CHRONOLOGIE STRAßENBAU

Wann war Neubrandenburg das letzte Mal ohne große Baustelle?

Seit zehn Jahren wird auf und an den großen Straßen im Zentrum von Neubrandenburg gebaut. Bei den ganzen Baustellen kann man schon mal die Übersicht verlieren. Deswegen haben wir eine Chronologie erstellt.
Sebastian Langer Sebastian Langer
Thomas Türülümow
Archiv NK
Archiv NK
Neubrandenburg.

Es hat sich etwas geändert. Wenn man vor zehn Jahren Menschen aus der Region gefragt hat, was sie mit Neubrandenburg verbinden, dann antwortete die Demminerin "Shopping!", der Neustrelitzer "Konzertkirche!", die Warenerin "Arbeitsort!" oder der Ueckermünder "Auswärtsspiel!". Fragt man die Leute heute wieder, geben sie ähnliche Antworten – allerdings um ein städtisches Charakteristikum erweitert: "Baustellen!" Gerade ist der Ring mal wieder fast durchgängig dreispurig befahrbar, und in der Innenstadt ist außer der Weihnachtsmarkt-Sperrungen auch alles wieder schick.

Doch auf und an den Hauptstraßen des Oberzentrums wird seit Jahren gefräst, gebuddelt, grundiert, asphaltiert und straßenmarkiert, was das Zeug hält und das Straßenbau-Budget hergibt. Das ist einerseits sehr gut für die Infrastruktur, die Bauwirtschaft und die Fahrwerke schlaglochgeschädigter Gebrauchtwagen. Das ist andererseits sehr schlecht für tausende Verkehrsteilnehmer, die jeden Tag durch eine Stadt mit einem zentralen Verkehrsring fahren müssen, der hier oft die einzige Möglichkeit ist, von A nach B zu kommen.

Dementsprechend reagierte die Öffentlichkeit zunehmend sensibel auf jede neue Baustellen-Ankündigung und auch zunehmend genervt, wenn die Ideen der Planer nicht aufgingen und sich Abertausende durch die ungewohnten Verkehrsstaus des Nadelöhrs Neubrandenburg, den Friedrich-Engels-Ring, quälten. Der Nordkurier titelte "Ein Ring, sie zu knechten", die Spaßfraktion im Netz sprach gar vom "Engels-Gedulds-Ring", und so mancher, der im Stau plötzlich ganz viel Zeit zum Nachdenken hatte, fragte sich, ob diese ganzen Baustellen, was Zeitpunkt, Dauer und Kommunikation an die Öffentlichkeit betraf, wirklich optimal geplant waren. 

Wann hat das große Bauen eigentlich begonnen?

Denn gefühlt wurden auf oder am Friedrich-Engels-Ring seit Jahren andauernd irgendwo Fahrspuren erneuert, Brücken abgerissen, Fuß- und Radwege saniert, Brücken aufgebaut, temporäre Spuren markiert, Teilabschnitte feierlich wiedereröffnet – und prompt der nächste Straßenabschnitt abgesperrt. Dann kommt die Demminerin plötzlich nur noch über eine Einfahrt in die Innenstadt und nach der Einkaufstour wegen eines Mega-Rückstaus kaum noch wieder hinaus. Der Neustrelitzer baut abends nach dem Konzert fast einen Unfall, weil die Verkehrsführung zum dritten Mal in der Woche geändert wurde. Die Warenerin fährt jetzt grundsätzlich eine halbe Stunde früher los und weiß trotzdem manchmal nicht, ob sie es pünktlich zur Arbeit schafft. Und der Ueckermünder verpasst mit seinen Jungs glatt die komplette erste Halbzeit, weil wegen eines Unfalls der Verkehr auf der letzten verbliebenen Ringspur komplett zum Erliegen kommt.

Doch wann hat es eigentlich begonnen, das große Bauen? Wann konnten Erika und Max Mustermann zum letzten Mal von ihrer Wohnung auf dem Datzeberg im Norden zum Einkaufen in die Innenstadt ins Marktplatzcenter und danach zu den Kindern in die Oststadt und wieder zurück fahren, ohne auf den Hauptstraßen durch auch nur eine einzige Baustelle aufgehalten worden zu sein? Der Nordkurier hat sich diese Frage gestellt und mal ein bisschen in den Archiven gewühlt.

Vor etwa achteinhalb Jahren, an einem Frühlingstag im Jahr 2010, schlossen einige Bauarbeiter eine Fahrspur von der Pferdemarkt-Kreuzung in Richtung Norden, um den Bau einer Behelfsbrücke über die Eisenbahnlinie entlang der Demminer Straße zu beginnen. Seither – und bitte berichtigen Sie uns, wenn wir ein Detail übersehen haben! – hat es keine Baupause in der Stadt mehr gegeben. Ungezählte fleißige Arbeiter haben nacheinander (mit zeitweiligen Überschneidungen) auf 18 größeren Baustellen gewerkelt und dabei ebenso ungezählte Flüche der immer wieder im Stau Steckenden hören müssen.

Unsere Grafik veranschaulicht das Baugeschehen auf den zentralen Neubrandenburger Hauptstraßen in den vergangenen zehn Jahren. Rot gekennzeichnet sind alle Abschnitte der schrittweisen Sanierung des Friedrich-Engels-Rings:

Besonders extrem war die Situation zu Beginn dieses Jahres, als zeitweise gleich fünf große Baustellen nebeneinander existierten. Und manch kleineres Projekt ist in der Übersicht noch gar nicht erwähnt – wie zum Beispiel die Erneuerung der Tunnelröhren unter der Demminer Straße, die vielen Baustellen rund um die Sanierung des HKB in der Innenstadt, die Erneuerung der Datzebrücke auf der Demminer Straße oder des Fahrbahnbelags in der Demminer Straße gen Norden und in der Rostocker Straße gen Westen. Dennoch kommen imposante Zahlen zustande: Rund 100 Millionen Euro wurden und werden noch verbaut, die Bauzeit der einzelnen Baustellen summiert sich auf etwa 25 Jahre. Und wenn im Sommer 2019 fast zeitgleich die Ortsumgehung, die Lindebachbrücke am Stargarder Tor und die Ringsanierung am Pferdemarkt abgeschlossen sein werden, dürfte es in Neubrandenburg nahe des Zentrums nur noch wenige Straßenstücke geben, die im neuen Jahrhundert nicht die Hand eines Straßenbauers gespürt hat.   

In unserer Chronik der großen Straßenbaustellen in Neubrandenburg seit 2008 finden Sie alle oben aufgeführten Baustellen in Bild, Text und Karte. Sie können die Chronologie auf dieser Seite unter dem Text oder für eine bessere Übersichtlichkeit mit einem Klick seperat auf einer neuen Seite starten. Wenn Sie mit dem Mauszeiger über die Karte fahren, sehen Sie alle Baustellen im Überblick.

StadtLandKlassik - Konzert in Neubrandenburg

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