Vielen Kunden droht infolge des Ukraine-Kriegs eine unangenehme Überraschung bei den Abrechnungen für Gas- und Strom
Vielen Kunden droht infolge des Ukraine-Kriegs eine unangenehme Überraschung bei den Abrechnungen für Gas- und Strom. Erste Anbieter haben bereits die Vorauszahlungen erhöht. Patrick Pleul
Kriegsfolgen

Wann trifft der Energiepreis-Schock die Neubrandenburger?

Die Turbulenzen des Energiemarktes sollen Stadtwerke-Kunden in Neubrandenburg nicht sofort zu spüren bekommen. Ganz kann sich neu.sw Weltgeschehen und -markt aber nicht entziehen.
Neubrandenburg

Angesichts extremer Preissteigerungen infolge des Kriegs in der Ukraine haben erste Energieversorger in der Seenplatte ihre Kunden bereits böse überrascht. Die Stadtwerke Neustrelitz beispielsweise erhöhen ihren Gaspreis zum 1. Juli um etwa 45 Prozent. Aus gleichem Grund beendet der Energiekonzern Eon derzeit einseitig Stromverträge, die für das Unternehmen offenbar nicht mehr lukrativ sind.

Lesen Sie auch: Vermieter wollen höhere Nebenkosten-Abschläge

„Eine Aufwärtsspirale wie derzeit gab es auf den Energiemärkten noch nie“, teilte denn auch Steffi Schwabbauer, Sprecherin der Neubrandenburger Stadtwerke dem Nordkurier auf Anfrage mit. Die Stadtwerke haben nach eigenen Angaben rund 40.000 Strom- und 7000 Gaskunden, die meisten im eigenen Netz. Eine Preisanpassung müsste nach den Worten der neu.sw-Sprecherin zunächst der Aufsichtsrat beschließen. „Unsere Kundinnen und Kunden würden dann mindestens sechs Wochen vorher informiert.“

Preise sollen bis Jahresende stabil bleiben

Doch entgegen dem Trend infolge der Ukrainekrise wollen die Neubrandenburger Stadtwerke neu.sw ihre Tarife für Strom und Gas nicht erhöhen. „Unser erklärtes Ziel ist es, im laufenden Jahr in unseren Netzen keine Preisanpassungen bei Strom und Gas vorzunehmen, also die Preise vorerst möglichst bis zum Jahresende stabil zu halten – und damit für die allermeisten unserer Kundinnen und Kunden“, so Schwabbauer. Nur ob das auch im Umland gelinge, wo die Stadtwerke kein eigenes Netz betreiben, sei fraglich.

Lesen Sie auch: Das bedeutet ein Ölembargo für Verbraucher in MV und Brandenburg

Was aber hat man in Neubrandenburg angesichts der starken Preissteigerungen im Großhandel anders gemacht? Steffi Schwabbauer erklärt: „Wir profitieren von unserer langfristigen Einkaufsstrategie.“ Die Mengen, die jetzt verbraucht würden, seien im Wesentlichen bereits beschafft worden. Die Preissteigerungen an den Energiemärkten hätten deshalb auf die aktuellen Preise noch keinen Einfluss. Da keine Tarifanpassungen anstünden, rät das städtische Unternehmen anders als weitere Anbieter derzeit auch nicht zur Anpassung von Abschlagszahlungen.

Weniger Kunden bezahlen ihre Rechnungen nicht

Trotz der Folgen von Krieg, Corona-Pandemie und Inflation gibt es in Neubrandenburg zudem nicht mehr Menschen, die ihre Energierechnung bei neu.sw schuldig bleiben. Im Gegenteil. Die Zahl der Kundinnen und Kunden, die ihre Jahresrechnungen nicht sofort beglichen haben, liegt nach den Worten der Sprecherin „ganz leicht“ unter dem Vorjahreswert.

Weiterlesen: Warnungen vor steigenden Gaspreisen wegen Ukraine-Krise

Obwohl die Stadtwerke nach eigener Darstellung ganz gut dastehen, lässt sie die russische Boykott-Androhung bei Gaslieferungen nicht so kalt, wie viele Heizkörper dann wohl blieben. Neu.sw kaufe Erdgas bei verschiedenen Lieferanten, teilte Schwabbauer weiter mit. „Wie viel russisches Gas dabei ist, können wir nicht sagen.“ Wärme könne im Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk in der Warliner Straße über Kraft-Wärme-Kopplung „sehr effizient“ erzeugt werden. Bei einem Versorgungsengpass wäre es laut neu.sw möglich, vorübergehend Wärme mit reduziertem Gaseinsatz über die Heizwerke zu produzieren. Hier könnte alternativ auch Heizöl eingesetzt werden.

zur Homepage