LÄRM IN NEUBRANDENBURG

Verbote für Alkohol und Musik am Tollensesee stoßen auf Kritik

Mit einer neuen Stadtverordnung sollen die Spielregeln festgelegt werden. Insbesondere zwei Orte sind dabei in den Fokus gerückt. Für den Aufenthalt am Belvedere und Brodaer Strand rücken härtere Bandagen ins Blickfeld.
Das denkmalgeschützte Belvedere gilt als schützenswert, weswegen ab 20 Uhr ein Musik- und Alkoholverbot gelten soll.
Das denkmalgeschützte Belvedere gilt als schützenswert, weswegen ab 20 Uhr ein Musik- und Alkoholverbot gelten soll. MBB
Neubrandenburg ·

In der Diskussion rund um die neue Stadtverordnung, die sich Neubrandenburg geben muss – die alte läuft nach 20 Jahren regulär aus –, sind am Montagabend während des Ausschusses für Umwelt, Ordnung und Sicherheit einige kritische Stimmen laut geworden.

Der Entwurf beinhaltet mehrere Paragrafen, in denen auf die Spielregeln für und in der Stadt verwiesen wird. Allgemein gesprochen: Es geht um „Respekt und Anstand“, wie einige Ausschussmitglieder zusammenfassten. Kein Wildpinkeln, keine Wände beschmieren, kein Müll unsachgemäß entsorgen und niemanden so stören, dass dieser sich belästigt fühlt. Gerade letzteres war in den vergangenen Monaten zahlreichen Einwohner von Broda-Dorf sauer aufgestoßen.

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Festgelegte Uhrzeiten für Polizei besser kontrollierbar

So berichteten sie von ausschweifenden und ausufernden Partys am Brodaer Strand und am Belvedere. Die Anwohner fühlten sich massiv gestört (der Nordkurier berichtete). Gerade diese Beschwerden sind laut Ordnungsamtsleiter Jörg Schmiedel nun konkret zum Anlass genommen worden, die Stadtverordnung zu diesen Punkten und Plätzen zu aktualisieren. So heißt es beispielsweise, dass am Belvedere von 20 bis 6 Uhr Musik- und Alkoholverbot herrscht. Am Brodaer Strand soll dies in der Zeit von 22 bis 6 Uhr gelten. In punkto Musik ist die elektronisch verstärkte Musik gemeint. Gerade mit diesen absoluten Zeitangaben hatte Ausschussmitglied Rainer Kirchhefer (Bündnis ‘90/Die Grünen) durchaus Bauchschmerzen. In seiner Wahrnehmung habe das so geklungen, als sei jegliche Musik verboten, auch leise abgespielte.

Doch vielmehr ginge es um die elektronisch verstärkte Musik, wie Jörg Schmiedel und Vize-Oberbürgermeister Peter Modemann verdeutlichten. Durch festgelegte Uhrzeiten sei unzulässiger Lärm besser kontrollierbar für die Polizei, wie Peter Modemann hinzufügte. „Wir hatten auch über andere Plätze in der Stadt diesbezüglich diskutiert, aber wir müssen nicht überall Verbote machen“, gab der Vize-OB andere und auch weiterführende Gedankengänge wieder. SPD-Mann Robert Northoff fragte sich, warum denn fürs Belvedere andere Zeiten gelten als für den Brodaer Strand. „Ist das Belvedere gefährlicher als der Strand?“, fragte er. Jörg Schmiedel verwies darauf, dass das Denkmal geschützt werden müsse und dass daraus die 20-Uhr-Zeit resultiere.

Rainer Kirchhefer bewertete diese genannten Uhrzeiten darüber hinaus nur von Sonntag bis Donnerstag als realistisch. Er plädierte für eine Verlängerung am Freitag und Samstag bis beispielsweise 23 Uhr. „Der Bürger hat einen Anspruch auf Nachtruhe ab 22 Uhr“, argumentierte Jörg Schmiedel. Oftmals sei es in der Vergangenheit so gewesen, dass ab 22 Uhr gar noch einmal ordentlich aufgedreht worden sei. Hier gelte es nun, „Zähne zu zeigen“. Es könne nicht im Sinn der Anwohner sein, sich zu unzumutbaren Zeiten Lärm gefallen zu lassen, unterstrich auch Peter Modemann. „Wir können die Bürger nicht im Regen stehen lassen.“

Innenministerium muss Verordnung erst genehmigen

Letztlich unterstützten die Ausschussmitglieder weitestgehend den Entwurf mit seinen jetzigen Inhalten. Juristische Finessen in der Formulierung würden nochmals geprüft, hieß es von Jörg Schmiedel. Gleiches gelte auch für die aufgeführten Uhrzeiten. Auch die würden nochmals einer Überprüfung unterzogen. Doch allein die Ausschussmitglieder haben nicht die Befugnis, diese Stadtverordnung zu erlassen. „Wir können nur beraten“, machte der Ordnungsamtsleiter deutlich. Das Schweriner Innenministerium müsse die Verordnung erst genehmigen, ehe sie in Kraft treten könne.

