ALKOHOLVERGIFTUNG

Mit 13 Jahren volltrunken ins Krankenhaus

Immer wieder gibt es erschreckende Vorfälle im Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Alkohol. In Altentreptow traf es ein 13-jähriges Mädchen.
Bärbel Gudat Bärbel Gudat
Nicht immer ist klar, woher die Kinder und Jugendlichen den Alkohol haben. Im Falle der 13-Jährigen gab es einen Hinweis an die Polizei.
Nicht immer ist klar, woher die Kinder und Jugendlichen den Alkohol haben. Im Falle der 13-Jährigen gab es einen Hinweis an die Polizei. Angelika Warmuth
Altentreptow.

Lapidaren Umgang mit Psychosubstanzen beklagt der Chefarzt der Kinderklinik im Kreiskrankenhaus in Demmin, Dr. Ralph Richter. Bei ihm und seinen Mitarbeitern landen Kinder und Jugendliche, wenn sie zu viel Alkohol oder Drogen im Blut haben. Dass die Heranwachsenden sich gern mal ausprobieren, gerade in der Pubertät, ist nichts Neues. Doch ein Fall, der Mitte Februar in Altentreptow passierte, sorgte für Aufsehen.

Eine 13-Jährige musste mit einem Alkoholgehalt von 2,26 Promille im Blut behandelt werden. Dieser Wert setzt schon ein gewisses „Training“ voraus, sind sich Ärzte und auch die Polizei sicher. Denn 0,8 oder 1,5 sind normalerweise die Promillegrenzen, mit denen junge Leute auf Kinderstationen landen. Man führe bei den jungen Leuten auch einen Drogenschnelltest durch, um festzustellen, ob vielleicht auch noch zusätzlich Cannabis, Crack oder Amphetamine konsumiert wurden. Aber nicht alle der neuen Drogen können über diesen Schnelltest festgestellt werden, erläutert der Kinderarzt.

Wie später weiter verfahren wird, dafür gebe es kein Rezept wie aus dem Kochbuch, sagt er. Es werde im Einzelfall entschieden. Das bestätigt auch das Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum. Auch, ob das Jugendamt informiert wird.

Fachkräfte sprechen auch mit den Eltern

Im Klinikum gibt es Fachkräfte aus dem Psychologischen Dienst und der Pflege, die über das „HaLT“-Programm speziell geschult sind für entsprechende Gespräche mit Kindern und Jugendlichen, die nach erhöhtem Alkoholkonsum ins Klinikum kommen, sowie deren Eltern, informiert Pressesprecherin Anke Brauns. Es gebe ein standardisiertes Vorgehen. Zuerst spricht diese Fachkraft mit dem Kind/Jugendlichen über die Gefahren des Alkohols und lässt sich die Situation erklären und fragt nach, warum das Kind getrunken hat.

Danach befragt die Fachkraft die Eltern nach ihrer Einschätzung der Situation, unter anderem um zu klären, ob es sich um einen einmaligen Ausrutscher oder ein häufigeres Problem handele. Wenn dabei der Eindruck entsteht, dass das Kindeswohl in Gefahr ist oder bei Wiederholungsgefahr die Gesundheit leiden könnte, wird das auf Grundlage des Kinderschutzgesetzes dem Jugendamt, in seltenen Fällen auch dem Familiengericht, gemeldet. Wenn diese Gefahr nicht gesehen wird, gibt die Fachkraft eventuell noch Empfehlungen für weitere Beratungen oder Therapien. „HaLT“ steht als Kürzel für „Hart am Limit“. Es ist ein über das Bundesgesundheitsministerium gefördertes, kommunales Alkoholpräventionsprogramm.

18-Jähriger soll zum Trinken animiert haben

Warum Kinder oder Jugendliche zu viel trinken, dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Mal wollen sie einfach provozieren oder auf sich aufmerksam machen, weil sie glauben, nicht mehr gesehen zu werden. Andere möchte zu einer Clique dazugehören, machen deshalb bei Trinkgelagen mit. Aber es gibt auch die, die mit dem Alkohol ihre Probleme und Ängste betäuben.

Nicht immer ist klar, woher die Kinder und Jugendlichen den Alkohol haben. Im Falle der 13-Jährigen gab es einen Hinweis an die Polizei. Ein 18-Jähriger soll gemeinsam mit dem Mädchen getrunken haben, wohl nicht zum ersten Mal. Wenn es sich bestätigt, wird sich die Polizei um den jungen Mann wegen der Verletzung des Jugendschutzgesetzes kümmern, sagt die Pressesprecherin der Polizeiinspektion Neubrandenburg, Kathrin Jähnert. Es sei eine Ordnungswidrigkeit und das laufe wohl auf eine Geldstrafe hinaus.

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