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Von der Kunstmeile in die Küche

Helga Suckow von den „Findlingen“ erklärte den Gästen auf dem Hof von Christa Bartels das Hochdruckverfahren.

.„Wir sollen schöne Grüße von Heike Camp bestellen.“ Ilja Strittmatter lacht, als die neuen Besucher seine Werkstatt mit diesen Worten betreten. ...

.„Wir sollen schöne Grüße von Heike Camp bestellen.“ Ilja Strittmatter lacht, als die neuen Besucher seine Werkstatt mit diesen Worten betreten. „Wir haben abgemacht, dass wir uns gegenseitig Grüße überbringen lassen“, sagt der Sadelkower Töpfer mit Verweis auf seine Künstler-Kollegin im benachbarten Glienke, bei der das gelbe Segel zu Pfingsten ebenfalls zu „KunstOffen“ einlädt. Wie eigentlich jedes Jahr ist Ilja Strittmatter begeistert von der Resonanz. „Volles Haus, tolle Gespräche und so ein feines Publikum“, erzählt er. Zu diesem feinen Publikum gehören auch Waltraud Leder aus Neubrandenburg und Ingrid Frömming aus Waren. Das sei ihre erste Station, erzählen die beiden Frauen, die zu „KunstOffen“ eigentlich immer unterwegs sind. Sie wollen noch weiter, nach Woldegk zum Beispiel. Keramik und Schmuck interessiere sie am meisten.

Volles Haus – das trifft auch bei Christa Bartels in der Kleinen Wollweberstraße in Neubrandenburg zu. Am Samstagnachmittag ganz besonders. Denn als der Wolkenbruch einsetzte, mussten sie und ihre Mitstreiter der Malgruppe „Findlinge“ die ganze schöne Kunstmeile an der Stadtmauer mit Malerei und Grafik in Windeseile abbauen und im Haus verteilen. Die Gäste – gerade war eine Gruppe Senioren der AWO-Begegnungsstätte in der Brodaer Straße reingeschneit – quetschten sich in Christa Bartels Küche, was die gute Laune bei Kaffee und Kuchen aber nicht beeinträchtigte. Im Gegenteil. Elvira Maier aus der Gruppe gab plattdeutsche Gedichte zum Besten und stimmte plattdeutsche Lieder an. Die AWO-Senioren sind mit den „Findlingen“ in besonderer Weise verbunden, weil die Künstler wiederholt in der Begegnungsstätte ausgestellt haben.

Die acht „Findlinge“ – ehemalige Kunsterzieher, eine Grundschullehrerin und eine Erzieherin – sind seit mehreren Jahren bei „KunstOffen“ dabei. 150 bis 170 Leute an zwei Tagen seien da keine Seltenheit, erzählt Birgit Hendrich. Dieses Jahr sei es allerdings durch die Ringbaustelle mit der gesperrten Innenstadteinfahrt etwas ungünstiger. „Sonst hatten wir mehr Durchgangsverkehr. Gerade zur Schillerstraße, wo es ja auch Anlaufstellen gibt, ist dieser Standort eine gute Verbindung“, erklärte sie. Nachdem der Regen sich verzogen hatte, konnten die Gäste auf dem Hof wieder zusehen, wie die Hochdrucktechnik mit Holzschnitten funktioniert oder sich selbst daran ausprobieren. Eine schöne Erinnerung zum Mitnehmen.

Regensicher waren die „KunstOffen“-Freunde, die die Kunstsammlung ansteuerten, wo noch bis zum 9. Juni Malerei von Bernhard Schrock zu sehen ist, der in Podewall lebt und arbeitet. In einem Künstlergespräch erzählte er, wie ihn die Natur oder Gedichte zu Werken inspirieren, wie er in einem oft langen Prozess Bilder immer wieder verändert. Selbst vor so manchem Ausstellungsstück bemerkte er beim Rundgang, da könne er „eigentlich auch noch was dran machen“. Wenn er male, sei er „wie ein Dirigent mit seinem Orchester“, beschrieb Bianka Marschall, die sich das Atelier mit Bernhard Schrock teilt und ihn oft bei der Arbeit beobachtet. Seine Figuren entstehen automatisch, erzählte er. „Ich staune selbst ab und zu, wie das so passiert.“