einen Grund.
Carina Göls Carina Göls
Ein Dorf zwischen Idyll und Beklemmung: In Alt Rehse war vor rund drei Jahren die stark verweste Leiche von Sarah H. gefunden.
Ein Dorf zwischen Idyll und Beklemmung: In Alt Rehse war vor rund drei Jahren die stark verweste Leiche von Sarah H. gefunden. Carina Göls
Am Landgericht Neubrandenburg wird der nunmehr dritte Prozess gegen den Angeklagten im Fall Sarah H. geführt.
Am Landgericht Neubrandenburg wird der nunmehr dritte Prozess gegen den Angeklagten im Fall Sarah H. geführt. Bernd Wüstneck
Alt Rehse.

Im Prozess gegen den Angeklagten im Fall der in Alt Rehse getöteten Sarah H. ist ein Urteil „noch nicht absehbar”. Darüber informierte am Montag auf Anfrage Christian Weidlich, Pressesprecher am Landgericht Neubrandenburg. Grund: Aktuell wird nur wenig verhandelt, da immer wieder Richter und Schöffen im Urlaub sind. „Da sind die Abstände zwischen den Prozesstagen länger oder verschieben sich”, so Weidlich. Darum würden auch nicht so viele Zeugen gehört werden können.

Die meisten davon kämen aus dem Dorf, in dem sich das Schicksal der jungen Frau entschied. Auch das abschließende Gutachten zur psychischen Verfassung des verdächtigten Alt Rehsers stehe noch aus. All das werde in die Frage nach der möglichen Bestrafung in diesem drittem Prozess einfließen. Der mutmaßliche Täter, der seit Monaten auf freiem Fuß ist, erscheine zu allen Verhandlungen in dem nichtöffentlichen Prozess, hieß es.

Angeklagter reicht weiter Anträge ein

Nach wie vor reiche er auch immer wieder Anträge bei Gericht ein, die geprüft werden müssten. Über deren Inhalt dürfe Weidlich aber nichts sagen. Allerdings koste eben jede Prüfung immer Zeit. Ursprünglich sollte der Mann aus Alt Rehse, dem vorgeworfen wird, im Sommer 2016 seine Lebensgefährtin Sarah H. getötet zu haben, Ende September sein Urteil erfahren.

Wo genau der Mann aktuell lebe, das wisse niemand. Auch nicht das Gericht. Das müsse es auch nicht zwingend, da der Haftbefehl „nicht außer Vollzug gesetzt, sondern aufgehoben ist“, wie Pressesprecher Weidlich bereits informierte. Ob er wieder in Groß Nemerow bei Neubrandenburg ist? Gut möglich. Dort soll er im Herbst 2018 schon einmal für mehrere Tage bei einer Freundin gewesen sein, nachdem das Landgericht Neubrandenburg ihn aus der U-Haft entlassen hatte. Das Oberlandesgericht Rostock hatte ihn auf Antrag der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg allerdings wieder in U-Haft gesteckt.

Ungebrochenes Medieninteresse am Fall Sarah H.

Denn das Neubrandenburger Landgericht hatte den Tatverdächtigen in erster Instanz wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen und zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil allerdings kassiert, weil der „Geisteszustand des Angeklagten“ nicht genügend untersucht worden sei. Laut eigener Aussage war der Alt Rehser zur Tatzeit davon überzeugt, der Bundesnachrichtendienst forsche ihn aus und habe Sarah H. als Spitzel zu ihm geschickt. Durch Folter habe er Informationen erzwingen wollen. Diesem „behaupteten Motiv”, heißt es im BGH-Beschluss, habe „ersichtlich eine Wahnvorstellung zu Grunde” gelegen. Möglicherweise habe der Angeklagte seine Tat nicht als unrecht empfinden können.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, die 32-jährige Sarah H. so stark misshandelt zu haben, dass sie an den Folgen starb. Polizisten hatten die stark verweste Leiche seiner Lebensgefährtin im August 2016 im Haus des Tatverdächtigen gefunden – nachdem sich Nachbarn zum wiederholten Mal wegen Lärmbelästigung beklagt hatten. Der Fall hatte bundesweit großes öffentliches Interesse ausgelöst – nicht zuletzt, weil Sarah H. seit ihrem Auftritt in der TV-Kuppelshow „Schwer verliebt“ in die Schlagzeilen geraten war.

Nach wie vor, so bestätigte Christian Weidlich am Montag, sei der Fall aus Alt Rehse von ungebrochenem Medieninteresse in ganz Deutschland. Es kämen regelmäßig Anfragen.

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Kommentare (1)

... bei der Landesregierung MV für die fehlenden Richter durch die Gerichtsstrukturreform.