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Kommentare (8)

Okay, Ordnung muss sein. Man ist nun dem Anliegen der Bürger nachgekommen. Es ist auch richtig, dass die Jugend sich auch an solchen Regelzeiten halten müssen, gehört nun Mal zum Leben in einer Gesellschaft. Aber die Jugend darf man nicht im Regen stehen lassen. Gibt den Jugendlichen Event-Tage, die dann über der geltenden Nachtruhezeit liegt. Solche Event Tage könnten dann ja die Jugendlichen mit Stadt und der Polizei organisieren und eventuell von einem sogenannten Streetworker betreut werden. Es gibt viele regionale Jugendbands, die ihr Können unter Beweis stellen wollen.

die Jugendlichen auch Mal darüber nachdenken, ob man nicht immer die Nacht zur Party machen muss. Es gibt einige Länder, wo die Jugend ihre Partys auch am frühen Abend veranstalten müssen, aufgrund Einhaltung von Jugendgesetze, die meist stärker kontrolliert werden als in Deutschland und bei Nichteinhaltung auch stärker bestraft bzw verfolgt werden.

Und wann tritt die Verordnung bezüglich der Ruhestörungen von Konzertveranstaltungen im Kulturpark in Kraft? Ah, achso. Das geht nicht? Na das ist jetzt aber dumm für die Villeneigentümer.

SIcherlich sind auch Ausnahmen für Jugendliche möglich. Es sagt ja keiner Das Abi und das Ende der UNI nicht gefeiert werden können. An den anderen Tagen sind aber die Spielregeln dann vorhanden.

in ihren schönen Villen, wollen ihre Ruhe haben.

Und die Stadtvertreter erst...die Kinder der Bildung berauben und sich dann wundern, wenn sie die Nacht zum Tag machen.

Die jungen Leute werden Euch was husten und das ist richtig so.
Laßt der Jugend ihren Lauf....

Die Jungen Menschen haben dank Corona und fehlenden Lokalitäten kaum Möglichkeiten zum feiern. Wenn zu laut - Polizei anrufen, Ruhestörung. Solche festgelegten Zeiten rauben der Stadt nur Ressourcen und den Kindern ihre Jugend.

Meines Wissens waren die Festivitäten der Jugend erst seit den Corona-Verordnungen aufgetreten, sprich seit den Sozialverboten. Die Nachtigallen trapsen immer lauter, was die Zukunft betrifft.

Mal ganz ehrlich, die Jugend wird dank Coronavorwand zu Hause eingesperrt oder darf max. 1 weitere Person (Freund) treffen.
Und wenn denn mal raus gegangen wird ( was ja laut staatstreuen Medien total bis lebens gefährlich sein soll ),wo soll die Jungend dann hin? Von allen Seiten bekommen die jungen Leute doch zu höhren / spüren das sie nicht willkommen sind.
Ich denke da zum Beispiel an das Standesamt. Sicher, alles nette Leute da. Aber die Kids sind schon ewig vorher mit ihren Bikes dort gefahren. Da hat es niemanden gestört. Warum wollte das Amt denn unbedingt dieses Haus haben? Es war sich doch der Tatsache bewusst, das sich dort auch andere Menschen bewegen.
Oder warum wurden Unsummen an Geldern dafür aufgebracht den Stadtmauerverlauf mit rostigen Säulen zu symbolisieren? Hätte es nicht auch ein Streifen andersfarbieger Pflastersteine getan?
Für das Geld was da rein gebuttert wurde, hätte die Stadt auch Möglichkeiten für die Kids schaffen und/oder bestehende ausbauen können. Stattdessen wird nun beraten wie man das junge Volk weiter drangsalieren kann.
Ich glaube das diese Leute, die jetzt auf ihren tollen Stühlen sitzen und darüber diskutieren welche Einschränkungen man noch erlassen kann, vergessen haben das sie auch mal jung waren.

Schade. Ich kann mich noch an andere Zeiten erinnern.