Die Pläne, aus dem ehemaligen Stasi-Knast und der späteren Justizvollzugsanstalt der Landes MV auf dem Neubrandenbur
Die Pläne, aus dem ehemaligen Stasi-Knast und der späteren Justizvollzugsanstalt der Landes MV auf dem Neubrandenburger Lindenberg eine Baufläche für ein neues Wohngebiet zu machen, nehmen Gestalt an. Thomas Beigang/NK-Archiv
Die Pläne, aus der alten JVA eine Gedenkstätte zu entwickeln, sind wohl vom Tisch. Sehr zum Ärger der Vereinigu
Die Pläne, aus der alten JVA eine Gedenkstätte zu entwickeln, sind wohl vom Tisch. Sehr zum Ärger der Vereinigung der Opfer des Stalinismus. Henning Stallmeyer
Pläne für Wohngebiet

Verhandlungen über Gelände von Ex-Stasi-Knast stehen bevor

Seit gut einem Jahr hat die Stadt Neubrandenburg ihr Kaufinteresse an dem Areal bekundet, um dort Wohnungen zu bauen. Jetzt könnte alles ganz schnell gehen.
Neubrandenburg

Soziale Wohnungen, Gedenkstätte oder vor sich hin gammelnde Ruine? Die Frage, was mit der ehemaligen Justizvollzugsanstalt (JVA) auf dem Neubrandenburger Lindenberg passieren soll, ist seit Jahren ungeklärt, könnte aber bald beantwortet werden. Wie die Stadt Neubrandenburg und das Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern als Eigentümer des Gefängnisses auf Nordkurier-Anfrage bekannt gaben, beginnen in Kürze die Verkaufsverhandlungen.

Wertgutachten liegt vor

Als letzten Schritt davor ließ das Land ein Verkehrswertgutachten für das Grundstück erstellen, das als Grundlage für die Verhandlungen dienen soll. Dieses liegt seit Kurzem der Stadt vor. „Der Erfolg der Verhandlungen steht natürlich in Abhängigkeit des Kaufpreises und der gesicherten Finanzierung zur Herrichtung und Erschließung des Grundstückes für die geplante Wohnbebauung“, erklärt dazu ein Sprecher aus dem Rathaus.

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Was den Kaufpreis angeht, schweigen sich beide Parteien aus. Klar ist nur: Der 50-prozentige Rabatt, falls die Stadt Neubrandenburg das JVA-Gelände für sozialen Wohnungsbau nutzen würde, bleibt bestehen. Das stellte eine Sprecherin des Finanzministeriums nochmals klar. „Dies steht allerdings unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Landtages MV zum Entwurf des Haushaltsgesetzes 2022/2023“, schränkt die Sprecherin ein.

Keine Notwendigkeit für Denkmalschutz

Schon seit der Stilllegung des Gefängnisses befinden sich beide Parteien im regen Austausch über die Zukunft der Immobilie. Die wichtigste Frage wurde im vergangenen Jahr geklärt, nämlich ob das alte Stasi-Gefängnis unter Denkmalschutz steht. Dafür sieht das Landesamt für Kultur und Denkmalschutz keinen Grund. „Aufgrund der umfangreichen Umbauten weisen weder die Gesamtanlage noch einzelne Elemente die Eigenschaften eines Denkmals auf“, hieß es.

Nachdem einem Abriss nichts mehr im Wege steht, bekundete die Stadt Mitte 2021 ihr grundsätzliches Kaufinteresse an der ehemaligen Justizvollzugsanstalt. Platz für Wohnungsbau ist knapp bemessen und das Gefängnis besticht durch seine exponierte Lage im Neubrandenburger Süden.

Kritiker sprechen von Skandal

Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) will sich mit dieser Entwicklung jedoch nicht abfinden. Sie kämpft seit Jahren für die Errichtung einer Gedenkstätte auf dem Gelände der ehemaligen JVA. „Versöhnung und Gedenken könnten an diesem Ort möglich werden. Hier erfuhren viele Menschen Leid, Unrecht und es werden Wunden sichtbar. Wunden, die vielen unschuldigen Menschen durch das verbrecherische SED-Gewaltregime zugefügt wurden“, sagt der VOS-Landesvorsitzende André Rohloff. Dass dieser Ort nun einfach abgerissen werden soll, hält der Neubrandenburger für einen Skandal.

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Dabei hatte es 2021 durchaus Bestrebungen gegeben, in der Stadtvertretung einen Beschluss für eine Gedenkstätte auf dem Areal zu initiieren. Doch entsprechende Anträge der Grünen und auch der AfD verschwanden von der Tagesordnung und tauchten nicht mehr auf. Stattdessen beschloss die Stadtvertretung, dass man sich um den Erwerb des JVA-Geländes bemühen soll.

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Zu DDR-Zeiten saßen in dem Gefängnis Häftlinge der Staatssicherheit. Nach der Wende verbüßten erst Jugendliche und später Erwachsene in der Justizvollzugsanstalt Neubrandenburg ihre Haftstrafen. 2018 wurden die letzten Gefangenen verlegt. Seitdem steht das Gebäude leer.

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