Bloß nicht untergehen – nicht nur infolge der Pandemie ist die Schwimmfähigkeit der Neubrandenburger Kinder g
Bloß nicht untergehen – nicht nur infolge der Pandemie ist die Schwimmfähigkeit der Neubrandenburger Kinder gesunken. (Archivbild) Tim Prahle
Leere Bahnen wie hier finden Schülergruppen in Neubrandenburg selten vor. Laut DLRG sind die Kapazitäten in der Stad
Leere Bahnen wie hier finden Schülergruppen in Neubrandenburg selten vor. Laut DLRG sind die Kapazitäten in der Stadt zu gering, um allen Kindern ausreichend Schwimm-Training zu ermöglichen. ZVG/Neubrandenburger Stadtwerke
Fehlende Übung

Viele Neubrandenburger Kinder können nicht richtig schwimmen

Laut DLRG und DRK hat die Schwimmfähigkeit der Sechs- bis Zwölfjährigen in Neubrandenburg abgenommen. Neben der Pandemie seien fehlende Schwimmhallen und -lehrer ein Problem.
Neubrandenburg

Neubrandenburgs Kinder halten sich nur schwer über Wasser. Laut dem Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes Neubrandenburg (DRK) ist die Schwimmfähigkeit der Sechs- bis Zwölfjährigen gesunken. Das offenbarten Schwimmkurse, die das DRK in den Sommerferien im Augustabad angeboten hatte. „Viele der kleineren Kinder haben Angst vorm Wasser, aber auch bei einigen älteren herrscht eine große Unsicherheit“, warnt DRK-Chef Raik Lemke.

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Schuld an dieser Entwicklung sei die fehlende Übung. Da die Schwimmhallen in den beiden ersten Pandemie-Jahren oft geschlossen hatten, fiel der Unterricht an den Schulen aus. Die fehlende Routine habe bei einigen Kindern zu einer Blockade im Kopf geführt – teilweise vorhandene Fähigkeiten könnten nicht mehr abgerufen werden. „Corona hat ein großes Loch gerissen. Das versuchen wir jetzt zu stopfen – was aber nur begrenzt möglich ist“, sagt Lemke.

Probleme sind struktureller Natur

Denn Schwimmunterricht und DRK-Kurse könnten die Probleme nicht allein beheben. Die seien nämlich nicht ausschließlich auf Corona zurückzuführen, sondern struktureller Natur. „Es fehlen Schwimmlehrer an den Neubrandenburger Schulen. So können die Kinder nicht hinreichend trainiert werden“, mahnt Raik Lemke.

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Darüber hinaus wünsche er sich, dass die Struktur des Schwimmunterrichts an Schulen verändert wird. Aktuell bekommen die Kinder in der dritten Klasse für ein halbes Jahr Unterricht – was Lemkes Ansicht nach zu spät ist. „Es ist besser, wenn die Kinder ab der ersten Klasse unterrichtet werden. Darüber sollten die Schulen nachdenken“, sagt Lemke.

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Eine Idee, die auch Dr.  Matthias Gast, Leiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Neubrandenburg (DLRG) unterstützt. Gast zufolge fehlt vor den Lehrkräften aber noch etwas Grundlegenderes: „Wir brauchen dringend Schwimmhallen. Für die Kinder gibt es in Neubrandenburg zu wenig Bahnen zum Üben, es sind so gut wie immer alle belegt.“

Schwimmhallen-Verbund könnte Probleme lösen

Auch Matthias Gast pocht auf einen möglichst frühen Beginn des Schwimm-Unterrichts. Mit fünf Jahren müssten Kinder das Seepferdchen machen, damit sie in der dritten Klasse ihr Bronze-Abzeichen und damit die Schwimmfähigkeit erlangen könnten. Dafür bräuchte es jedoch genügend Rettungsschwimmer – und eben Schwimmhallen. „Da muss etwas passieren. Ansonsten müssen wir uns damit abfinden, dass 50 Prozent der Kinder nicht richtig schwimmen können“, sagt Gast.

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Dem DLRG-Ortsgruppenleiter schwebt ein Schwimmhallen-Verbundsystem vor, in dem Neubrandenburg und Neustrelitz miteinander kooperieren könnten. In der einen Schwimmhalle könnte der Fokus auf den Bahnen liegen, während die andere einen Sprungturm inklusive Tauchbecken bieten würde. „So was ist alles machbar. Aber die Politik muss es auch wollen“, stellt Gast klar.

Dass sie es will, bekräftigt CDU-Politiker Steven Giermann. „Das Thema steht bei uns auf der Agenda. Wir haben das Ziel, die Bahnenkapazität der Schwimmhalle zu erweitern“, sagt er. Bei der jüngsten Ausschusssitzung für Generation, Bildung und Sport sei bereits darüber verhandelt worden.

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