Noch sind die technischen Geräte Modelle und nicht für die großen Mengen in der Landwirtschaft ausgelegt.
Noch sind die technischen Geräte Modelle und nicht für die großen Mengen in der Landwirtschaft ausgelegt. Paulina Druse
Ein großes Thema für die Landwirtschaft ist die Reinigung von Abwasser. „Physics for Food“ hat ein ausg
Ein großes Thema für die Landwirtschaft ist die Reinigung von Abwasser. „Physics for Food“ hat ein ausgeklügeltes Filtersystem entwickelt, um Abwasser wieder zu benutzen. Paulina Druse
Plasma als Wundermittel. Nicht nur das Getreide selbst, auch das Wasser kann mit Plasma behandelt werden.
Plasma als Wundermittel. Nicht nur das Getreide selbst, auch das Wasser kann mit Plasma behandelt werden. Paulina Druse
Über das Fließband wird das Getreide befördert. Dabei wird es direkt mit Plasma bestrahlt, um Schimmelpilze zu
Über das Fließband wird das Getreide befördert. Dabei wird es direkt mit Plasma bestrahlt, um Schimmelpilze zu verhindert. Henning Stallmeyer
Bei der Vorführung begutachteten Experten und Wissenschaftler die sogenannten Demonstratoren, also die neuen Erfindungen.
Bei der Vorführung begutachteten Experten und Wissenschaftler die sogenannten Demonstratoren, also die neuen Erfindungen. Henning Stallmeyer
Neubrandenburger Hochschule

Verbessertes Saatgut sorgt bei Landwirten für Skepsis

Die von Neubrandenburger Forschern entwickelten Geräte könnten in der Landwirtschaft eine Revolution mit sich bringen. Viele Ideen kommen gut an, doch es bleiben auch Zweifel.
Neubrandenburg

Keimfreies Saatgut, weniger Schimmelpilze beim gedroschenen Korn und sparsame Wasserversorgung in der Landwirtschaft. Die Zukunftsmusik klingt erst mal gut. Das vom Bildungsministerium bis 2025 mit knapp 15 Millionen Euro geförderte Projekt „Physics for Food“ (übersetzt: Physik fürs Essen) hat sich auf die Fahnen geschrieben, Landwirtschaft weitestgehend chemiefrei zu gestalten. Weg von Pestiziden, hin zu alternativen Methoden.

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Bei einer Vorführung in den Räumlichkeiten der Neubrandenburger Hochschule, die gemeinsam mit dem Greifswalder Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) an dem Projekt beteiligt sind, wurden einige der neuesten Ideen ausgestellt und vorgeführt. Darunter ein Fließband, bei dem Saatgut oder auch gedroschenes Korn direkt mit Plasma behandelt wird, wodurch es keimfähiger werden soll. So ein Fließband könnte später mal direkt auf einem Mähdrescher installiert werden. Durch die Kaltplasmabehandlung werden die Keimgeschwindigkeit und die Ertragsentwicklung erhöht. Das konnten die Wissenschaftler bereits bei Raps und am Rotklee nachweisen.

Eine weitere Erfindung ist eine Art Kamera, mit der einzelne Pflanzen ganz genau untersucht werden können. Das Gerät sendet einen Lichtimpuls aus, die Pflanze selbst gibt daraufhin Strahlungsenergie ab, welche die Kamera bildlich einfängt. Dadurch hat man genauen Einblick in das Wachstumsverhalten der Pflanze. „Und das alles zerstörungsfrei. Die Pflanze kann nach dem Prozess problemlos wieder eingesetzt werden“, erklärt Eike Steffen Dobers von der Hochschule.

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Andere der vorgestellten Geräte beschäftigen sich mit der Frage, wie Getreide vor Lagerschädlingen geschützt werden kann und wie Prozess- und Abwasser von Chemikalien und Keimen gereinigt werden kann. Letzteres wird auch schon im Felde versucht. Etwa an der Anklamer Zuckerfabrik. Ein großer Schritt in Richtung Reduktion von mikrobieller Belastung im Wasser und letztlich zu sauberen Lebensmitteln, finden die Entwickler.

Das Abwasser durchläuft in einem ausgeklügelten Leitungssystem mehrere Filter. Ultraschall, Kiesfilter, Aktivkohlefilter und Plasmabehandlungen sorgen dafür, dass das Wasser zu 100 Prozent wieder verwendet werden kann. Der Prozess dauert rund zwei Stunden, bis zur endgültigen Reinigung.

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Neben Wissenschaftlern besuchten auch Landwirte die Vorführung, um sich einen Überblick über die neuesten technischen Möglichkeiten zu verschaffen. Einer von ihnen ist Landwirt Falk Herold von der Firma Andresen in Siedenbollentin. Mit großer Neugier informierte er sich über die Erfindungen, doch bewahrte sich auch eine Portion Skepsis.

Man merke einigen Geräten noch an, dass sie im Labor erprobt sind, meint Herold: „Spannend ist das auf alle Fälle, aber wenn manche Erfindungen mit Angaben versehen sind, die soundso viel Kilogramm Getreide verarbeiten, dann denke ich, da müssten Tonnen stehen.“ Doch wann die verheißungsvolle Technik den Landwirten in der Praxis tatsächlich helfen kann, das steht noch nicht fest.

 

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